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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 4 (1863) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 vor, womit der erste Theil de- Programmgeschloffen wurde. — Dem jweiren Theil der Feier ging der Vvtztrag de- „LiedeS ohne Worte" für Pianoforte von Felix MendelSsohn-Bartholdy von Frl. M. Hertwig voran, und harre die geschätzte Dame dieses wundervolle Lied rau einer solchen Virtuosität executirt, daß am Schluffe ein stürmischer Beifall auSbrach und ein da capo erscholl, welchen Wunsch der Gesellschaft die liebenswürdige Darye mit Freundlichkeit nachkam. Der um das ZudenkhÄnso hochverdiente Herr Raddiner vr.LudwigPhilippson in Bonn war verhindert den an ihn ergangenen Ruf, persönlich am Seste zu erscheinen,.. Folge zu leist.n, und schickte auf das Ansuchen des Vorstandes eine Rede ein, dicvom Schriftführer de« Vereins Herrn S.; Löwengard vorgetragen wurde. Mendelssohn wie er in J seiner Individualität gerade eine providentielte Gabe, an da« Zudenthum, und durch seine Eigenthümlichkett sein Schaffen und Wirken bedingt war, bildete da» Thema dieser trefflichen Rede. Der Schluß der geistig.» Feier bildete der , Vortrag deS Gedichtes: „Oer sterbende Sklave in Egypten" von Dr. Moritz Rappapvrl in Len^verg, von Herrn Z. Max F rank el gesprochen. - Nach Erledigung de- Programms wurde die Tafel serviri, bei der geist» und mhaltreiche Toaste mit einander wechselten. Die Reihe der Trinkfpcüche eröffnele der Vorsitzende, indem er sowohl dem Festredner wie allen denen, .ie durch Rede und Gedichte dieses Fest verschönerten, seinen Dank adnaklele und ihnen - sein Glas widmete Die Zahl vier, sagte der Vorsitzende, ist unserm Vereine eine sehr günstige, denn zum vierten Male begehen wir die Gedachmißfeier M'S und vier Männer sind «S, dre heule unser Feil zu einem erhebenden machten, vier Männer; die Zeder auf seinem Gebiete Ausgezeichnetes geleistet, und die alle im Leben eine geachtete Stellung ernnehmen. Prediger Dr. Goldsarmiot brachte ein Hoch dem anwesenden Stadlverordnelenvorsteher Herr Di-.Z o se p h, dem Manne de« Forrschritle« und der Humanitär. Rabbiner vr .F o rm sie che c sprach in geistreichen Worten, dankte dem Vorsitzenden für seinen Toast, drückte seine Freute aus, sich im Kreise dieser Gesellschaft zu befinden und ichloß seinen inhalkceichen Tcinkspruch mit einem Hoch auf den*Verein, der blühen, gedeihin und reiche Früchte^ tragen möge! Mögen derartige Vereine an allen Orten und Gemeinden entstehen und mögen die „geistigen" Interesscn im Zudenthum überall in solcher Weise gefördert werden, wie es dieser Verein anstredr. So ungefähr war der Inhalt de« TrintsprucheS de« hochwürdigen Rabbiners. — Wir unserer S.itS wünscheir dem Verein «in rüstiges Vorwärtsschreireii auf der Bahn deS Fortschritte« und möge da« Wort „Vorwärts!^ die Devise diese« jungen Verein« sein? — Dr. Joseph sprach in längerer Rebe feine Mißbilligung au«, baß in vielen Staaten der Zude, seine« Glaubens wegen, mit den Christen nicht gleichgestellt ist, ' erinnerte daran, welche Schuld die Christen den Juden adzu« tragen haben und.anknüpfend.an die Worte de« Festredners, daß wir alle Kinder eines Gone« sind, schloß ec seinen geistvollen Trinkspruch in beredten Worten jnu einem Hoch auf da« gesegnete Zeitalter, wo man, ohne die gute Sitte zu verletzen, nach dem Glauben fragen, und in welchem man un« alle nur al« Kinder eines Gotte« erkennen wirb. Ein stürmische« Beifallrufen machte vie Räume des Hüte!« erzittern als Dr. Zosiph seinen mit Präcision und Logik durchgeführten Toast schloß. Der Stellvertreter de« Vorsitzenden HeLr Hermann Bob et trank auf da- Wohl de« gefeit r eff Dr. Philippson, der mehr al- «in viertel» Jahrhundert ritt günstigem Erfolg für da« Zudmkhum wirkt, der unerm i >« und rastlos als Kämpe für da« u.tterbrückft und angefem > ke Israel in die Schranken tritt, der mir lodensirerrher Ene^ie und Ausdauer al- Ritter „ohne Furcht und Tadel" üb« r iU die Sache de« Zudenthum« beschützt und vertreten, , »d der sich um da« Judenthum im Allgemeinen unzäklge Verdienste erworben. Mit einem einstimmigen Hoch w » de dieser Trinkspruch von den Fcstgenoffen erwidert. — ja, jeder Anwesende war sich wohl bewußt, welchen wackin, unermüdlichen Kämpfer wir in dem hochverehrten vr. Phil;pson besitzen, der, trotz aller Anfeindungen, murhig und aierschrocken seine Plane verfolgte und durchführte, die Birlr anstatt gründete, da« Jnilikul zur'Ford der ifc. Lire« t rr in- Leben rief; wie er in seinem berühmten Briefe r.n den Kaiser Napoleon IU. vor FriedenSadschluß de« Jal r^ 1856 Her Anwalt der orientalischen Zuden ist; wi« *rbei jeder Gelegenheit mit Wort, Schrift und Thar «ine Lanze für seine Glaubensgenossen bricht und wie er nit einem Worte einer der würdigsten und mir Recht gefeiert t n Repräsentanten de« modernen Zudenthumist. Möge brr Allgütige, in seiner unendlichen-Gnade, den hochgeeh t n Herrn vr. Philippson, der eine Zierde Zsrael« ist, roch lange zum Wohl und Nutzen seine« Volke« erhalten! -j- Dr. David Asher brachte in gemürhlicher Weise ein Hotz auf das' Wohl de« schönen Geschlecht« im allgemei i n und auf die jüdischen Krauen speciell und knüpfte da c n einen Dank für Frl. Hertwig für ihre ausgezeichnete Leist! rjg auf dem Pianoforte; die Tonkunst, sagte n, ist n ich Schopenhauer, zu deren Schule er sich zu zählen die Ehre l a l, die Sprache des Willen« und der Gefühle und nicht vie der geehrte Festredner sie die Sprache deS Geistes nannte. Zn schöner, humoristischer Weise erinnert« er, wie er bist der vorjährigen Feier auf da» damals fallende hunberljäh ile HochzeitSjudiläum Mendelssohn'« aufmerksam machte und heute» wenn gerade nicht an diesem Tage — dennl war Zuni 1763 — sind e« hundert Jahre, daß kr den Preis für seine gekrönte Schrift: „Abhandlung üb» die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften" erhielt vsd über seinen berühmrn^ Zeitgenossen, den großen Koni derger Philosophen, den „Alle« zermalmenden" Kant, sie M. ihn bezeichne^ den Sieg davon trug. De- Zu! eff Mendelssohn Schrift, so heißt e« in dem betteffenl «ff Aktenstücke der gelehrten Akademie der Wissenschaft wurde mir den! Preise gekrönt. Wenn, fügte der Spre« wr humoristisch hierzu, wenn wir die Lehrmeister der Flaues sind, da wir idoch an ihnen zu mäkeln und zu meistern suchen, so sind sie die mehr Leister, denn in den ersten Flirtetwochen nach dtzr Hochzeit entstand M'S berühmte Schrtzft> „Ueder die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften", )ie ihm Gelegenheit gab, seinem Mitbewerber den Preis streitig zu machen, den er auch wirklich errang. — Das Deren S Mitglied Herr M Epste» n stellte den Anttag, dem vr. Philip; son telegraphisch für die eingesanbte Rede zu danken und wurde dieser Antrag mit A«lamatton von der Festges^lst schüft angenommen. Oer Vorsitzende la« die zum Abgasig bestimmte Depesche vor, welche wie folgt lautete, vr. Philipps son Bonn. Versammlung bei MendelSfohnfeier bankt M tcj für hohen geistigen Genuß Ihre« Vorträge«, bringt Ihr eff ein Hoch!" — Hierauf sprach Stadtverordneter Hertz

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