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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 22 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
22 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Hera» «: Rabbiner Dr. Vllbtti Bvlksblatt. Zur .ßcfcöruiifl uni) Unterhaltung ans jüblschein Gebiete. «gegeben vpn ig Philippson in Bonn. rft».. on iO/'n 1 Bon dieser Zeilslbrisl ersckrint wvchc Itti» eine Nummer. Preis de« JahrrA \m. -W. löO£« I gang« 1 Thir. Vierteljährig 7 «>< s gr. Alle Blhbbanelurveo. Postämter I ". «KAKkÜ. L. OllAklm. I L 1 und Ze,mng«ekveLuronet nehme» Bestellungen au. tzK—"LN T:UH,m,.J Rabbi Meir von Rothenburg. Erzäl'lung au» den letzten I ibnebenlen deS 13. ^ahcbunrer.e tHonicz-viig.) vrn. jlf 4 och j. »c(cr» n n r c c ’t n n Ab? Am andern Tage enkließ man Most« aus dem Hie fa'ngniß, nachdem man sich dessen bemächtigt haue, _a welchen es abgesehen war. Er eilte nach der Wobnui des Rabbi, freilich ohne die Hoffnung, den Letzteren n frei;u finden. Welche Verzweiflung barg das treue He, Nachdem er das Schicksal seines Meisters erfahren, sank er in tiefes Brüten. Vor seiner.Phantasie stai der mit Ketten beladene Greis, den er in den sinstersn Kerker geworfen, auf keuchten Strohlager gebettet, v, Molchen und anderem Ungeziefer umgeben sich dachte, klagte sich selbst als Urheber dieses Unglücks an, nann>t sich einen Verratker, was ihm das Herz zetriß. noch stäkker als seine Verzweiflung war der Haß, den gegen den abtrünnigen Kampfa empfand und der sich ihm zu einer wilden Leidenschaft steigert-, derer den ruhig Mann Niemand für fakig gehalten hatte- Der narü:- lichc Widerwille gegen einen Menschen? der, genährt vc den besten Glaubensschatzen «einer Religion, diese oenno verleugnet, hätte bei ihm der Verachtung Platz gemacht welche einen, und zwar begünstigten Schüler des hochve: ehrten Rabbi Meir treffen mußte, der demungeachler sein, Klauben abschwor, offenkundig aus niedrigen Triebfeder Aber war es Kämpfa nicht, der über den Frieden Rabbi den Sturm heraufbeschworen, ihn mit den schwerstl Sorgen beängstigte, mit Verderben bedrohte, ihn alle sei schönen Verhältnisse zu zerreißen und zur Flucht gezwungeji und auch auf dieser keine Ruhe ikm gestattend, endli in die Tiefe der Grube warf? Alle diese Erwägung, machten daS Herz des Biedermannes vor Grimm sieden > und ohne zu wissen, was er tbäte, steckte er ein scharf s Messer in ferne Brusttasche. mit dem dunkeln Dorsatzj? der ferneren Verfolgung feines Herren mir Gewalt begegnen, und der Vorstellung, daß. wenn Kämpfa beseitig jt ' wäre, der Rabbi in Frieden und Amt, in Heimath u Ehren wieder eingesetzt würde. Konnte sich dieser doch leicht von allen Beschuldigungen reinigen! . . . Ueb Alles dies brütend, ließ er die Judenhäufer weit hint sich, und schlich um die gräfliche Burg umher, um n möglich die Kerkerstätte seine- Herren zu erforschen. - In der Dämmerung desselben Tages pilgerte eM anderes Paar zum Seethore von Bregenz ein. Sie wärest einige Stunden oberhalb der Stadt auf einem Marktschiffe über den See gefahren, von da durch einen dichten Wald, dessen Vorposten von den Wellen dkS Sees bespült wurden, gewandert, und' kamen so ermattet und von der Hitze des Tages niedergebeugt, zur Stadt. „Du hist wohl sehr ermüdet, meine liebe Sqra," sprach ber-Mann zu seiner jungen Begleiterin, „aber! nur Murh, noch wenige Schritte und Du kannst der Ruhe pffegen!" „Und wenn ich noch so ermüdet wäre/, lautete die sanfte Antwort, „ein Blick von Dir, theurer Ascher, stärkt mich. Und beflügelt nicht meine Schritte die Hoffnung, den Vater endlich wieder zu finden- und seine theure Hand mir den freudigen Thränen des Wiedersehens zu benetzen?" „Nimm Dir dies nicht st fest in die Seele,, geliebte Sara, denn so gut wie , wir uns auf der Reise verzögerten, kann es den beiden bejahrten Männern auch geschehen sein. Danken wir zuerst Gott, daß er uns gnädig beschützte. und so viele Widerwärtigkeiten glücklich bestehen ließ. Es ist wahrlich keine Kleinigkeit, durch einest rauhes und beschwerliches Land allein und unbewaffnet mit einer so schönen jungen Frau zu wandern und zum Ziele zu ge-' langen, und ba;u find wir Juden. Der Engel, den Gott vor uns hersandte, .um alle Gefahren aus dem Wege zu räumen, er wird uns auch den Vater wohldehalren^uführen! Nur, lbeures laß den Much und die Kraft nicht schwinden, die Du in einem Maße bewährt hast, daß ich nicht mehr weiß, ob meine Liebe oder meine Verehrung für Dich größer sei// „Still, Ascher,-»er solch' ein Beispiel der Aufopferung und Zärtlichkeit giebl^ wie Du, der kann mit Recht fordern, daß man ihm fotze, wohin er uns' geleitet." Unser Paar richtete seine Schritte ebenfalls nach dem kleinen Judenvierkel, und als es dieses erreicht hatte, klopfte Ascher an das erste HauS, und frug die alte Frau, die das Schiebfenster der Hauspforte geöffnet: ob sie nichts wisse vom Rabbi Meir vm Rothenburg? Kaum aber hatte er diesen Namen genannt, als daS Fenster klirrend zugeworfen, noch ein neuer Riegel vor die Thür gestoßen und eine Fluth von Schellworten vernehmbar wurde, von denen die Draußenstehendrn kar m verstanden: wir kennen den Mann nicht, wir haben nichts mit dem Bösewichte zu thun; jeder Verbrecher muß seine Strafe allein tragen; wir haben . allein schon Unglück penug; kommt sich der her, um uns^ ins Verderben zu stürmen, unv dergleichen mehr. Entsetzt' fuhr daS arme Paar zurück, da sich auS diesem Willkommen irgend ein furchtbares Ereigniß vorauSsetzen ließ.

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