Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 10 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 zu geben, rheitt man ihr einen Lehrer zum hebräischen Unterricht zu, her sie mir dem Alphabet einer Sprache bekannt machen muß, in welcher sie als Kind schon den Namen Gotte» hätte li-peln sollen. Dieser letzte Lehrer wird ihr, wie da» nicht ander» zu erwarten, lästig, sie findet da» Hebräische zu abgeschmackt und auch zu schwer; sie weint bei ihren Aufgaben, so baß ihre nachgiebigen Eltern, welche mit ihren Thronen Mitleid haben, den Lehrmeister kündigen, den sie zuerst hatten engagiren und zuletzt hatten entt.rssea sollen. Sie haben aber, aUP Mangel an eigentlichem Gefühl für Religion, den entgegengesetzten Weg eingeschlage», indem sie ihn zuletzt annahmen und zuerst wieder fortschickten. Da sie auf diese Weise mir ihrer religiösen Erziehung zu End« gekommen ist, fahrt sie fort, wie bisher, die wenigen Gebete, welche sie al» Kind von ihrer Mutter gelernt hat. in englischer Sprache herzusagen. Sollte sie gerade zufällig die Synagoge besuchen, so nimmt sie ein Lehrbuch in derselben Sprache. Ihre übrigen Lehrer theilen bald mit dem früheren hebräischen Sprachlehrer dasselbe Loo», durch die Partien, Bälle, SoirSen u. s. w, die jetzt für sie zur Tagesfiage werden, wo sie bi» zuletzt auSharrt, wird da» Mädchen lannenhafr, ihr Sinn zerstreut, sie lauscht auf da» Geplauder junger Herren und der Gedanke und die Lust zum Lerne» ist hin. Die junge Krau, sie will sich nicht mehr Mädchen beißen lassen, glaubt nun, daß ihre Erziehung in jeder Beziehung vollendet ist, hält sich für fähig, in der Welt zu erscheinen, für im Stande einen Mann glücklich zu machen und «ine züdische Mutter zu werben, diese» ein Beispiel von tausend Lande, mir nur geringen Veränderungen, Vorkommen. Wer ist wegen dieser gänzlich vernachlässigten Erziehung zu tadeln, da» launenhafte Mädchen ober die zu nachsichtige« Eltern? Ich antworte, weder di« eine noch bi« anderen. Da» Mädchen ist wie alle übrigen Kinder. die Eltern th»n Alle», wa» in ihren Kräften stand, ihrem Kinde bi« beste Ecziehuyg zu geben, ihren Reichthum, ihre Müh«, ihre Zeit, ja selbst ihr Leben opferten sie, um ihr die möglichst hohe Ausbildung zu verschaffen; und sie bildere« sich ohne Zweifel ein, daß sie da» erreicht bäum. Aber ach! zu ihrem großen Schrecken werben sie bald, aber zu spät, ihren Jrrthum gewahr. Ich radele weder die junge Frau, noch ihre Eltern, sondern auf alle Mitglieder der ganzen jüdischen ReligionSgeseUschafr - fällt der Vorwurf; diese, al» eine Körperschaft, sollten, wie da» in England, Frankreich und Deutschland der Fall ist, einem allgemein gefühlten Bebürfnlß adbelfen und eine „jüdische Schule," sowohl für Knaben wie für Mädchen , gründe«. Man verschaffe ihnen daselbst von ihrer frühen Jugend an eine gründlich« gute Erziehung, welche sie mit einer Kennmiß chrer Pflichten gegen ihren Schöpfer vertraut macht. Da» ist e», wa» hauptsächlich in Vorschlag zu bringen wäre; denn ich bin fest Überzeugt, daß «ine solche Einrichtung auf die nachfolgenden Geschlechter wohlthätiger etnwirken würde als irgmd eine andere, die getroffen werben könnte. Napoleon der Erste, der größte Wohltyärer, den Frankreich je hatte, verstand wohl, welchen Werth eigene Schulen für die Töchter de» Lande» haben, und welchen Einfluß wohlerzogen« Mütter auf zukünftige Geschlechter auSüben; al» er zur Macht kam, war ei«, seiner ersten Tharen, mit Eneräe Institute für weibliche Erziehung zu errichten; er selb» besuchte öfter» dieselben und vertbeilte sehr werthvolle Preise unter ausgezeichnete Schülerinnen in den verschiedenen Anstalten. Dieser Tharsache schreibe ich ganz sicher die wundervollen Talente und die Gewandtheit der Krauen ver gegenwärtigen Generation in ihrem Wirkungskreise in Frankreich zu. Man hat also wohl auf da» Beispiel ' Napoleon» be» Großen zu achten und in Amerika eine ^jüdische Schule" zu errichten. Die Segnungen einer solche» Anstalt würben unzählig sein. Nachdem wir soeben über die Erziehung der jüdischen Damen gesprochen haben, wollen wir/hier einige Bemerkungen über die Erziehung jüdischer Jünglinge folgm > lassen. Diese ist leider um nicht viel, besser, al» die I «öftere; der jüdische Knabe wird vom sechsten di» zum I sechSzehnlen Jahre in die Schule geschickt, um Lesen, I Schreiben und Rechne« zu lernen. Keift Vater har aber | so viel Geist, ihn einigermaßen wissenschaftlich erziehen ■ oder ihm eine höhere Bildung zukommen zu lassen. Sobald! er sich die so eben erwähnten niederen Kenntnisse verschafft : hat, wird er im Geschäft verwendet, natürlich ohne eine! kaufmännische Schule frequentirr zu hftden, wa» nicht 1 erforderlich; die ganze KaufmäanSfchast besteht dlo» m 1 praktischer und mechanischer Ausübung, Geld zu machen, ind.. muß ich T'“ " N«' usnid giu«, ift, di. in Ul """ Blo» in den größeren Plänen würde,' wie bereit» erwähnt, seit neuerer Zeit für religiös» Unterricht und für Kenntnisse in der hebräischen Sprache Sorge getragen. Au» alledem geht aber zur Genüge hert»or, daß au» den Juden in Amerika keineswegs große Äelehrte sich erheben werden. E» ist überhaupt merkwürdig daß die jüdischen Kiodec sich sehr bald in amerikanischen Elementen heimisch finden, wofür unter Anbem auch da» spricht, daß sie weder Deutsch noch hebräisch, sondern ihren Eltern reden und blo» in dieser in einer anderen aageredet. Antwort schließen sie sich ganz dem amerikanischen Wesen an. da» wir in den folgenden Capiteln schildern werben. dto» englisch mir Sprache, wiewohl geben wollen; so Allgemeine Zeitung de» Äudeakl um». 'Me. 9. lö»>3. L eilende Artikel: Au» Rußland. — Ueder da» Ver» häliniß de» Judeuthum« zu den bildenden Künsten. Gutachtliche Aeußeruvg de» Herausgeber». Zeidungtuachrichteu: Deutschland: Fraokfun a M. Au» Baden. Preußen: Provinz Lachses, Sawler. Oester« rrichischer Kaiserstaat: Wien, au» Oüduugar». «Schluß.) Schweiz: Ber», Biel. Nachtrag: Berlin, Pari». Igy Zu beziehen dnrch jede« Postamt ^nd jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich '/t Thaser. Verantwortlicher Redakteur I. H. Lüder. .«erla, mb va , « a i r l,, r', SuHaaMaig is kei»»r» — Drock *©■ 9. i»