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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 50 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
50 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Z°r Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiete Herauegegebrn vou Rabbiner vr. Ludwig PhiliPPsou in Bonn. Mo. 50. 1862.j Vou dieser -jeirjcheiu erscheint wochrnrlich eine ftuamcb- Preis de* 2«hr» gang* l Thlr. vierteljährig 7 'A Rgr. Alle vuchhandlangen, Postämter' und Zeitungservedilione» nehmen Bestell»»«» «>. [9. IaKrg. 4. Quartal] Heinrich Ketten.. (AuS dem Pester Lloyd.) Pest, im November. C. „Oie außerordentliche musitajifche Organisation und- Befähigung desiebenjährigen Knaben, Heinrich Ketten, ist so evident, daß man bieseldcn nur zu prüfen hat, um davon ebenso überrascht, alüberzeugt zu sein. Wenn die Manneszucht seiner kindlichen Blüthe entspricht, so wird die Welt einmal einen Wunbermana mehr an ihm haben." Diese Worte Franz Lißt'S, mtt welchen der Piaaistentönig vor ungefähr sieben Jahren den Beginn der Künstlerlaufbahn unsere- Land-manne- Heinrich Ketten inaugurirte, reifen nun ihrer glänzendsten Erfüllung entgegen, und wir erachten es als die passendste Empfehlung, vieselben Worte dem heute (Mittwoch) im Nationaltheakrr stattfindenden ersten Konzert debenannten jungen Pianistin vorausschicken zu können. Nicht das „Wunderkind", als welches Heinrich Ketten vor mehreren Jahren auf seinen Reisen in Frankreich, Deutschland und England Aufsehen erregte, steht mehr vor unS, sondern der heranreifende, oder vielmehr der bereits in Kunst gereifte l4'/,jaheige Jüngling, > welchem die Muse schon so frühzeitig oen Weihekuß der Vollendung auf bi« Stirn« gedrückt. Was etwas Tüchtige- «erden will, das muß sich frühzeitig entwickeln und frühzeitig bilden — dieser Satz hat vielleicht nirgends größere Bedeutung, alim Leben der Künstler; das größte musikalische Genie, Mozart, ist hiefür einer der sprechendsten Beweise. Für die außerordentliche Befähigung des jungen Künstler- Haben sich die ersten kritischen Stimmen Frankreichs und England», und Autoritäten wie Mryerbeer, Littolf, Rossini, Halövy, Lißr, Roger u. A. ausgesprochen — und wenn man auch den Tag nicht vor dem Abende preisen soll, so scheint un» doch der bisherige Bildungsgang dejungen Künstlers «kn so bedeutender und glücklich geleiteter, daß wir bei dem Mangel an wahrhaft schöpferischen und ursprünglichen Kuasttalenten in unserer Zeit kiese seltene Erscheinung, wenn sie auch noch nicht zur vollen Entfaltung gelangen konnte, schon in ihren ersten Schritten freudig degrüßm dürfen. Wo di« geistige Ausbildung mit der körperlichen Entwicklung in so schönem harmonischen Verhält-! nisse steht, und wo dem Talen», so wie auch der physischen Kraft nicht mehr aufgebürdet wird, alsie eben ertragen können, da kann von einem „Treibhauspflaazenthum", welches späterhin nur zumeist eia sieche», verkrüppelte» Dasein fristet, nicht mehr die Red« sein, sondern wir stehen vor einer herrlich duftenden Blume, welche Leben und Nahrung aus der unmittelbaren Berührung deewigm Lichtstrahles der und welche schon Alleerwärmenden Kunstfonne empfängt, in den Plütden die Keime der zukünftigen kerngesunden Fru ht erkennen läßt. Zur näheren Eharakteristik unserejungen^ Künstlers, dem die Grazien nicht allein Schönheit des Geistes und der Seele, sondern auch Schönheit des Körpers verliehen — bürsten folgende zerstreute biographisch« Skizzen beitragen. Heinrich Ketten, Sohn de» Herrn Salomon Kelten, gegenwärtigen israelit. Kantors an dem Eonststorial.Tempel zu Pari», wurbtj am 25. März 1848 zu Bafa geboren. Mir dem ersten Lebensjahre verließ der jung« Weltbürger seiaeHeimath, (inidem der Bat« eine Anstellung in Preußen und später die erwähnte Kanlorsstelle in Paris «hielt). Albrr junge Man» , vor drei Wochen zum erste« Male wieder in das Vaterland zurückkehrte, um „seine Verwandten nach 14jähriger Abwesenheit wiederzusehea" (!), da war sein erster Ausspr,ch: .Lch bin ein Ungarn" Die Pariser Tracht verwandele sich schon nach dem ersten Tag« seiner Ankunft in dir üngarische Nationalkleidung, und die Gebrüder ParitäruS, so wie die übrigen musikalische» Heroen des Hopfengart,tt» genossen seither beinahe allabendlich die Auszeichnung, dm jungen Künstler in die Sch-nheilen und Geheimnisse'unseres ungarischen Nationalliederschatzes einweihen zu können. Auch dem Nationaltheater ist durch Ketten ein fleißiger Besucher erwachsen, und war «* namentlich die Oper Eckel'-: „Hunyadi Laszlo“, welche den für Alsts-tzHöne und Originelle begeisterten jungen Virtuosen ßu der Aeußerung veranlaß»: „Schade, daß wir diese Oper nicht auch in Paris hören können; «» werden dort Opern aufgeführt und beklatscht, welche nicht den hundertsten Theil der Schönheiten des „Hunyadi Liszlo“ be,»tz«n." E» ist interessant zu bemerken, baß Heinrich Ketten vermöge seines außerordentlichen musikalischen Gedächtnisses sich in die ungarische Musik bereits hineingelebt, und durch höchst: interessante Improvisationen am Klavier im Privatkreise bereitseine dies bezügliche Auffassung documentirt hat. Egewährt eia psychologisches Interesse, Herrn Ketten am Klavier zu beobachten; sti» West» wird hier ein ernsteres, männlicheres und jed« Zug stiyes Ge» sichres spricht den innigsten Antheil an dem Bortrqge aus. Das aagedovme musikalisch« Talent offenbarte sich schon im fünften Jahre auf folgend« Weist: Als sei»«! ätteren Geschwister die Elementarübungea zum Piano unter der Leitung ihres Vaters lerntm, hatte der kleine Heinrich diesen oft aus fteien Stücken, und wie sich später zeigte mit ge»

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