Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 18 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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t Jüdisches VolMlatt ♦ 33efef)ruii(] und HnlcrQaftunfl auf jüdischem ffekie^e. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Pson in Magdeburg. lNo. 18. 1862.1 So, tiefer Zeitf»ri!k erfcheüu wkchenilich et« R»»»er. Prell de» 2-br» g«»S< r THIr. «ierteljähris 7 % Ngr. «lle B»chba»tl»,ge», P»ftq»ier " "elliulge» a». ZeiNl»g«rr»editi»ne» nehme» »etzet [9. Jahrg. 2. ^ujrrtal.] Rabbi Meir von Rothenburg. Erzählung au» den letzten Jahrzehrnden de- 13. Jahrhundert». (Fortfeyung.) VI. Nachdem er diese ganze Erwägung ausgesprochen und Rabbi Meir sich mit seinem, ihm so theuren Schwiger sahne in völliger, Uebereinstimmung fand, faßen sie linge beisammen, um die Mittel und Art der Flucht zu bera hen. Eie kamen überein! daß Ascher und seine junge Frau den Vater zwar nicht begleiten sollten, um durch ihr Zusammensein nicht aufzufallen und die Verfolgung zu erleichtern; daß diese sich aber ebenfalls heimlich entfernen müßten, und daß sie in der Stadt Bregenz, am Ende des „schwäbischen. MeereS", wo der Weg anhebr, zu den hohen Bergen hmanzusteigen, über welche hinweg man nach den goldenen! Gefilden Italiens kömmt, Zusammentreffen wollten, um von da, wo man auS Deutschland in das Land der Alpeneinrritt, gemeinschaftlich zu reisen, da von dieser Grenzt an. daS Ansehen und die Macht deS Kaisers zu gering!war, um den Reisenden zu schaden. Waren sie dann glücklich über den Rücken der schneebedeckten Berge gekommen, so wollten sie nach der großen und berühmten Stabt Livorno, wo eine überaus blühende Gemeinde ihnen so viel S cherheil und Mittel zum Fortkommen bot, reifen, und hier wollten sie scheiben. Ascher und seine Frau sollten sich von da nach Barcelona einschiffen. um zum Rabbi Sa omo Aderath zu gelangen, der ihnen ein herzliches Willkommen verheißen hatte, während Rabbi Meir in Livorno die Helegenheit zu finden hoffte, seine Reife nach dem'gelobten Lande der Väter fortzusehen. Zwar bat Ascher auf's dringendste, den Greis nach den heiligen Stätten begleiten zu dürfen, Rabbi Meir wies dies aber entschieden zurück. „Ihr seid jung", sprach er, „Du bist berufen, ein Lehrer in Israel zu werden, daS solcher Männer nicht entbehren kann. Du mußt ein HauS begründen, worin der S^gen, den der Herr Dir bescheiden mag in Söhnen und Töchtern, sich befestigen und auSbreiten kann. Und dann, wen daS heilige Land unserer Väter durchpilgert, auf den S ihrer Füßen gekniet und gebetet habe, und keine finde, di« bleibend fei für die Tage meines hohen A wohin sollte ich mich wenden, wenn nicht zu dem meiner Kinder? ..." — Die Vorbereitung zu der beabsichtigten Flucht m mit der größten Vorsicht getroffen werden.' Radbl zog nur einen einzigen Mann in sein Geheimnis, dessen felsenfeste Treue er bauen konnte, den Gemeiabediener Moser. Dieser, ein alter Junggeselle, war trostlos, sich von seinem verehrten Lehrer und Herrn trennen zu sollen und bat so dringend, ihn mitzunehmen, zeigt» so nachdrücklich, baß der Greisohne Führer und Diener gqr nicht fortzukommen vermöge, daß es eine Sünde sei, ihn, ^er mir den gewöhnlichen Dingen de- Lebengar nicht' vertraut sei, sich selbst überlassen zu wollen, daß sein Antrag gern genehmigt wurde. Einige Tage darauf sollte «in« Hochzeit auf einem benachbarten Dorfe stattfinden, wohin sntz also der Rabbi begeben mußte, um die Trauung zu vollziehen. Ohne also Jemand anderin die Mitwissenschaft zu ziehen, wollten di« vier Flüchtlinge von diesem Dorfe auS. statt nach Rothenburg zurückzukehrea, ihre Pilgersihaft^ar treten. MoseS miethete von einem Rothenburger' Juden einen Wagen, der sie nach der HochzektSstätte bringen, w »bei ec selbst den Kutscher spielen sollte. Unter dem Bor »and«, daß der Rabbi noch mehrere Filiale besuchen werde, sollte der Wagen erst ln acht Tagen zurückkehren, wodurci. dann zugleich motivirt wurde, wenn einige- Gebäck rülhzen, mmen ward. Allerdings beschränkte man sich hierb,^ ai f.däS Allernothwendigste, und der Rabbi konnte leicht di ihm, wie wir oben erzählt, von einigen wenigen Ortew zu seiner persönlichen Rrtmng zugesandten Gelder und Klei nodien zu sich nehmen und in seinen und der Semigen Ikleider verbergen, um damit die Kosten der J^eise zu d«stre> trn. Allegelang vollständig. Wahrend all« W« t den Rabbi und die Seinigen noch auf der Hochzeit uni dann auf dem nothwendigen Besuche der Filiale verm rthete, waren sie schon am Abend des Hochzeirtage-, nachd m die Dunkelheit angebrochen und die Auftnerkfamkeit dezanzen Dorfes mir dem Hochzeit-Hause beschäftigt war, atf dem Wagen davongeeilr, lenkten bald von der Hanptstriße ab' und schlugen sich in da- Gebirge hinein. Sobald sie die Grenze de- Hohenberger Landeüberschritten hatten, ft muten sich die vier Flüchtlinge, indem der Rabbi mit Mos - vermittels de- Wagennach dem Rheine zu und um dessen, so wie de- Bodensees rechten Ufer nach Breg« az zu gelangen trachteten, während Ascher und seine Frau einige Meilen zu Fuß zu einem vertrauten Freunde de» . lauft» »änderten, der sie über da- Gebirge nach Kostnitz l ringen sollte, wo sie den Rhein überschreiten, und um da linke Ufer de» See-, Bregenz erreichen wollten. (S»r»srtzu»g folgt.)