Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 7 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 — 1834 sein« Entlassung »in. weil «r. den Weg ><r Regierung mißbilligte, und sich unfähig stählte, sch dem beizugesellen, womit seine Lemunfv nicht Lberein iimmtr. „Ich bin bestimmt," sagte er danfals, „gewöhr lich auf der Sekte der Opposition zu sein. Die Mächtigei, selbst wenn sie meine Freunde sind, lass« sich dort o»en ver«! blenden und betäuben; ich bleib« lieber unken, un besser! sehen zu können." Obgleich Michel Gouvchaur, der ^ch immer dem Kampfe ■ für seine Ideen widmete, ohne feint Person selbst zu verkaufen, zu den Geschäften in Paris zurückgekehrt n ar, fand k er dennoch Zeit, dem „National" Artikel über alle Finanz». Proletariat- und Eisendadafragen j* schreibenu »d kaum war die Revolution von 1848 guSgebrochen, als fern ungefchwächter Entbustasmu^von 4830 sich vor Neuem zeigte. Nicht« darre dazu gebient, ihm die Augen zu öffnen, weder der Umgang mit hochgestellten Personen, : noch die Schwierigkeiten der Verwaltung, noch di Praktik ' der Opposition', die er selbst geübt!, noch die Erfahrung betreffs feiner eigenen Kräfte. > Er ließ sich durch feine ffederhafre Aufcegun; wieder für die sociale Wiedergeburt begeistern, und er glaubte, baß wenn er die Menschen regiertej, er sie bessei machen würde. Er wurde dann auch am 24.Fedruar 1848 Minister. ES waren weniger seine AmkSgenvssen der proi isorischen Regierung alS die Stimme von gjmz Frankreich, welche . ihn zum Zinanzminister erhob; ufld kaum harr er feine Stellung angenommen, als daS Gespenst deS Dersi US seines Vaterlandes sich vor seinem Geiste außrichtete, ber voi allen den < ihn umgebenden Unruhen angegriffen zvar. Michel E sudchaur, J Finanzministrr, und Frankreich getzölhigt seine; ahlunzen einzustellen! Diese beiden Gedankesi konnten sich ln dieser redlichen Seel« nicht vereinigen, und den unen> virrbaren Schwierigkeiten wejchenb, bewirkte er, einen Monai ungefähr i ^«aL seinem Eintritt, seine Entlassung, nicht > hne viele! Müh,. „ i Warum wurde diese Erfahrung nicht für ihn ent» I scheidend? Warum begriff er nicht, daß er z» sehr au« j der Familie Llcest« stammte, um in so hohen Regionen oer Macht die Rolle de« Philint« ausführen z können?! Wenn man wie ein Finan^miuister die Geschäftt zu leiten hat, mir welchen alle Einzelheit»! de« täglich n Lebens { feine« Land,« auf« Engste verknüpft sind; wen« man den; Verleumdungen der Einen, den Aufreizuagm l w Andern! auSgeletzt ist; wenn der Bankerott, der abscheuliche Bankerott de« Staate« jeden Tag an die Thüre klopfen k nn, wenn man stündlich den Niedrigkeiten der menfchlic! m Natur begegnet und wenn man mit ihnen in nage wuageoem Tone einen Vergleich schließen muß, so gehört in andere« Temperament dazu al« e« unser GlaudenS-rr oss« befaß. Frau Gvudchaur, feine würdige -ebenSqefährr n, kannte ihn besser al« er sich selbst. Weit «»tfernt auf He Würben ihre« Manne« stolz zu sein, zittsrte sie vor il nen. Sie wußte ti am besten, daß wenn »uch seine Se le fest wie Eisen war, sein Körper e« nicht war, und daß f« Stürmer de« öffentlichen Leben« diese zartf Orqanisotior zerstörten. ' Sie strebte danach mit ihm ^wieder in d,« einfache bürgerliche Familienleben zurückzlikehren, und. sie zitterte von Neuem, als er 1848 nach den Junitagen da« Portefeuille der Finanzen wieder übernahm. (Schluß folgt.) Anekdote. Ein Junge von beschränktem Verstände wurde von seiner zum Hausirengehen sich anschickenden Mutter angewiesen, ein Pfund Fleisch zu holen und es zum Mittag zuzudereiren. Da er fürchtete, die Bereitungsweise zu vergessen. schrieb er sich die dazu denöthigten Ingredienzen mit Kreide auf seine alte manchesterne Hose: so und so viel Gewürz, Rosinen u. dgl. Er hatte d«S Fleisch im Korde, und stand an einem Dilderladen — al« ein Hund da« Fleisch au« dem Korde griff, und davon eilte. Unser Held ihm nach; als er ihn aber nicht einholen konnte, rief er au«: „Nun sollst Du auch nicht wissen, wie e« gekocht wird!" und wischte schnell die Notizen von der Hose ab. Wahre Anekdote. Mitgetheilt von E. in S. Ein jüdischer Fruchtkandler von E. bei L. i. b. b. Pf. traf unlängst in dem Bahnhofe zu N. a. d. H. mir einem christl. Jugendgrnossen, der jetzt praktischer Arzt ist, zusammen und grüßte den Herr Dr., wie einen Bekannten, freundlich, artig und anständig. Doch der — wie dieser Vorfall zeigt — nicht sehr judenfceundlich, Herr Dr. kann daS kitzelnde Gefühl seiaer intellectuellen Uederraguog d,S Grüßenden nicht mhig im Herzen empfinden. Höhnisch jüdelnd fragte er den ehemaligen Spielkameraden: Nu, nu, was macht Euere Frah? — Allein ihn überraschend, erwiederre der Beleidigte mit Geistesgegenwart und Würde sehr piquant.: „Wie e« meiner Frau gehr? e« gehr ihr sehr gut, Herr Dr., sie har heute früh ganz gesunden Stuhlgang gehabt." — Der Herr Dr. rümpfte die Ras,, und da« Gespräch war beendigt. Anekdote von B. in B. Ein frommer Jude betete nach Tisch, statt: I3\sr •rtstv rein jawirt immer mir aller Andacht: 7275« 72Nre»L "PSir* «t'N^NN Allgemeine Zeitung de« Judeutbum«. No. 6. 1863. reitende Artikel: Da« Jndeuthum de« 19. Jahrhundert« und. da« Lhristentbum. (Korn'.) — Der feudale Roth« nnd der pietistilch« Atheist. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: München. Hambyrg. Preußen: Berlin, Münster, Tvchel, Totkbn«, KrankfnriaO. Oefterreichischer Aaiserstaat: Wien, Prag, S. A. Ujhely. Schweiz: Todingen, Frankreich: Brüsiel. Ztulieu: Rom. Schwerin: Stockholm. Rußland: Warschau. Türkei: Brüsiel. Zu besirben durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 9 Thaler, vierteljährlich yA Tdaler. mb *«B*j4tl*tt’l Verautvchillicher Redactenr I. H. Lüder. B,chh,UdtKM, i> Sri»»»». — Dr,» MR ». »re»sia» i» Sei»»»».