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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 11 (1863) · p. Seite 44

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
11 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 auf wiederholte Beamtenbestechung; gegen Engelhardt und die rc. Krumpf auf Beamtenbestechung und gegen Heym auf Annahme -von Geschenken für amtSwidnge Hand» lungert. — Am 7. Juli v. I. wurde im Odeum die Hochzeit de< Kaufmanns Lissenheim mit der Tochter des Gold: und SilderwaarendandlerS Rofenftldt gefeiert, zu welcher 1f»a 40 Personen erschienen waren Nach der Trauung wurde den Gästen Kuchen und Kaffe, gereicht und bald nach dem Genüsse desselden wurden sie fast alle von einem erheblichen Unwohlsein befallen; ein dumpfer Kopfschmerz begleitet'von Zittern der Glieder, Schwindel und kaltem Schweiß stellte sich ein — Symptome einer Vergiftung. Zwei Aerzte, die Dockvren Meyer und Lewinkhal wurden herbeigedolt und leisteten sofort die nötdige Hülfe, wonach bei den meisten Gasten Linderung eintrat. Bei einzelnen darre die Vergiftung weniger gewirkt; sie erholten sich so schnell, baß sie noch am Souper Theil nehmen konnten. Die Aerzr« stellten nach den Symptomen sofort fest, daß die Kranken ein Pflanzengift genossen haben mußten, welchesich notbwendiger Weise in Kaffee befunden haben muffe, da namentlich auch Personen erkrankt waren, dre keinen Kuchen gegessen, sondern nur Kaffee getrunken hatten Oie Reste des Kaff.. » wurden deSbald sofort in Beschlag genommen und durch den Chemiker Dr. Sonnenschein einer chemischen Analyse un« trcworfen, durch welche sich berauSstellte, daß eine Vergiftung deS KaffeeS durch Morphium purum stattgefunden harre. ES ist dies eines der gefährlichsten Gifte und ein seltenes chemisches Präparat, da« nur zu analytischen Zwecken in Verbindung mit andern Sauren gebraucht und darum auch nur von wenigen Personen in Berlin geführt wirb. Dre demnächst geführte Untersuchung hat genau fest gestellt, fn welches Gefäß das Gift geschüttet sein muß und wann dienur geschehen sein kann. Die Kaffeebohnen waren von der verehelichten Restaurateur Krafft geliefert, der die Ausrüstung der ganzen Hochzeit aufgetragen war' und die, weil die Theilnehmer jüdischen Glaubenwaren, die Speisen und Gefäß« nach den rituellen Vorschriften zu tiefem hatte. Bon ihrem Personal, welches unter der Aufsicht de- Oberkellner- Seidel stand, wurde auch der Kaffee in der Küche d,S OdeumS bereitet. Sowohl der g.inahlen, wie der nach der Filtration im Topfe, zurückgebliebene Kaffee ist chemisch untersucht und darin keine Spur von Morphium gefunden worden; da- Kuchenpersonal, welcheden Kaffee direct audem Topfe grnvffm hatte, ist nicht erkrankt. Dagegen «at der für die Gaste bestimmte Kaffee in eine messingene Kaffeemaschine gegossen und'in dieser Maschine ist nach der chemischen Untersuchung durch Dr. Sonnenschein »och eine Quantität von mehr al- -3 Gran Murpliim p»rum aufgefunden undzwarnoch zum größten Theil in unaufgelöstem Zustande, eine Quantität, die, wenn sie völlig aufgelöst gewesen wäre, da- Leben und die Gesundheit der ganzm Gesellschaft im höchsten Grade gefährdet hätte. Die Kaffeemaschine gehörte der rc. Krafft und war vor dem Gebrauche von der verehelichten Hermann untersucht, vollständig win befunden und de-halb nur noch mit kaltem Wasser auSgespült worden. Bis dahin konnte da» Gift noch nicht in dm Kaffee geschüttet sein; eS könnt, Vera»lwortliter Redl Srrfjft von B«, »girr, er« BsAtosMusg sich auch nicht in der Hahnöffnung befunden haben, denn beim Eiagieße« de» Kaffeein bi, Maschine war der Hahn zufällig^offen geblieben und eflössen au» derselben etwa 2 Quart Kaffe« vorbei. OaS Morphium purum muß also von dem Augmdlicke an, wo die verehlichte Hermann die Kaffeemaschine auSgespült hatte, bis zu der Zeit, wo nach der Beendigung der TrauungSceremonie au» derselben der Kaffee den Gästen eingegossen wurde, also etwa von 3 di» 4'/* Uhr Nachmittag» in die Maschine geschüttet sein. Während dieser Zeit stand die Maschine in der Küche einige Minuten ohne Aufsicht und hier kann die Thar durch eine der in der Küche anwesenden Personen verübt sein. Nach der Anklage ist nun ermittelt, daß der Angeklagte Mader, wenn er nicht der Anstifter de» Verbrechen» war, wenigsten» derjenige gewesen ist. wel: cher dem Thäler da» zur Thar gebrauchte Gift wissentlich verschafft har. Mader verwaltete feit seiner im Januar 1861 eiagetrermen Majorennilär zunächst im Auftrag« seine» Baker», uckd al» dieser im Mai 1861 plötzlich verstorben war, für sich und seine minorennen Geschwister ba« Odeum. Er behauptete, und die» wurde auch durch mehrere Personen fest gestellt daß er zur Zeit der Thar im Odeum nicht anwesend gewesen sei; dagegen ist ermittelt. daß er sehr gut, Gelegenheit gehabt hat, Morphium purum, welche» Hier an sehr wenigen Stellen ge, fuhrt wird, zu erlangen. Er verkehrte seit Ostern 1860 viel mit dem Apotheker Welt-, der damals eine chemische Fabrik Bauhof 2. also in unmittelbarer Nähe von dem Maser'» Eltern gehörigen Gestllschafts.iause verwaltete. In Welt'» Zimmer stand ein Gla-fpinde mit seltenen und gemeingefährlichen Chemikalien und darunter au<b ein Gefäß mit Morphium purum, dessen Namen auf einem Etiquell zu sehen war. In diesem Zimmer ist der Angeklagte häufig gewesen, auch^allein in. Welt'» Abwesenheit, wobei noch besonder» zu bemerken ist, baß dem rc. Welt zu ber in Rede stehenden Zeit der Schlüssel;u dem Glasspinde auf eine unerklärliche Weist verschwand und baß Welt auch eine Quantität Morphium purum vermißte. lSchluß folgt. Kuriosa. Unter den Schülern einer Privatschule in Wien befinden sich gegenwärtig zwei galizilch, Juden im Atter von 33—40 Jahren. Da dl, Besitzfähigkeit der J-raeliren in den genannten Kronländern von einer gewissen Schulbildung abhängt, so wollen sie sich di,st im vorg,ruckten Alter noch aneignen. Allgemeine Zeitung de» Jubenthum». A» 10. 1H*& Leitende Ar tikel: Da» Berhaltoiß der polnischen Jude» t jutn Aufsrande. — Polen und Zuden. — Literarischer Wochen-; beriäit. Z-eilnug-nachrichten: Preuße«: Frankfurt a. d- £>., Au» der Mark. Danzig. Oefterreichischer Kaiserstaat: W»e», Au« dem lokavergebirge. S chweiz: Bern. Frankreich: Pari». Zlalieu: Turin. Syrien: Beyrut- — Rachtra g: Eölll, Wien. Prag. XX" Zu bezieben durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Lbaler, vierteljährlich y, Tbaler. rur I. H. Lüder. *«»!»»• — Druck »00 0. »reMing is trivy».

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