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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 37 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
37 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bvlksblatt .Uelefjruiifl uni) llntcrQiiflunfl aus jüdischem i)e6 HerauSgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig' Philippson in Bonn. lNo. 37. 18G2.] Bon dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Prei« de» 2adr° gang» l Lh>r. Bierieljädrig 7 'X Rgr.- Alle Buchbandlungen. Poslämier und Zeimugsexpeditiöneu nehmen Bestellungen an. s9. Wirg. 3. H Borurtheile. Lernen aus dem Leben. Man weiß gewöhnlich nicht, mir wie vielen Beschwerden das Leben einer jüdischen Dame verbunden ist, deren Mann viel Geld besitzt ober zu besitzen scheint, und eine große Rolle spielt oder zu spielen glaubt. — Versetzen wir uns eines schönen Morgens in das Empfangszimmer einer solchen Dame, wo sie in reicher Morgentoilette auf dem Divan sitzt, und der Kammerzofe nach ernstlicher und langer Berathung ihre Befehle für den Tag ertheilr. Ein Diener tritt ein, und meldet ihr den Lehrer Herrn MagnuS. Da sie den Mann nicht kennt, befiehlt sie, ihn vorzulassen. Sie erhebt sich gon ihrem Sitze, der Gemeldete tritt ein, und stellt sich als Lehrer der israelitischen Gemeinde vor. DaS Gesicht dir Dame nimmt eine unangenehme Falte an und sie winkt der Zofe zum Abtceren zu. Sie hat sich längst wieder in die Kissen des DivanS zurückfallen lassen und bebt in stolzer Haltung an: „Was wünschen Sie, mein Herr?" „Sie sind, geehrte Dame, als eine Beförderin der Literatur und Künste in der ganzen Stadt bekannt, und daher erlaube ich mir. Sie um die Theilnadme an dem feit sieben Jahren bestehenden „Institut zur Förderung isiaelitische^Literalur" zu ersuchen, das gegen Erlegung eines jährlichen Beitrags von zwei Thalern den Abonnenten eine Menge nützlicher Schriften auf dem^Sebiete des Judenthums nach allen seinen Richtungen hin —" „Ich bitte, mein Herr", unterbricht die Dame den Sprechenden, „von jüdischen Schrifqß» kann ich durchaus keinen Gebrauch machen; geben Sie sich also von vornherein keine Mühe. Ich erinnere mich noch dergleichen bei meiner Großmutter gesehen zu haben; ich konnte sie damals schon nicht lesen, was soll ich also jetzt damit?" „Entschuldigen Sie, baß ich Sie über einen kleinen Jrrthum aufkläcen muß. Die Schriften dieses Instituts sind in bester deutscher Sprache verfaßt und eben so unterrichtend wie geschmackvoll —" „O, ich bitte Sie, was kann wehl Geschmackvolles an jüdischen Sachen fein, und worüber könnten sie mich unterrichten, verschonen Sie mich damit. Da hakte so schon in diesen Tagen ein Buchhändler die Unverschämtheit, mir eine Nummer einer „Zeitung des Jubenthums" und eine» „jüdischen Bolksblattes" zur Ansicht zuzuschicken, als ob ich zum „jüdischen Volte" gehörte! DaS fehlte noch, daß meine Domestiken mir wöchentlich mit höhnischem Lächeln so ein Judenblarr überreichten — oder soll ich etwa solch ein Buch dort auf meinen Büchertisch legen —" und sie wies auf ihren mir reichen Albums und vergolde len Büch,m belasteten Tisch — „daß Jedermann, den ich empfange, sogleich erkennt,' baß wir Juden sind, während wir die» kn jeder Weise zu vermeiden wünscherz. Also, mein Herr, Nichts davoi!«."^ Der Lehrer, ein sehr netter junger Mann detem Aeußern, hatte sich längst erhoben, und, im Angesicht, sprach er: „Wenn dies zu verme so in d?r Macht der Menschen stünde, während d zwei unvertilgbare Kennzeichen auf da» Antlitz daS Organ der Söhne uyd Töchter Israels eir hat." Jetzt war das Erzürnen auf der Seite der rasch aufsprang, und von jüdischer Zudringlichkeit Verschämtheit sprechen wollte, aber der junge Mi ihr zuvorgekommen, und hatte mit einem „Ents Sie!" und einer Verbeugung schnell das Zimmer Da atz Die empörte Dame brauchte lange Zeit, un drrubigcn, aber schon wieder erschien der Diener, un > den Herrn Pastor Giesebrecht an., „Er ist willk» rief die Dame und eilte'dem Ankömmling dis des Salons entgegen. Die führte ihn mit vieler des Dankes für die Ehre seines Besuches zum und bar ihn, sich neben.ihr niederzulassen. N facher Bekomplimentirung kam der Herr Pastor sache seines Besuches. „Unter dem 'sichtbaren Gottes", sagte er, „ist es un» gelungen, «ine Mifsiok zur Bekehrung der Heidfn auf der Küste von 0 gründen, und unsere Berichte sprechen sich auße günstig über die Verbrei ung des Heils unter bei aus. Um so mehr müssen wir Alles aufbieten) Mittel für den Unterhalt des Dienerdos Woe für Bekleidung und Untrrichk der armen Heidend erlangen. Ich habe mi h daher ausgemacht, un> mildrhatigen Herzen uns« :er Stadt, namentlich d« di« an der Spitze der hiesigen Gesellschaft stehen pellireq und ihre Unterst» tzung zu dem großen feg« Werke anzufprechen." „Herr Pastor", ant »ortete die Dame, offe» geschmeichelt, „ich bin I jnsn sehr dankbar dasAr, auch mich an dem Sege r dieses guten Werkes rhii lassen wollen. Wir Meissen das Herz für M»i und sie Leiden aller Mitmenschen offen haben lege gern -eine Summe zu dem gedachten Zweck« Hand." m gebille Rothe den nur e Natur und iw gegraben me, die und Um nn war huldigen ' »erlassen^ sich zu »neldere mmen", x Thüre Worten Sopha, mehrzur Ur- Peistande!sstation ninea zu r rdrntlich Negern um die ite» und inder zu an alle Damen, zu aposreichen barsehr daß Sie ilnehmen Unglück und ich in,

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