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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 49 (1862) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
49 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Leben treffen, sag' ihnen allen, baß ick Allen verzieh n habe... ivcnn sie mit wissenk.ick ober umviss.lUttck et.a« Pose» gethan . . . sie sollen mir auch verzeihen —'* Er murmil« leise Eibele vor sich hin, dann : i?f er, wie ircc retend. fernen Bruder: „Gieb da* Gebetbuü und sag' mir da» Schcmah! Las Schemah will ich h r.n! Da* Schema-!" Deni Hipp wurde angst und dang , als der Leoerderz nun immer heftiger schrie: „Warurr sagst du nicht*; Sa.,' bas Schemah! Ist denn keiner, 0tc mir die Liede anthun will; Sei» ihr alle stumm und kanb!" Angstvoll kam der tipp zu mir in'* Psar haus und erzähl» mir ÄUeS. „Uyv wa* will er denn nu: mit dem Schemahfragte er zitternd. Ick erklärte ihi i, daß da« die Verse 4 diS 8 im fünften Buch Äose* Eaptt.l 6 deveul. t. Diese Worte enthalten ca* Glauben« oetenntmß der Juden, und mit diesen Worten auf oen Lrpp n hauchen sie gläubig ihren letzten Atbem'au*. „Was sollen wir thuni" fragte Lipp. „Was wir thun können," antwortete ich, ti ihm mejne hebräische Bibel, suchte die stelle, und begleitete Lipp nach Hause. Al* ich eintrat ri.f der Kranke: „Ko mm Ihr; Ich bin bereit!" Ich begann nun in hebräischer Sprache se Worte: „Höre, Israel, der Herr unser «Sott ist ein einiger Voll. Und -chu sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganz »m Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft - Al» ich die« in hebräischer Sprache laut la , sah mich der Ledeih.rz groß an, mit jenem wunderbar strahlechoen Blicke, in dem da* Menfchenauge nur in der : Todesstunde erglänzt. Ich weiß nicht," ob er mich erkannte, aber!aum hatte ich die ersten Worte gesprochen, als er emsiel und mit erschu» ternüer Stimme die Worte nachsprach, und wenn >?.) innehielr, winkte.er, daß ich fortfahrea solle, und ich wr >eryol» e» fort und fort — — Mit dem Worte Aoo iai (Gotthauchte et seinen letzten Aldrm aus, und ich »ruck» ihm ' di« Augen zu . . . Ich glaube, daß ich nie getteuet ein Dienet am Worte und im Geiste der Lied« gewesen vin,' al» jetzt, da ich, der christliche Geistliche, einem Juden sein Gebet li der letzten Ledensstunve verrichten half. Spat »n der Nacht kam der Bruder und eive Schwester de* Verstorbenen und mit ihnen noch zwei i känner aus - feinem Dorfe. Kipp erzähl» ihnen, wie der r edelhelj. gestorben sei, und sie kamen zu mir und dank»! mir unter heftigem Weinen. Al» sie am Morgen mil der Leich« davon fuhren, gab ich in Gemeinschaft mit oe>» Lipp dem Verstorbenen oaS Geleit« bi« an 0» Gtenz« mserec Gemarkung. D»ß nun ist eine der Erinnerungen, de mir da* Hetz am tiefsten bewegen. Eine besondere Erhedd ngisteSmir, baß da« ganze Dorf — nicht em Einziger ausgenommen — U in Wahrheit »kannte, wie ich an Led.rheiz im Geiste der wahren Religion der Liede gehandelt War ich gethan, wurde damit zum inner» Segen für Alle. Bei aal, «aU| Ml Äuriosa uuD >Jtoiijcn. Dtc öffentliche« Blätter enthalten au« Mainz vom IV.Dnoder folgendettaungrMlttheilung: „Vonbretjung.n Freuaoen (Israeliten-, keiner von hier, lebt seit gestern keiner ineyr. . Sammtliche machten durch Selbstmord ihrem Leven «in Enoe. Nachdem der Erste vor wenigen Tagen 0» Flulyen de« Ry.ine» zu seinem Grave gewählt hatte, erschoß sich der Zweite und o.r Drille folgt« dem Beispiel« or« Ststesen. Die Bew.ggrünoe dleiven rathsehafk, rathsetyaster, w» gesagt, der seelische Zusammenhang dieser drei, saininluch noch sehr jungen Freunde. Der Dritte «m Bunde hieß N. Manoelvaum und war von Rödelheim." Es ist 0»* ein Vorfall, der — und Niemand witv - uns im Verdachte yaven, -ttn laudatur leiupuris acli zu sein, o. h. die Vergangenheit auf Kosten der Gegenwart ulivetyallNißinaßig und unverdient hoch zu stellen — unter den Juden nur der Neuzeit angeyött, da gerade bet Selvumoco oem ganzen Wesen de» Iuoentyums, allen feinen Lev.nsmotlvea und Ansichten schnurstracks widerspricht, und in solcher Ausdehnung in früherer 3«! auch niemals vor^ekommen. Verwerflich aber ist es burchaü« hierbei, weiche auch die Grunde diese» dreimaligen Verbrechens gewesen sein mögen, noch von mysteriösen Motiven, von einem geheimen seelischen Iusammenyange zu sprechen, um so auf o» unglückselige Tyat noch den Schein eines höheren Gruaoes, eines von oven verkommenden ursächlichen Momentes zu werfen. Wir schleudern keinen Stein auf o«e Gräber der unglücklichen Jünglinge uns bedauern sie aus tiefstem Herzensgrund«, aber sagen muffen wir doch, daß sie zu solch, c unseeligen Thar nur schrei«.! konnten, wenn sie ihren Gott gänzlich verlöten, die hohe Bedeutung des menschlichen LedensseruseS auf Erden gänzlich vergessen hatten, uns der Schmerzen, die sie ihren HiNterdlieoenrn ‘ schufen, ganzlick unemgeoeak waren. D>e« setze dann einen I Instand an Intelligenz und Sittlichkeit voraus, der nicht! oyne verbrecherischen Leocnswandel hervelgesuhct sein kann. j (Christliche IuDen.- In einem Gchlhause war ' von Juden die Rede und Jemand meinte, es fei doch sonderbar, daß dte Berliner Juden im Ganzest mehr Einfluß hauen und auch mehr Vermögen besäßest, al» süd- , deutsche. — „Ha," rief em Anderer, „da» fistde ich ganz . natürlich — .ou plot.stantischen Juden sind bei wertem ferner« Leute al» die katholischen." Allgemeine Zeirung de» JlldeutirulstS. No. 48. 1862. -eirevdeArtlke l; Woher der Judenhaß d^rpieüstisch-feudalln ^Panei? Einige Beine.kungea über die Stellung der Rabbiner» ün Rinelailer. ZeiluugSnachrichten: Deutschland: LubwigShafea. Preußen: Berlin, Berlin. Schweiz: Au« dem Aargau, Aarau. Frankreich: Haney. Holland: Rotterdam» Amsterdam. Rußland: Petersburg, Peiershurg, Muau. Jthiien: Turin, Rom. 4 5- Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Lhaler, vierreljahrlich Thal«. \ -- 'örtlicher Redacreur I. H. LSder. vR»di»vl»sg i, — Dr»a m* » »r«sli»ß üt kelpzig.

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