Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 45 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Kuriosa und Notizen. In einem Aufsatze: die Juden in Wennvon Ad. MitzeniunS in der „ DidaStalia" begegnen wir 'ölender TteUe, die wir hier'mittheilen: ,.Wie viel Nord und Jammer seit etwa dem zehrten 8aculum über daS unglückliche Volk kam, ist kaum zu schildern. Kreuzzüge, Verfolgungen durch die Walldrüder, utta ifhorliche Neckereien^ Quälereien, grausame Mißhandlungen rurch die Bekenner der Religion der Liede, drückten die Bekenner Jehova'S schwer nieder. AuS ihren Gassen, ja c uS ihren Hamern konnten sie sich oft kaum wagen, mußten sich vielmehr verstohlen schleichen. Wede ihnen, wenn man von Reichtdümern < twaS dei ihnen demerkte! Düster und unfreundlich ojfnetti sich die Tduren ihrer Wohnungen; schmutzig unk zerlum; r blickten di« Bewohner erst scheu und vorsichtig umher, ov nicht eia boshafter Christ in der Nahe darauf lauere, fein« n Mulhwillen an ihnen;u kühlen, und drückten sich da in hastig an.den Wänden her, ihren Geschäften nachzugehei. Aber auch in schmutzigem und zerlumptem Gewände mtgingen sie nicht dem Mißtrauen und dem Hasse der Chnsten. Man kannte ihre Gewinnsucht, ihren Schacherg, ist; man traute ihnen nicht und vermutheee unter der s heindaren Armuth oft größere Reichthümer, alS diese in! er Wirklichkeit waren. Gan^ unbegründet erwiesen s ch jedoch häufig diese Dermuthuugen nicht. Nur der Ei> gang der Häuser war düster, trüb und schmutzig. Versteckt in Innern, manchmal auch der größeren Sicherheit halber unt«' der Erde waren Gemächer, di« sich fast nie dem Licht« d r Sonne öffneten, aus Furcht, orientalisch« Schatze und Fracht neidischen Augen zu zeigen. Da legte der Jude, de zerlumpt und schmutzig über die Straße gegangen war, eine armselige Kleidung ad, schmückte sich und sali te Haupt und Bart nach der Weise der Vater. Die D rne. vor deren Berührung auf der Straße dem Borüb rgehcnden grauen mußt«, wagte erst hier ihre schönen bunl tln Augen aufzuschlagen, flocht ihr Haar in zierliche Zöpfe, legte ihre Prachtgewänder an und zog den reichen HalSschm ick hervor, womit sie die schöngeformlen Arme, den üppiger Hals sich schmückte. So konnten sie ihr« Schönheit, ih:en Reichtbum, ihre Schätz« nur unter sich so verborgen, 1». geräuschlos als möglich genießen/' „Heutzutage ist Alles freilich anders geworden, und e« scheint fast nur zu oft, als wollten die Löchte, Rebecca» nachholen, was ihre Urahnen versäumt und entbehren mußten. Auch sieht man jetzt oft Pen ärmeren Theil der christlichen Bevölkerung mit halb bewunderndem halb neidischem Auge dem reich, oft etwapomphaft gekleideten Strome nachschauen, der an jüdischen Fest- und Feiertagen nach der Svnagoge wallt." In einer namhaften Gemeinde sollt« jüags zur Rabbinerwahl geschritten werden. Die hierzu gew< hlke Commission hielt ibve Sitzung am Saddarh — und »er jüdische Berankwi DIS filB|irlieT’< Sekretär schrieb das Protokoll über die Rabbinerwahl am Sabbath nieder und die CommisiionSmitglieder Unterzeichneten es. Israelitische Niederlaffuag za CaUsornien. Esind fünfzehn Jahre her, sagt The brachte von Cincinnati, daß Califörnien noch eine Wüste war. Die ersten israelitischen Niederlassungen in diesem Land« datiren. vom Jahr« 1848. Au dieser Zeit bildeten sich die ersten Cultu-vereine. Obgleich zahlreiche FeoerSdrünste dem Gedeihen der Emigranten schadeten, vereinigten sich doch im Jahre l»62 vierzig israelitische Familien und gründeten die Gemeinde Emmanuel, und ein Jahr später errichteten sie eine prächtige Synagoge, di« nahe an 60,000 Thaler ' gekoster. Um vieselde Aeit bildete sich eine polnisch« Gemeinde unter dem Namen Shearelh Israel, die eine Synagoge im Werrhe von 26,000 Thaler errichtete. Die rrstere dieser beiden Gemeinden zählt heute 280 Mitglieder, die zweite 160. Die- Israeliten verbreiteten sich auch im übrigen Lande und bildeten Gemeinden, namentlich in Sacrameato, San Jose, Senora. Graf-Balley, Stevada, LoS Angeles und Stockroa. Ja San - FranziSco sind sie in bet Zahl von rausenv Familien vertreten, so daß man zur Aeir der letzten ' großen Feste fünf groß« zeitweilig« Synagogen eröffnen mußt«, abgesehen von den zwei großen permanenten. Bedeutsame Beränderungen sind in dem GoaeSdienste der deutschen Synagogen «ingeführt worden durch ihren i jetzigen Geistlichen, den I»r. Cohn: die beiden Geschlechter sind nicht mehr getrennt; der Vorderer wendet den Rücken ö« heiligen Lad« zu; der Vortrag des Gesetzes ist voll- , ständig in einem CykluS von drei Jahren; es war bestimmt gewesen, daß man. ein neues Gebetbuch einführen werbe^ auS welchem alles, was sich auf den Messias und die Wiederherstellung des jüdischen Reiches bezieht, ausgelassen fein solle. Der Vr. Cohn ist ebenfalls gegen dir zweiten Feiertage, wie gegen gewisse Trauer-Ceremonien, wir Keriah, Schiwa und Scheloschim. Wa» die portugiesische Gemeinde betrifft, so ist sie der strengsten Orthodoxie ergeben. Der Saddarh wird nicht allgemein beobachtet; aber eS werden keine gemischten Ehe« geschlossen; und man zahlt nur drei Familien, die sich geweigert haben, ihre Kinder der Deschneidung zu unterziehen. I Allgemeine Zeitung de« Iudenthum». No. 44. 1862. Leitende Artikel: Politische Fragen vor dem Forum de« I meiaischen Rechte» - Der Baonspruch gegen Baruch Spinoza.—; Zerstreu« Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — f Historische Notizen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., i. Frankfurt a. M., Augsburg. Au- Bayern. Preußen: Berlin, \ Berlin. Bre-lau, Schnei bemüht. Lachen, Bonn, Ottweiler, Heil»' i berg. Oesterreichischer Saiserstaan Krakau, -«roßbri. ' tannieu: Loudon. Frankreich: Pari», Breslau. Rußland: ' Warschau. Holland: Amsterdam. ' MZST Zu beziehen durch jede» Pestamluud jede Buchhandlung. I Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler. rnicker Redacteur I. H. Lüder. i» «tiep». — Lr»a »«« ». »revsi«, i,?ricu$