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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 15 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
15 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. But Jjelefjrmifl und Unterhaltung auf HrrauSgegeben von Rabbiner 1)r. Ludwig Philippsoll in jüdischem Gebiete. Bonn. rlt> * ~ (A,.n i «ou dir!» Zetts»nl» erschrt»! woLraUtch ri«e Ru»»rr. Pre« dr« Jahr I yffl 15 1 oWO. I gangl l*Z(lr. ««ierirtjähri» 7!^ Ngr. Nile v»»ha«dt«gri L *J «nd ZeNmg«erpebilio«e» nehme» «estellunze» ao [10* Jnhrg. 1. öJuartaLj Ein Bekenntniß. (RaH dem Jlaliemschea des Prof. G. Levi.) Royelle. Der Schluß de« Jom Kippur. Die zahlreichen Beziehungen meiner Familie, Beziehungen, die durch ihre wichtigen finanziellen Geschäfte angeknüpst ^nd unterhalten wurden, eröffneten mir eine gewisse Gesellschaft, die für meine ehrgeizigen Adfichten hinreichen könnt». Dieselbe war nicht auf eine einzig, sociale Classe beschrankt, sondern war gleichsam eine Mischung au« allen Classeü, wie die Interessen, die sie mir meiner Familie veroanden, verschieden und mannigfach waren. In den! ersten Monaten fühlte ich in mir selbst eine Trunkenheit von Vergnügen. Bewußt der Unterdrückung, die uns noch gestern erniedrigte, bewußt der Abschließung, in der noch heute hier viele glaubenSgenossische Familien gehalten find,! sah ich mir die stolzen Säle unsrer Herren Adeligen, u id die nicht minder stolzen Säle der reichen Bourgeoisie zeöffnet; ich sah mich dort ausgenommen ohn«^ Schatten v>n Zurückhaltung, und freute mich eines PrtncipS, >>aS mich über meine Mitbrüder stellte. Ze weiter ich ist jener christlichen Welt vorrückte, desto mehr verlor sich und schwand fast aus meinem Geiste die Erinnerung an die israelitische Welt. Aber jenes Bild, daS in der Luft zu verrauchen schien, sollte sehr ^ald wieder erscheinen, viel wesenhüfter alS früher; wieher erscheinen, wie ein gefürchtete- Phantom. Die ersten Enttäuschungen. Kaum waren einige Monate jenetrunkenen Lebenvergangen, so trat, wie gewöhnlich hei allen Vergnügungen, eine gewisse Ruh« ein, die unS zum Nachdenken veranlaßt; jene- Nachdenken, daunbestimmt, abzuwägen, zu prüfen, zu beurtheilen, und da-- nur zu oft der Vorbote einefurchtbaeen Sturmewird. So war eauch bei mir der Fall. Ich fing an, so zu sagen, jener Welt, in die ich mich geworfen hatte, in'S Gesicht zu schauen; mir einer gewissen Aufmerksamkeit ihre Handlungen, ihre Bewegungen, ihr Worte zu untersuchen; die Personen und die Sachen zu prüfen. Daerste Ergebniß diese- Nachdenkenwar eine gewisse-unbestimmte Unruhe, eine gewisse stumme U«. Zufriedenheit. Ich fing an zu fühlen, daß mir etwafehlte, daß ich nicht jenen Umfang dekebnrgewonnen hatte, den ich hätte erwarten sollen. Ich fiihlte e-, aber gestand emi noch nicht selbst, weil ich noch weder tö Natur noch di! Ursache davon entdeckt hatte. Bon Sa<»e zu Sache, von Idee zu Idee, von Reflexion zu lkeflexion, von Entdeckung zu Entdeckung kam ich ungli cklicherweife dahin, mir selbst zu gestehen, daß ein find tdare- Phantom mich auf allen meinen Schritten vrrtolgt, und eine düstre Wolke in jene Welt warf, in die i h mich gestürzt hatte; und diese- Phantom war der Nam ■ Jsraelite. f O mein ehrwürdiger Meister! wie lange wstrde ewerdenz wenn ich »Euch alle die kleinen, aber schmerzlichen Leiden meiner Seele nach jenen meinem ersten Bekenntnisse aufzählen wolltet E< sind unnennbare Leiden, die der Stolz Andern nicht bekennen will, aber die dageheimste Herz mir allzusehr und blutend bekennt. Und gerade da- Herz war e-, daam meisten dabei litt, efühlte sich am meisten davou^verwunder und zerrisse». Dean da jene Welt sich mir vor dem Geiste umgewandelt hatte, so war egerade da- Herz, dasich einlam und leer fühlte. Eschmachtete nach Vertrauens nach Wohlwollen und Brüderschaft, und findet statt ihrer nur kalte Höflichkeit, gemessene Zurückhaltung, die entmukhtgen und erstarren. Inmitten' meiner getauschten Ansprüche auf Liebe, auf Freundschaft, dachte ich einen Augenblick an mei»e Mildrüder. Wie Viele hätten mich mit Wohlgefallen, mir Entzücken und auch mit Erkenntlichkeit aufgenommea l statt daß in jener stolzen Welt, in der ich mich damakbewegre, ich mich wie ein Bettler um erpreßte Gunst» bezeugungen fühlte. Aber da- Verlassen der christlichen Gesellschaft nahm vor meinem Geiste die Gestalt einer Niederlage an, die Rückkehr zu den Mitbrübem den Anschein einer Demüthigung. Und jene Gestalt unjener Anschein ließen mich diesen flüchtigen Vorsatz verabscheuen, und ich stieß ihn mir Unwillen zurück. Versuchung und FalU Ich lebt« seit einiger Zeit in diesen Mißstimmungen und Enttäuschungen, älS ich zufällig die Bekanntschaft eine- Jünglingvon bürgerlicher, wegen ihrer christlichen Frömmigkeit sehr bekannten Kaklilie machte. Die sociale Stellung dieses Jünglingwar weit unter' permemigen, aber gegenüber vielen Christen für alle Israeliten in einer und der nämlichen Stellung, nämlich einer untergeordneten. Jen« Jüngling (ich nahm eleider zu spät wahr) studitte lange mvMra Charakter, errieth leicht die Unzufriedenheit, die an Mir nagte, schloß sich mir immer enger an, knüpfte allmLNg

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