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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 14 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
14 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BoMvlatt. Zar Kelehrung und Ünterhattung auf jüdischem flebiele. HrrauSgeßebm tJtt Rabbiner Dr. Ludwig Philip-sou in Bonn. [Wo. 14. 1863.] Von * **)itfn ZeitlckriU citotint «O-benUich eine Rümmer. Preis des Nährgang« 1 Ldlr. «ienelja-rig 7 U Ngr. Alle Vmb Handlungen. $ofUnur ' und Zeimngserpebiriönen nehmen SefteHungen an. [10. Jahrg. 1. Quartal.} EinBekenntmß.*) Nach fcem Ätalienischen de» Prof. G. Levi.) Novelle. Der Schluß des Jom itippur. Es war kaum eine Stunde verflossen, selbem der ernste und feierliche. Bersöhnungstag in Fasten und Geber geschlossen und vollbracht worden. Die vom Gottesdienste zurüchgekehrtm Andächtigen waren im traulichen Familienkreise versammelt, und unterhielten sich in imer gehobenen und wohlgefälligen Stimmung, die das Bewußtsein, eine große Pflicht erfüllt zu haben, und die Hoffnung filier heitern Zukunft gewahren. Der Rabbiner der Gemeinde (einer der wichtigsten in einer ansehnlichen Stadt Deutschlands) hatte sich auch in einem bescheidenen Gemache mir de» Familie versammelt, in Erwartung der zahlreichen Freunde, die gewöhnlich an jenem Abende kamen, ihm ihre Verehrung zu bezeugen; ein religiöser und sinniger Brauch der ein neuer Seelenerguß, eine süße Wiederholung all der religiösen Eindrücke zu sein pflegt, die die Gemürher den feierlichen Tag der Versöhnung hindurch empfangen hatten. Der Rabbiner (mit Namen Auselm Bern) war ein Mann von ernstem Aussehen und Gedahren, von tiefem religiösen Gefühle, ein strenger Beobachter aller jüdischen Satzungen, aber väterlich nachsichtig gegen die neuen Ansihlen und Bestrebungen, die der Strom der Ideen und des Lebens auch in seiner Gemeinde erzeugt hatte. Eins lag ihm mehr als Alles am Herzen; der Rubm und die Ehr« seines Glaubens und seine»-GlaudenSbcstder. Mit dieser Ehre war bei ihm unzertrennlich verbunden die unwandelb-rre Erhaltung derjenigen Prjncipien, die das Wesen deS israelitischen Dogmas und Lebens ausmachen. Mo immer . diese Ehre angetastet wurde,„ da zeigte unser Anselm ÄSdald . eine Energie, die sich mir seiner gewohnten Nachsicht und feinem vorgerückten Alter nicht zu vertragen schien. Wenn dagegen diese Ehre gerettet war, pflegte er immer jene Duldsamkeit zu üben, die immer der Umkehr und der Versöhnung einen Zugang offen laßt. Sein Lieblingsgrundsay war der raddiaische Ausspruch, der eine so hohe sociale Weisheit enthält: *) Aus l’Educa^ore Israelita. **) Dieser ohne Zweifel der Mischna (Joma Eap. 7? entstammte uralte Brauch vieler Länder besteht jedoch nirgends in den jüdischen Gemeinden Deutschlands. Anm. des Einsenders. „Während Du mir der Linken zurückstößest, strecke di«^ Rechte aus, dem Zurückgestoßcnen aufzunehmen." Diese seine kluge^und bedachte Toleranz war gewissen Strenggläubigen, die einer unerbittlichen Orthodoxie huldigten, unangenehm'und unbequem. Aber Solcher waren Wenige und wenig Angesehene. Der größte Theil achtete und liebte ihn. Und selbst diejenigen, und deren war schon eine große Anzahl, die sich der religiösen Disciplin gänzlich entzogen hatten, fühlten sich zu ihm hingezogen, und näherte« sich ihm willig, und öffneten ihm ihr innerstes Gemüts mit achtungsvollstem Zutrauen. Ein unerwarteter Besuch. In dem bescheidenen Saale des Rabdinen AnsilN waren schon mit seiner Familie einige Freunde versammelt die eine gefällige Unterhaltung führten, als mir unsicher» Schritte und verlegener Miene ein Allem wohlbekanfttv ' Jüngling, Namens Herrmann W-, eintrat, dessen Gegen wart in allen Gemüthern ein Gefühl tiefen Staunens erregte! Alle Auge« richteten sich alsbald auf ihn, und da^ allgemeine Erstaunen nahm zu, als sie ihm' scharf in'tz Gesicht sahen. Er hatte die Augen mir-Thräneisangefüll^ und auf den bleichen Wangen deiPrkte män noch die Eindrücke derselben, die sie in großer Menge benetzt hatten! Der Jüngling, ohne die Anwesenheit der Andern zii beachten, ohne ihnen auch nur den Blick züzuwenven! geht gerade auf den Rabdinen zu, ergreift, achtungsvoll dessen Rechte, führt sie zu dm Lippen und drückt einest Kuß darauf, und mir eener fast erstickten Stimme hncht er: „Herr ich muß im Geheim mir Euch reden, ich Hab: stringend nöihig mir Euch zu reden; gewähret mir diejl Huld; eine halbe Stunde ..." Der.Rabbiner, der-, als er ihn gesehen hatte, sogleit s aufgestanden war, um ihm entgegen zu gehen, bzirch desse i Erscheinen überrascht und bewegt, richtet auf die Umstehende l einen Blick, der die Bitte ausdrückt, Verzeihung zu erhalte«, wenn er sie verließe, und führte.den Jüngling in dal geheimste Gemach seiner weniggeräumigen Wohnung. Die Einführung. „Wie aufgeregt Ihr seid, mein garer Jüngling!" beganü der Rabbi. „Lasser Euch nieder, Ihr machet mir Furcht erholt Euch eine« Augmdlkck, dann werdet Ihr mir mehr Ruhe reden können." Herrmann setzte sich, aber aüs feinen unruhigen B<» wegungm erkannte man die innere Erregung des Gemüthri. Ein Tumult von Wortm und Gedanken tobte auf wt'"

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