Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 14 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
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I)r. Go l d sch mi d t, galt der Menschheit und ihrem sittlicken Streben. Prof. Roßmäßler saglein seinem Toaste unter Anderm: Er füble sich in diesem'Kreise nicht als Gast, sondern alS Heimischer und nirgendbefinde er sich so gerne und so wohl, alS gerade in diesem Zirkel, denn das Zudenthum hat vor dem Christenthume die drei Vorzüge, daß eS ein reiner MonotdeiSmuS lei, kein bezwingendes Dogma und kein Pfaffenrhum besitze, und habe er bereits vor einigen Zähren, gerade bei einer solchen Gelegenheit wie der heurigen, auf diese Vorzüge hingewiesen. Zn Ihrer Mitte, fügte der Redner hinzu, ist eS möglick, den Krim der Humanitär zu pflegen. Dem Verein alS Pflanzstätte der Humanität rin Hoch! — Herr ZuliuS N. Frankel trank auf das Wohl des gesammren deutschen Vaterlandes und wurde dieser Toast mir unzähligen HochS und einer Fanfare der Musik erwiedert. — Dr. August PeterS (Schriftstellername Elfried von Taura) begann seinen Trinkspruch mir folgenden Worten: WaS will. Saul unter den Propheten i Was will der Christ unter denZudenl und kam auf bieFreundsckafl Me n d «lSsohn'S und Lessing'S, des usten freien Literaten DeutscklandS zurück. Die Feudalen, fuhr der Redner fort, sprechen von Literaten und Juden; man muß eS auS dem Mund« der Hengstenberge hören. Wir nehmen diese Zusammenstellung alS Ehre an. Zch, als Schriftsteller, fühle mich gechrr mit einem Stamme zufammengrstellt zu sein, der «in altehcwücdiger ist, und der zuerst die GolteSidee' erfaßt und verbreitet bar; ich freue mich mit einer Genossenschaft in eine Reihe gestellt zu werden, die ihre Selbstständigkeit bewahrt har; ich bin glücklich, zu bene» gezahlt zu werden, die kosmopolitisch und die besten Bürger des Staates sind. Der Redner schloß seinen geistvollen Trinkspruch mit den folgenden Worten: „Mögen Literaten und Juden zusammenstehen bis der letzte Pfaff dem letzten Zunker den Leichensermon halt " Hoch den Juden und Literaten! — Der gefeierte Redner Prof. Dr. Wurtke sprach ungefähr Folgendes: Bei den Fest-' mahlen der alten Egypter war eS Brauch, em Todtendild zu dringen und eS den Versammelten zu zeigen, indem man ihnen zurief: so wirst Du sein, gedenke dessen! Ich möchte Sie, geehrte Festgenossen, ernst stimmen. Die Zeu ist eine ewig gebahrende. ewig verjüngend,. Unsere Blick? müssen wir auf die Jugend richten... Was wir nicht glücklich zu Ende geführt, wird der Nachwuchs voliführen. Wir müssen unsere ganze Aufmerksamkeit dem Geschlecht« widmen, welches sich anfchickl, uns zu ersetzen. Wenn nicht überall, so ist in diesem Kreise schon manche Prob« von Talent und Geschicklichkeit der Jugend gezeigt worden und Sie werden gewiß mit^mic in den Ruf einstimmen: Unserer Jugend rin Hoch! — Herr Julius Golbschmidt widmete sein Glas dem^ preußischen Abgrordnetenhause und forderte die Gesellschaft zum Beitrag für den deutschen Narionalfoad auf. Vorsitzender F ran kel theilt mit, daß die Sammlung den Betrag von Thlr. 20. 17 Ngc. 2 Pf. ergab. — Der sächsische LandtagSadgrordnrter Dr Heyuer dringt einen humoristischen Trinkspruch auS und sagt unter Anberm: Wackere Festgenossen! Im Ernst, im tiefen Ernst har man so eben auS deulschemHerzen gesprochen ... Verantwortlicher veu Si sn ji (U( :'i Buchhaurlung i Wie die Römer ihre Feste, wie die Griechen i^ft olympischen Spiele, so feiern wir auch heute diesen Ehrentag. DaS I schöne Geschlecht ist eS, das dieses Fest durch ihre Anwesenheit verschönert, lassen Sie uns daher rin GlaS auf i das Wohl der Frauen leeren! — Herr LiviuS Fürst sagt in seinem launigen und gemürhlichrn Trinkspruche, daß der geehrte Doredner ihm den Inhalt seines Toastes weg« H,schnappt habe und bringt dann in gedunbnec Red« ein bege>siecteS Hoch dem schönen Geschlecht«. — Hierauf trägt Herr JuliuS Goldschmidt das Gedicht „Aprilfrost" von I. v. Scherenberg meisterhaft vor. — Ein Redner gedenkt des Gründers dieses Vereins, dem er ein Hoch widmet. — Herr Dr. David A she r: Er habe nur ein kurzes Wort zu sagen. Vor einiger Zeit sahen wir in Ihrem Verein die sieben Raben fliegen. (Der geehrte Herr Redner spielt auf daS zunächst im Druck erscheinende „Märchen von Sen sieben Raden" an. nach Moritz v. Schwiwdt, gleichnamigem Bilde von LivivS Fürst, daS der liebenswürdige Dichter kürzlich in einem Ger fellschafkSabende des Vereins mit bewahrter künstlerischer > Begabung, zur allgemeinen Zufriedenheit der zahlreichen s Versammlung, vortrug. Ich habe auch über die Zahl! sieden zu sprechen, wenn auch nicht über Raben. Der geehrte Redner spoicht dann in launiger Weise üd«r die Steuern, die Zahlungen am Zahltage, über die verschiedenen Erhebungen und endlich über die Erhebung von der Tafel, um sich dem Tanze hinzugeden.I Dieser Trinkspruch! wurde mir vielen Beifallrufen begrüßt. t)r. Heyner meinte zum Schlüsse, daß die Juden wohl tanzen sotten, denn wie bekanntlich baden sie noch ,'m Allerkhume um daS goldene Kalb getanzt. — Die Festtafel war sehr belebt und die zu dieser Gelegenheit verfaßten Lieder: „BundeSkied" von Herrn Arnold Bodek. „Dem Vaterland«" von L. F., „Die Frauen hoch!" von I. G. trugen nicht wenig dazu bei, die frohe Stimmung, die herrschte, zu erhöben. —Zum Tanz! Zum Tanz! ertönte e« von allen Seiten, und die muntere lebenslustige Jugend gab sich mir Freude diesem Vergnügen hin. Ein glanzender Lall beschloß dieses schöne Fest, der erst...geqm Tagesanbruch sein Enbe erreichte. -— Wir kennen unmöglich umern Bericht schließen, ohnedem wackern Vorstande für da« schöne Arrangement diesein jejber Hinsicht glanzenden Feste« unfern innigen Dank auSzusprrchen, und wünschen dem Verein, er möge gedeihen und blühen ^nd immer Lästig aufdervorgezeichneten Bahn vorwärts schreiten! L. T. i Allgemeine Zeitung des Ju'denrhumS. ')io. 13. 1SC3. Leitende Artikel: Das Zudenthum des 19. Jahrhunderts und das Lhristeotbum. .Schluß.) — Und doch »och! — Die israelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Darmstadt. Preußen: Berlin. (Schluß. Schweiz: Baden (Schwei;) Frankreich: Paris. Nordamerika: Philadelphia. — Nachtrag: Berlin. Berlin, St. Petersburg, Lemberg. S3T Zu bezirken durch jedes Pcstamr und jede Buchbandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Tbaler. rut I. H. Luder. Seirz>S — Druck ten <9. »ttqfiBS in Vriejig.