Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 28 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
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112 Derartige Erscheinungen trifft nun nicht elten im jüdischen Polke an. Wiewohl Jakob zum ausschließlichen € tubium des Talmuds angehalren war, so fand er doch Zei: und Möglichkeit sich mit seiner lieben Mathematik zu beschäftigen. Er fand ein besonderes Vergnügen darin, schv ere und verwickelte Aufgaben aufzulösen, oder selbst welche zu erfinden. Unter Andrem erlemre er auS hebräischen ö'chejften, die zufällig in seine Hände fielen, die Einrichtung deS jüdischen Kalenders, und es wurde seine liebste Befchafti;ung, Kalender aus viele Jahre voraus zusammenzustellen ES versteht sich von selbst, daß Jakob i zukünftiger Schwiegervater, ein ganz gewöhnlicher Pachtet. der in ihm das Ideal einer talmudischen Größe sah, t nd dem von ganzer Seele alle übrigen Wissenschaften ve chaßt waren, nicht gleichgültig Zusehen konnte, wie der juo ze Mann-sich mit Nebengegenstanden beschäftigte; daher des redte ec sich, ihn durch alle Mittel daran zu hindern u ad zu stören. Ungeachtet aller Unterdrückungen und Verfol ungen, setzte Jakob mit einer selt.nrn Willenskraft und ( harakterfestigkeit — welche Eigenschaften noch bis jetzt uwsern verehrten Lichter auszeichnen — sein Lieblingsstudium fort. Eilf Jahre alt, wurde Jakob verheirathe.Er blieb aber auch nach der Hochzeit grvßtenthe Lehrer in Orchow, setzte seine Studien fo allein. Mit einem Male brachte, ein Umstl nd eine Veränderung in seiner bisherigen Lebensart herv >r. Sein Schwiegervater verlor die Pachtung und mußte daher da« Dorf verlassen und nach dem Dörfchen Berestetschko ziehen, wo ec ein H. us besaß. Es versteht sich von selbst, daß er Jakob mitnah! i, für den er «inen Hauslehrer mgagirte. <So^l«pmz folgt.) Cnriosum. Wie die Engländer di« Verbreitung der Bib l betreiben: In einer Londoner Correspondenz der ,A. A. 3tg." wird berichtet: „Da Alle« auf die ÄuSstel ung speculirte, so konnten die religiösen Vereine, die vor dem landesüblichen Humbug den ausgedehntesten Gebra tch zu machen pflegen, natürlich sticht Zurückbleiben. Unser continentalen Gaste werben seit einigen Tagen in der i labe des AuSstellungsgedaudeS sonderbar gebaut, Waget bemerkt und schwerlich gewußt 'haben, was sie auS. d n'en fahrenden Monumenten machen sollten. Wahrschein> ich werben sie der Ansicht gewesen sein, daß sie einen Chc latan vor sich sehen, der von hoher Pyramide herab d e Wunderkraft seiner Pillen oder die Qualität seiner St efelwichse dem versammelten Publicum anpreise. Jedoch vürden sie mit einer so profanen Ansicht dem Mann, der l inen viel heiligeren Beruf verfolgt, großes Unrecht thun Die Wagen haben die Gestalt einer im beliebtesten Tropi äevstyl herausbestehende Seigeputzten Pyramide, deren aus Gefächern tenwände mit verlockend ausgestellten Bib ln und Gebetbüchern ausgefüllt sind; mitten darin, jekoch so, daß er mit dem halben Oberkörper herausragt. Ver Vertag »o» CanagiTtm seht ein gemietheter Christ, der dem andächtigen oder durch das ungewohnte Schauspiel herdeigelockten Publicum ein Capitel auS der Bibel vorliest, um Geschmack' für seine Waare. di« er um billige Preise losschlagt, zu erregen und so zur Verbreitung der heiligen Schrift beizutragen. Wagen und Bidelleser gehören der „Institution kor readtng the Scrip. tures aloud“ — einer frommen Gesellschaft, welche öffentlich ankündigt, daß bereits drei solcher Bibelwagen „sich in der Nähe der Ausstellung in activer Operation befinden und bis zu ihrem Schluß befinden werden." Wenn man nun daS immerwährend« Wagengerassel, das Schreien der Polizeimänner, welche i« dem Gedränge Platz zu machen suchen, die Menge der Drehorgeln und Punch-Theater, die verschiedenen Banden unserer Landsleute, die sich mit verstimmten Blechinstrumenten Concurrenz machen, wenn man das geräuschvolle Drängen und Treiben um vaS Ausstellungsgedäude herum berücksichtigt, so kann man sich einen Begriff von der verdienstlichen Wirksamkeit jener Gesellschaft und ihrer im Lärm erdröhnten Bibelleser machen. Alle Wege führen freilich zum Himmel, aber Exhibition -Road in Brompton ist schwerlich die directeste Route." ls bei feinem j t und lernte: Ancksolc. Ein jüdischer Reisender; der des Tages viel umhergelaufen, ohne für sein Geschäft einen Erfolg erzielt zu ha, den, kehrt nach seinem Hütel zurück und laßt s»ch verdrießlich an einem Tische nieder. Ein Kellner springt herbei und fragt: WaS befehlen Sie, Herr? Die Antwort lautet: Eine Portion The,. Bald darauf eilt ein zweiter herbei mit derselben Frage; dreselde Antwort. End-ew kommt ein dritter und fragt in gleicher Weis,. Der Reisende antwortet ärgerlich: .Eine Portion Meneccho! Der Kellner antwortet: Gleich Herr, gleich; und schreitet eilends zum Oberkellner hin, dem er den Auftrag deS Fremden mittheilt. Dieser schüttelt das Haupt und zuckt die Achseln und der Kellner kehrt zurück mit der Meldung: Es tbut mir leid, Herr, daS ist eben all« geworden. Der Reisende lächelt und antwortet: Das scheint mir auch so, nun fo bringen Sie mir eine Portion Thee. Allgemeine Zeitung deSJudenthumS. No. 27. I8VL. L ei t ende Artikel: Die Reform im Jndenthume. I. — Der Uebertritt;um Judenthume in England. IL — Polnisches. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Emden.Preußen: Berlin. Oefterreichischer Kaiserstaat: Pesth. Raab. Raab. Dona u fü<fle nt hümer: Bukarest. Die Schweiz: Aus dem Aargau. Italien: Rom. Frankreich: Paris, Pari». Belgien: Brüssel. Großbritannien: London, London. 93T Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X THaler. intwonlicher Redacteur I. H. Luder, r 4 «tattaifehug in Sei»»»-. — Druck von 9. Bitofing in Leipzig.