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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 9 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
9 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Kolksblatt. Zur Belehrung iiab Anterhallung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philip-son in Bonn.! ^No.!». 1863.J Vcb dieier Zcirjcdrilr ertönt »«deutlich eine •ftnmmet. Prell re» 3abt» iiong* l Tblr. Vieri eijädrig 7 P,r. AD< Buchdaukluugeu. Postämter une -ieim»g»erpediliöueN »ehmeu Uesteiluuge» an. llO.Lakrg. 1' Verbrechen und Liebe. (Forlietzuttg. Drei Jahre vergingen. Scheda war unterdeß zu einem blühenden, kräftigen Mädchen herangewachsen, das in Haus und Küche, bei der Familie, in welcher sie Wohnung genommen, wacker schaffte und außerdem durch Handarbeiten zu ihrem Unterhalte die Mittel erwarb. Bon Zeit zu Zeit gab ihr Joseph Nachricht über seine wechselnden Schicksale. Es erging ihm, wie es jedem wandernden Gesellen immer ergeht, bald fand er Arbeit und.verblieb längere Zeit an einem Platze, bald mußte er den Bjander» stad weiter setzen und seine Hülfe -bei Glaubensgenossen suchen, an Widerwärtigkeiten fehlte es ihm Nicht, aber der jugendliche Murh ertrug sie leicht, wenn sie nicht gar. zu drückend wurden. Im Ganzen hielt er sich brav, wenn er auch nicht immer den Verlockungen zu losen oder gar tollen Streichen widerstand. Er vermied e« sorgfältig, in die Gegend zu kommen, wo der verstorbene Genosse, dessen Namen er einstweilen trug, zu Hause ivar^ sowie alle die Orte, in welchen jener einmal gearbeitet harre. Bereitere ihm der Zufall wirklich einmal eine derjfallsige Verlegenheit, so wußte er sich derselben schnell und gewandt zu entziehen. So waren drei Jahre vergangen und die Zeit seiner Rückkehr noch nicht abzusehen — als an einem Sadbakhnachmiltag eine Schreckensbotschaft Scheda'S Ohr exreichte, ein« Nachricht, welche ihr den Abgrund vor ihren iFüßen geöffnet zeigte, ja durch welche sie in diesen samml Joseph sich hinabgestürzt glauben mußte. WaS war gestehen? Wir müssen es etwas ausführlich erzählen. Vor einigen Wochen war Joseph begriffen, von^ einem Landstädrchen, daS er nur passirr hatte, nach einer de« nachdarten größeren Stadt zu wandern. Es hatte ihm in letzter Zeir an lohnender Arbeit nicht gefehlt, er fühlte sich frisch und gesund, und trug auf seinem Herze» einen lieben Brief Scheda'S, den er nach längerem Stillschweigen empfangen hatte. In der lauen Morgenluft schwoll sein Her; zu jubelnder Freude auf, und aus seinem Munde ertönten viele jener Volksweisen lustig in die Luft, welche den deutschen Wanderburschen zu eigen sind und sich von Geschlecht auf Geschlecht übertragen. Als er auf der einsamen Landstraße die Brücke eines munter strömenden Baches überschritten hatte, wartete hier «in wohlgekleideter Mann auf ihn, der wohl seinen Gesang schon auS der Ferne gehört und in ihm einen willkommenen Begleiter auf dem Wege finden wollte. Das Gespräch war bald im Gange, und es fand sich, daß der Mann ein Meister in dem Gewerske Joseph'« war und in der Stadt ansässig, die sich ddr letztere zu seinem gegenwärtigen Ziele gesetzt Nachdem sie sich während einer Stund« wacker unterhalten hatten und ddr Meister aus den Antworten des jungenMannes schloß, baß er ein brauchbarer und solider Geselle sei,, frug er ihn, ob ^r bei ihm in Arbeit treten wolle, da er einen Gehülfi» augenblicklich suche. Auch Joseph hatte Gefallen qn seinem Begleiter und ipar einverstanden. Sie näherten sich jetzt der Stadt, und der Meister verlangte nach bet» Wanderduche des Gesellen, wie dies natürlich war. Joseph zögerte nicht, ihm das Buch zu überreichen, denn es wßr Alles in Ordnung^ und manch' gutes Zeugniß -einfP Meisters über die Tüchtigkeit u»b Solidität des Gefells stand darin. Kaum aber hatte der Meister das Waat buch aufgeschlagen, als er auSritf: „Wie, Ihr seid Siellhof?" und «in scharfer Blick seine« Auges, der al Joseph fiel, verrieth. daß mindestens Zweifel sich Mannes bemächtigt hätten. Joseph hatte sich in Gewalt, und antwortete mir Ruhe: , „Ja, der bin it kennt Ihr mich denn?" Diese Antwort war ein Tod« urrheil für ihn. Denn so unbefangen sie auch att gesprochen war überzeugte sie doch seinen Begleiter, dt Joseph und der Stellhof nicht dieselben Personen sei _ könnten, da der letztere vor vier Jahren eine laug« Z^et' bei diesem Meister gearbeitet hatte, der jedoch seitdem aus seinem früheren, sehr entfernten Wohnorte nach der Sta >t vor ihnen verzogen war, in der neu errichtete Maschine»» fadriken den Schlossem einen reichen Erwerb gewährtem Dazu also, daß Joseph nur sehr wenig dem früher m Gesellen des Meisters glich, kam der Umstand, daß jer er ihn, seinen vielmonatlichen Meister, gar nicht wieder r» kannte, was nach so kurzem Zeiträume nicht möglich se n konnte. Man weiß, wie die Menschen geneigt sind, lei jedem auffallenden Vorgang gleich das Schlimmste \ü vermuthen, und in der Seele des Meisters stiegen daher alsbt ld die Vorstellungen von Verbrechen, pon Raub und Mo b, die an dem Stellhof begangen seien, auf. Dies war so leichter, als Stellhof an jenem Platze eine Liebschj m»l einem wackeren und begüterten Mädchen gehabt^rirvteseS auch, da er emstlich an eine Verbindung mir ihr gebawk, anfangs mehrere Male geschrieben, dann adet seit * drei Jahren völlig geschwiegen hart?: Im Nu überlegte 'ssch, dieses der Meister, faßte sich, und antwortete nach ei^et Pause in ganz ruhigem Tone- „Ich selbst kenne Eitch nicht, aber Ihr habt vor vier Jahren be» einem Schrpa^xr von mir an dem und dem Orte gearbeitet undr^schned.

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