Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 6 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur ßpleöruiin und Mntprfjnflung auf jüdischem gebiete. Hrraüsgrgcben von Rabbiner Or. Ludwig Phili-pson in Bonn. [9io. 6. 1863.] Loa dieser Zeitschrift erfSeiat wdcheatlich eia« Nummer. Preis des Iabt« Saug« l Thlr. LienrljLdrig 7 'X Ngr. Title vachbaarl»»«ea. Poftämier uak Zeituagserpeditioae» »ebmea vcftrllaagra au. [10* iahrg. 1. Quartil.] Verbrechen und Liebe. (Fortsetzung- Unter diese Schmuggler war Joseph gexalhen, ein seltener Fall, daß ein Jude sich daran detheiligre. wenn auch die Waaren sehr häufig jüdischen Kaufleuten gehörten. Wie lange er schon diese- Handwerk trieb, ov schon vor dem Ende seiner Lehrzeit, oder erst nach deren Schlüsse wissen wir nicht. Mit seiner gewöhnlichen Leidenschaftlich» keit warf er sich darauf, und ward bald einer der verwegensten und waghälsigsten Genossen der Bande. Jndeß unterschied er sich von diesen dadurch, daß er den Preiseiner nächtlichen Arbeit nicht vertbat, sondern mir größter Sparsamkeit sammelte, und endlich,' als ec sich ein Sümmchen erübrigt Hatto, mit einem Kaufmann in geheime Verbindung trat, und sich an der Sache selbst betheiliqte, wavon den Unternehnz/rn stetgern gesehen ward, weil sie dann der Vorsicht, Au-dauer und Ehrlichkeit de- Schmugglerum so gewisser waren. Allein Friedrich der Große sagt« einmal vom Schmuggel: „Lasser sie nur, neunmal ihnen, und nur einmal mir, und ich habe viel mehr alsie/' Vor Kurzem war da- Personal der Grenz» wächrer an dieser Stelle erneuet, und ein ariderer Odecdeamrer hingesendet worden, der eine unerbittliche Strenge mit Umsicht untP Unermüdlichkeit verband. Die Schmuggler fühlten diebald; öfter als jemalwurden sie bei ihren nächtlichen Gängen überrascht und betroffen, große Massen von Waaren gingen verloren, und viele Personen ergriffen und zu schweren Strafen verurtheilt. Man war gezwungen, in dem Betriebe de- Verbrecheneine Zeitlang nachzulassen, um die Wachsamkeit der Beamten zu ermüden und erfolglos zu machen. Ader nicht lange konnte der Geist in den wilden Gesellen gebändigt werden; die Leidenschaft, die stetdie Begleiterin böser Thatea ist, ließ sie nicht ruhen, und Joseph war einer der ersten, die sich nach und nach wieder in ihrem Gewerbe versuchten. Ewar wieder eine dunkle Nacht; aber die Erde war von frischem Schnee bedeckt, ein kalter Nordwind hatte ihn gefrieren gemacht,, so daß ein jeder Fußtritt tiefe leichtzuerkennende Spuren hinter sich ließ. Trotz aller Warnung der Erfahreneren hatte sich Joseph mit noch drei Kameraden aufgemacht, um einige Ballen kostbarer Seidenwaaren über die Grenze zu paschen. Er fühlte sich dazu verlockt, weil diese Waaren jenseitgerade sehr gesucht waren. eia hoher Lobn de-halb auf daglückliche Hinüderbringen gesetzt worden und Joseph selbst als Mitbeteiligter sein ganzekleine- Vermögen in dielen Waaren angelegt barte. Anfangs ging Alle« gut; sie hatten den Bach hinter sichl, bereitden einen Grenzcordon passirt und schlichen eben um ein einsame- Gehöft herum, daam SaUme einedichten Waldelag. Da kam der au-gesandte Späher zu ahnen zurück, und meldete ihnen, daß die Grenzwächtec auf den Beinen und in der Nähe wären. Sofort verließen sie den dijetzt verfolgten Weg und lenkten rechtnach einer Schlucht dinad, durch welch« sie sich auf einem sehr beschwerlichen Wege in da- Her; de- Waldehineinarbeiren konnten. Sie gelangten glücklich in die > Schlucht und glaubten sich schon der Hoffnung auf einen guten Au-gang hingeden zu können, alsie einen raschen Schritt, den da- Klirren der Waffen aleinen feindlichen verrieth, naben hörten. Die Kameraden Joseph'- wollten sich eiligst davon macken, um sich im Gebüsch und in den Fel-fi>alten der Schlucht zu verbergen, Joseph aber forderte sie ^zu kühnem Vorwärt-dringen auf, da sie emit einem öder einem paar wohl aufnehmen könnten, die Spuren ihrer Flucht aber zu einer regelmäßigen Verfolgung feiteneiner leicht versammelten Schaar Grenz» wacht» führen ^würden. Sie traten so geräuschlos wie möglich hinter Aichrenstamme, um den Nahenden herankommen zu lassest und sich durch Ueberfall seiner zu bemächtigen. Plötzlich aber stutzte der Beamte; er mochte etwagehört oder gesehen haben; die Släiyme deckten wohl die Körper der hinter ihnen Verborgenen nicht ganz,» und der leuchtende Schnee ließ die Umrisse der Gestalten leicht erkennen. Er hob seine Büchse an die Wange, und schien bereits «in Zies für feinen Schuß zu haben. Da stieg die Wurh Joseph in da- Her;, mir wilder Hast riß er da- Pistol auseinem Gürtel und drückte eauf den Gegner ad. Dieser wurde nicht getroffen, hatte aber schon genug von Joseph erblickt, um nicht al-dald auf ihn adzudrücken, und ihm eine Kugel in den Schenkel zu schleudern. Die Spießgesellen Joseph'- wußvrn al-bald wasie zu lhun hatten; sie warfen ihre 'Packen ab. ergriffe« Joseph und trugen und schleppten ihn in eiligster Flucht von dannen, um rechtzeitig die A.. . sche Grenzewieder zu erreichen. Sie wußten zu gut, daß zwar der einzelne Grenzwäckrer sich nicht an sie wagen würbe, daß aber der Knall der Pistole und. der Büchse in wmigen Minuten «ine hinreichende Menge versammeln und ihre Spuren sie unmittelbar ihnen nachführen würden. Hier galt e-, einen kvoriprung zu erhalten. und nur wenige Minuten mußte« über ihr Schicksal entscheiden Wasie gefürchtet, geschah, sie hörten al-dald mehttce Verfolger ihnen Nacheilen-, immer wilder wurde ihre Fluckt, sie strengten ihre