Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 10 (1863)
- Date
- 1863-01-01
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- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolkSblatt. Zur Lelehrung und Unterhaftung! auf jüdischem Gebiete. HerauSgegebeu voü Rabbiner vr. Ludwig Phili^pson in Bonn. l«lo. 10. 1863.1 «on dirjcr Zeitscbriit erstei«» «Scheilllich ei»e Zdchimrr. Preil dt« I»hr» ganz« l Thtr. «ierieljqhnA 7 ** Ngr. Alle Lüchh-ndluugen. Postämter u»d Zeitu»gsen>editiö«e> »ehmeo Bestellungen an. ^10. ZMz.1. chrwrt»^ Verbrechen und Liebe. (Forn'etzung.) Er eilte, um einen Vorsprung zu erlangen, ehe man seine! Flucht bemerkt hätte, durch die Straßen zum nächsten j 2höre hinaus, und verfolgte die Landstraße, auf die er ge- > rachen. So leicht e6 ihm auch umS Herz war, alS er sich wieder frei fühlte, schmerzte rdn doch der Verlust aller seiner Habseligteiten; auch seinen kleinen Geldvorrath hatte man ihm bei seiner Einkerkerung abginommen, und nur eine alte silberne Taschenuhr war der einzige Besitz, auS dessen Verkauf er einige Mittel ziehen konnte. Seine größte Sorge aber war, wie er sich der strengen Wachsamkeit, welche damals in. jenen Landstrichen von der Sicherheitspolizei geübt ward, zu entziehen vermögen werbe, da der erste GenSd'arm, auf den er stoßen würde, ihn bei dem Mangel aller Legitimation, wieder arretiren würde. Ec verließ' daher die große Heerstraße und schlug den ersten Landweg «in, der von ihr abführte, ohne freilich zu wissen wohin er gelangen würde. So irrte er die nächsten drei Tage umher, übernachtete in einsam stehenden Scheuern oder auch im Walde; am ersten Tage sei - 'lucht gelang es ihm, in einem»Städtchen seine Uhr zu versilbern und sich mit etwas Mundvorralh zu versehen, den er auch am folgen^ den Tage glücklich erneuerte. Gegen Abend des dritten Tages war er in eine Haide gerathen, die sich stundenlang hinzog, ohne daß er ein Dorf oder nur ein Gehöft gewahrte. Er verfolgte einen Fußweg, der immer tiefer in die wüste Gegend hineinführle. Dabei hatte sich ein heftiger Westwind erhoben, der den Himmel dicht mir dunkeln Wolken über« zog, daß eS bald stockfinster wurde. -> Der Regen begann zu fallen, und schlug bald in Platzregen um der ihn bis auf die Haut durchnäßte. Mühsam nur konnte er den Pfad verfolgen und sich in dem schrecklichen Unwetter aufrecht erhalten. Der Sturm riß ihm den Hur vom Kopfe und trug ihn von bannen, und doch durfte Joseph den Weg nicht verlassen, den er sonst nicht hätte wieder finde» können. Nachdem er so einige Stunden mit den Elementen gekämpft, war ec zum Tode ermattet, und fühlte, daß, wenn er nicht bald ein bergende« Dach erreichte, er in seinem Elend untergehen würde. Da fiel mitten durch die dunkle Nacht ein schwache^ Lichtstrahl au« der Ferne in fein Auge. Er raffte^sich auf, um dahin zu gelangen, und kämpfte sich noch die weite Strecke hindurch, die ihn von der gehofften Zufluchtsstätte trennte. Als er näher kam, erkannte er, daß da« Licht aus einem kleinen alleinstehenden Hause kam; doch vercierh ihm auS der Feme hrrüberfchalleydes Hundegekläff, daß «in Dorf nicht weit dav « adliegfn müsse. Er öffnete ohne weitere« die Thüre, da ihm eine Wahl nicht frei stand, und trat in eine« große« wüstest Raum ein, in welchem an einem Ende Mf eine« Heerdt ein tüchtige« Feuer draynte, da« den Raum halbw kg erhellt«. Am andem Ende desselben standen mehrere hölzerne Bänke und Tische, an deren einem vier wild aussehende Mö fc «er saßen, während an dem Heerde ein altes Weid mit Koch * beschäftigt war. Auch er warf sich auf eine Bank u td forderte einm Trunk. Die Männer warm bei sei«« Eintritt aufgesprungen Als sie ihn aber allein sahen u»d in welchem Zustande er sich befinde, ließm sie sich wiel er nieder und und beobachteten nuxden Ankömmling in ai gwöhtztscher Werse. Nachdem'Joseph sich enpaS erholt, gewahrte er wohl bald den unheimlichm Zustand k es Haust», in das er gerathen; da er aber nichts zu verlier,»,' fühlt« er keine Anwandlung von Furcht. Er ließ sch noch etwa» Brod reichen und verzehrte dies ruhig, kr lauschte auf daS Gespräch der Männer, die sich auch kei« m Zwaqg anthareu, denn sie sprachm in dem Rothwelsch! er Gauner, düs dem Uneingeweihten völlig unverständlich st. Joseph aber leider! verstand es, wie man sich erinnsm wirv,l und hört« nun, wie. die wüsten Gesellen irgend «4«e döst Thar, von der sie sich große« Gewinn verbrach«», vorhatten, zu welchem Zwecke sie noch einige Spießgeselle« erwärmen, wie sie nun durch die Ankunft Joseph'» in Verlogenheit waren, da sie ihn unschädlich machen müßtim Der leine schlug vor, über ihn herzufallen und zumewizm Schv eigen zu bringen, der andere, daß man ihn himus» jage in Rächt und Graus, wo er entweder umkomwM «ücd' oder doch nichts von ihnen verrarhen könne, da er von hrem Vorhaben nichts wisse und dis zpr nächsm Behi rbe es allzuweit wäre. Die Andern wollrm ' ich dirsei i Zufall nicht preisgedea und stimmtm dem Erste ea bei. Joseph mußt« das Schlimmste erwartm; er best« sich >ber nicht lange, stand auf, trat zu dm Männe», redet sie in ihrer Gaunersprache an und trug sich ihr« zum Gefährt« an. Uederrascht und. erfreut machten sie ihm ah ihrem Tische Platz, er mußte ihnen Einiges &m sich berichten, und da sie seine hülflose Lage daraus w» kanqey, standm sie nicht an, ihn in ihrem.saubim Krei willkommen zu heißen. In der »Lchstea Na« tt, da, »oraussichtlich daS döst Wetter noch mehrere T« hiad wch währe« würde, sollte «in großer Einbruch bei ei« « Ritt rgutsbefitz« geschehe», der zu diestr Zeit große Par >t* sumi ten im Empfang genommen und überhaupt eine m* deutl nde Menge von Werthgegenständen in seinem Ha ife