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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 23 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
23 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bvlksblatt. Z°r Netehrullg unk» Unterhaltung ans jüdischem Hehiele. Hera» »gegebeo von Rabbiner Dr. i?ubc jg Philippsou in Bonn. t n /»diricr 3<tti4>rih frvbdnt »tliL die N»m««r. Brd< de» Jahr» ». , r\ , > . , -i NV. UO. löOJ. flan8< l aöli. *untljü>na 7U : Är. »Ue «u4^«lun$tB, $o|Uam A. LÄMg. L. ^UNrttll. J unb 4flluna*#rt'ffillrB? arhmrv »tfteilunatn an. L -> * v J unb Zrimng»erkrkiiiooe ncbmctt Bestrllungrv an. Rabbi Mcir von Rothenburg. Erzählung aus den letzten Jahrzehenden tcS 13. Jahrhundert < Schluß.) Ascher erhielt Tages darauf auf eindringlichss Bilk n vom Grafen Meinhard die Erlaudniß, seinen Schwiegevater zu besuchen, und so lag denn Sara in den Arm>n ihres geliebten ValerS wieder, froh, ihn gesund zu sehe i,; wenn auch der Freiheit beraubt und drr Aussicht, mir ih n die Reife forkzusetzen. In dieses Glück einer beschränk« \ Gegenwart ging für den Augenblick all' die Befürchtur g für die Zukunft auf. Es war ihnen dieses Zusammentreffe r die Bürgschaft, daß eS wieder besser werden könne. Sa, r hätte gern mit ihren» Vater die Hast getheilr, um f e durch ihre kindliche Fürsorge erträglicher zu machen. DüS wurde ikr aber abgeschlagen, wohingegen zugesagt, rechtzeit z von den Orlen in Aennrniß gesetzt zu werden, wohin it r Vater gebracht werden sollte. Ließ ließ auch nicht lan» t auf sich warten. Der Kaiser, von der Gefangcnnehmun; des Rabbi unterrichtet, befahl, ihn nach der Burg EnseSh e i in im Oderelsaß zu dringen, und Ascher unb seir e Frau scheuten abermals die Beschwerden und Gefahre » einer langen, meist zu Fuß zurück zu legenden Reise nich , um immer wieder dem Greise nahe zu sein. Doch d<- nutzren sie dieselbe überall, um die Kunde vom Schickst! des Rabbi M.ic zu verbreiten, das Mitgefühl für ihn jlt wecken, und Alles, was einigen Einfluß befaß und ihnrtt erreichbar war, für tharkräftigeS Handeln zu stimmen. Hier bewährte sich nun, wie verschieden die Meinungen un > Entschlüsse der Menschen sind, wenn es gilt, ein drohende l Uebel adzuwenden oder eine bereits eingelrelene Gefahr z» beseitigen. Jedermann war jetzt in tiefe Trauer über das Geschick des verehrten Meisters versetzt. Alle betrachtete» ihn als einen Märtyrer für seine Glaubensgenossen uni die Religion, Alle schworen, Gut und Blut daran z> setzen, um ihn zu befreien. Man machte sich Vorwürfe, auf die Stimme des Raddi nicht früher gehört zu haben, man fluchte den Urhebern dieses unverschuldetkn Unglücks, und feuerte sich gegenseitig an, für unser» Helden Opft l zu bringen. Voller Hoffnungen eilte daher Ascher nach der Stad^ Rottweiler, wo gegenwärtig der Kaiser weilte, und es hlelil nicht allzuschwer, vor dem leutseligen Monarchen erscheine» zu dürfen. Mir der Beredsamkeit der fchmerzerfüllten 8ubt legte er dem hohen Herrscher all« Umstände und Berhälhi - nisse, den ganzen Verlauf der Angelegenheit vor. Rudolph beruhigte den Bittsteller, verhieß ihm, baß dem Rabbi nichts UedleS geschehen und feine Haft so erträglich wie möglich gemacht werden soll«, und solle ihm der Kanzler seines GeheimratheS baldigst die Bescheidung mitthcilen. Dies geschah; der Kanzler verkünde« ihm den kaiserlirken Beschluß, daß, wenn Ascher binnen drei Monaten «ine Summe von 20,000 Mark Goldes zu zahlen sich anheischig mache und vor dem angesetzten Termine dem Kanzler j einhändige, der Raddi aus der Haft entlassen werden und einen Freibrief für alle.Zeiten erhalten solle. Mit dieser Kunde eil« nun Ascher'nach EnseShenn, um.von Raddi ein VesfallsigeS Schreiben zu erlangen, das mit einem Gesuche an die Gemeinden die Vollmacht für Asilrer ent» halte, Gaben behufs dieses Lösegelbes in Empfang zu' nehmen. So Viele hatten sich bereits zu großen Opfern willig erklärt, als daß Ascher zu zweifeln brauchte, baS gewünschte Ziel zu erreichen, so bedeutend auch die Summe für die damalige Zeit war. Die Burg Ensesheim lag in einer fruchtbaren, dennoch aber damals weni^ bevölkerten und meist mit dichten Waldungen bedeckten Landschaft. In unserer Zeit ist es ein überraschender und, entzückender Anblick, wenn wir weite mit Saatfeldern bedeck« Fluren durchwandert haben, an die Kette der Hügel zu gelangen, welche den Horizont umschließen, und mitten aus den Wäldern, die über die Höhen sich ziehen, die Ruinen einer zertrümmerten Burg hervordlicken zu sehen. Der venyittertt Thurm, die drei« Mauer, auS deren hohlen Fenstern die grünen Bäume und Gesträuche schauen, wecken die Erinnerung an die Vorzeit und bieten zugleich einen malerischen Anblick. Ader wir Idenken wenig daran, wie viele Seufzer in diesen Thürmen ausgestoßen wurden, wie viel Blut an diesen Mauern klebt, welche in der Zeit des Faustrechts ein Sitz der Gewalnhätigkeit waren und nur den Stößen der Gewalt gewichen sind. Hak« sich in jenen Zeiten der Wanderer "surch die endlosen Waldungen gewunden, glücklich, den Angriffen der Bären, Wölfe und Eber enkgang.n zu sein, so nahe« er sich zitternd jenen Horsten der Geier, deren Herz oft blut- und beutegieriger war al» daS der Raubthiere, und konnte selbst im günstigsten Falle in den elenden Hütten am Fuße der Burg nur eine erbärmliche Ruhestätte erwarten. * Besser erging es diesmal .unfern Ascher und feinem Weide. Sie hatten einen kaiserlichen Paß, der, bei der Mannhaftigkeit unb Strenge Rudolph«, wenn auch nicht den Bären, Wölfen und Eber^, doch den kleinen Herren und Rittern Respekt «inflößle und den ~K

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