Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 20 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 dienst, so weit Gesang ein Theil desselben, in wahrhaft würdiger Weife;u gestalten, er wird da- Allzuweltliche, der Synagoge Unwürdige aus derselben verbannen, jenes weltliche Element, das keinen einheitlichen Eindruck, wie ihn Gotteshaus und Gottesdienst auf uns machen soll, aufkommen läßt. Denken wir uns al» Bilderschmuck einer Kirche eine Venus von Tizian, eine niederländische Bauernscrne von Ostade, einen Tanzmeister von Watteau oder etwas Gemüthliches von Wezerheim, welche Bilder, im Salon betrachtet, gewiß einen angenehmen Eindruck auf unS machen, die aber im Gotteshause den einheitlichen Eindruck stören, den daS Gotteshaus auf uns machen soll und nach welchem alles, was wir darin hören und sehen, den frommen Empfindungen, mir denen wir dasselbe betreten-, angemessen sein muß. An dem vr. Perles hat die Brüdergemeinde eine Perle von Prediger gewonnen. Ein wohlklingendes Organ verbindet sich bei ihm mit einem schönen Redeflüsse und eigenthümlichrn, doch nicht erzwungenen Wendungen. Talmud- und Midraschstellen sind ihm nicht Hauptsache in der Predigt, 'sondern dienen nur der schönen Form zum Schmucke. Einem tiefgefühlten Bedürfnisse Polens wird durch den Herrn vr. PecleS in Kurzem adgehotfen werden, nämlich dem Bedürfnisse stach einer geregelten Religiönsschule, die Posen noch nichv besitzt und worunter am meisten die weibliche Tugend 'leidet. Wenn auch der Religionsunterricht der jüdischen Knaben in der Realschule unter Leitung des Herrn Rektor Rosenstock sich in sehr guten Händen befindet, so ist doch im Allgemeinen zu wenig gerhan, da der Arme hauptsächlich gezwungen ist, seine Kinder dem billigsten Redhr und gewöhnlich nicht dem besten, denen es Hunderte, in P. giedt, anzuverlcauen. Das weibliche Geschlecht aber, wie ich sagte, ist eS, das am meisten darunter leider. Man darf sich das Mädchen nur in seinem spälern Berufe alS Gattin und Mucker, denken, in welch' «csterer Gestalt sie auf ihren Mann, in zweiter auf ihre Kinder einzuwirken bestimmt ist, denen sie ein Vorbild sein soll in alle dem, was nachahmungswerth, die von ihr lernen sollen die Religion lieben „als höchstes Kleinod, als den Schmuck des Glückes und den Schutz des Unglückes, als den Wegweiser der Reichen und den Stab 'des Dürftigen, als die Leuchte de« dunklen Lebens",*) man muß, sage ich, dieß alle» bedenken, um die Wichtigkeit der religiösen Erziehung auch der weiblichen Jugend zu begreifen, um sie mit aller Kraft zu erstreben. Möge es dem Herrn vr. Perles vergönnt sein, dies schöne Ziel fii erreichen. Als ich den vr. Perles besuchte, traf ich bei ihm einen Herrn, den ich für einen Kaufmann imsah, worin ich dadurch noch bestärkt wurde, daß er bei seinem Abschiede die Absicht ausfprach, nach dem Comptoir zu gehen. Bei der Vorstellung war es der Name Kronheim, den ich verstand. Sparer erst erfuhr ich von den lieben Meinen, daß es wahrscheinlich bervr. Chronik gewesen, den ich bei dem vr. Perles angetroffcn. vr. Chronik, der durch feine 1) Pbilippsou. Amsterdamer Angelegenheit, durch weiche er mit dem Glorienschein eines Martyriums bekleidet wurde, wohl wenigen unbekannt sein ldürfle, er, der Mann mir dem bedeutenden talmubischen Wissen, er hall sich jetzt in Posen auf, hat sich dort verheirathet, und bekleidet die bescheidne Stellung . als Mitredakteur der Poiener Zeitung. Bei seiner Rückkehr von Amsterdam Haler in mehreren Städten, unter anderen in Berlin und in Posen gepredigt, ohne zu einer bestimmten Anstellung zu gelangen, möge ihm eine solche, angemessen seinem Wissen und Streben, bald werden. (Schluß folgt. ' Eine Kaffeehaus-Scene.') Marqueur (sehr höflich zu einem dicken Herrn, der eben die „Kirchenzeilung" liest) „Ist vielleicht 'eine Tarokvarthie gefällig?" ZeirungSlefer (ohne aufzublicken) „„Wenn ohne Zu den gespielt wird, wegen meiner!"" Nationalitäten. Dasselbe Blatt enthält eine ergötzlicheKarrikalur. Man sieht zwei Zuben, den Einen in polnisch-jüdischer Tracht, den Andern alS Tiroler gekleidet, mit einander im Gespräche. Unter dem Bilde liest man Folgendes : „Gott der Gerechte, Jeitelns, wie siehste aus?" „ „Wie kimmfte mir vor? Muß ich machen a Ras (eine Reise) nach Tirol, Hab ich mir vorsichtSweis' angeschaffc a Nationalkostüm!"" Notiz. Offendach, 15. April. (Aus der Didask.) * Es ist schon in verschiedenen Blättern über den früheren Heimalhsork der Familie des beliebten Componisten des „Orpheus", I. Offen dach, berichtet worden. Derselbe stammt wirklich aus unserer Stadt. Sein Bater Isaak, Sohn des verstorbene« Juda Ederstadr von hier, war in Offendach geboren und wandette nach dem Tode feines Vaters im Anfänge dieses Jahrhunderts aus. Er wurde später Cantor der israelitischen Gemeinde zu Köln, wo ec sich den Namen Äffend ach" zulegre. Dort ist sein SohnJacob Offenbach, derComponist, geboren. Es lebt noch eine Schwester feines Vaters, die 89 jährige Wirrwe des Moses Schlesinger, in dem benachbarten Bürgel. 1) Aus dem humoristischen Volksblatt „Kikeriki". Allgemeine Zeitung de« Judenthums.- No. 19. 1862. Leitende Artikel: Abschiedspredigt, gehalten am 7. Peßachtagr (21. April) von vr. Ludwig Philippsohn. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, Hannover, Hamburg, Buchau, Karlsruhe, München, Karlseiche.Preußen: Posen, Tilsit. Oesterreichischer Kaiserstaat: »rag, Wien, Wie«, Siklo», Raab. Amerika: New-Aork. Portugal: Lissabon. Rußland: Warschau. Zu beziehen durch jede« Postamt and jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler. Verantwortlicher Redacteur I. H. LÜder. Verlag »o« 9t «Tm gä Suchhaavtsag ts Leipzig. — Xnd mi <S. Sre-siagi» Leipzig.