Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 17 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r Jüdisches Bolksvlatt Znr > Bekehrung und AnterhaNung auf jüdischem Heblere. Hrraosgegebm von Rabbiner vr. Ludwig Phili-pstM; in Magdeburg. lNo. 17. 1862.] 8oa dirser Rdtfdjrift etffrtat «ttnrMiL ehre Ru««er. Pen» ttf Iah»« goag« l LhK. Vienrljichriß *}f K#t. »Le v>chtz«Udt»,g«», P«ftä«»er nj|b Aeiru«g»«rpediv»Ue» uehseu SefteDBagca ob. [9. Jahrg. 2. Quartal.] *•*» Rabbi Mett von Rothenburg. Erzlihluag auden letzten Iahrzehenden de- 13. Jahrhundert*, (ftortfdiuiig.) VI. Die Befürchtung war glücklicher Weise eine vergeblich«; Kampfs wurde nicht mehr gesehen, und bald kam es dem Rabbi zu Ohren, daß derselbe, wenn auch mit großem Unwillen, Stadt und Umgegend habe verlassen müssen, weil er vom Grafen zu einer geheimen Sendung gebraucht wurde. Man hatte feine List und Gewandtheit schon zu sehr kennen gelernt, um ihn nicht al< Uederdringer geheimer Nachrichten, wenn «dabei, feindliche Länder zu pasfiren waren, zu gebrauchen, «der Kaiser hatte seine« Freund und Anhänger, den Bsschof Heinrich von Basel, nach Rom gesilndr, um mit dem Papst« zu verhandeln, und wußte ihn bereit* auf dem Heimweg«. Diesem sollte non Kämpfa Weisungen bringen, um unterwegs bei italienischen und deutschen Fürsten noch vorzusprechen. Der Rabbi und seine Freunde fühlten sich von einer großen Last desveif, als sie dies« Kunde vernahmen. Und unser Rabbi hatte dieaöthig. Es liefen jetzt von vielen Seiten die Antwortschreiben vieler Gemeinden und Männer noch und nach ein, an welche sich der Rabbi gewandt Han«. Ob er durch dieselben viele Täuschungen erfuhr, oder ob er, durch frühere Erfahrungen belehrt, kein« große« Erwartungen gehegt harre, wir wissen es nicht. Liebte er es doch auch gar nicht, die Empfindungen seines Herzens auszufpcechen, und trug vielmehr Alle* fest und ruhig so lange in sich, bis die Norhwendtgkeir zu sprechen da war. In der Thar aber, wann verlöre das Herz des Menschen, der selbst Großmuth- und Aufopferungsfähigkeit in seiner Seele trägt, da- Vertrauen auf die Menschen ganz und gar? Immer wieder stiehlt sich die Hoffnung, diesmal edlem Gesinnungen zu> begegnen, bei ihm ein, wenn auch diese Hoffnungen niemals dm Höhengrad der Zuversicht erreicht. Ader es mochte ihm doch bitter aukommm, als er gewahrte, dageradediejenigen, welche er sich am meisten verbundm uns verpflichtet hielt, dmm er die Schuld der Dankbarkeit wahrhaftauferlegt hatte, sich am schnöbest« betrugen. Sie machten ihm Borwürfe sogar,, daß er sich in politisch« Händts einloff«: sie setzten voraus, daß er sich bei seinem Oderherrndem Grast» von Hohenberg, doch so benommen hadm müsse, baß dieser ihm zutraue, auch in Geldsachen Autorität Über seine Glaobensgonvffen zu' übe«. And»« wiederum erklärten es für sehr gefährlich, wmn man die Rabbiaea zum Einrreib«n von Steuern verwenden wolle, und wollten sich diesem Beginnen mit aller Macht wider» setzen, damle das böse Beispiel kein« Nächst kg« ersah«. Die Dritten wunderten sich, wie man di« Juden der »er, schieden« Lander in ein« Topf wecstn wolle; sie, die Ju-X den von Franken hätten nichts gemein mit den >Iudea von Schwaben; ein Jeder habe den Bissen z» versit tuckdn, der ihm vorgefetzt würde, und da hätte schon Jeder genug an den seintzen zu thu». Wenn der Kaiser den Inden br< Reicheeine allgemeine Steuer auflegen wolle, fo möge er sie öffentlich auSschwiden; hierzu aber fehl» ihn ohne Zustimmung de- Reichstages jede Berechtigung. Kaiser - und Reich hätten bereits den größten Theil d*t ln Deutschland ansässigen Juden an die Fürsten und Städte v« rkanst, verpachtet, verpfändet und verschenkt, fo dadie « mit jenen gar nichtmehr zu schaffen hätten. Rur ein kleine The» der angelcmgten Briefe versprachen, jedoch nur »rar eine reges» und verhältnißmäßig« Bertheilung auf alle Zuden de- Reiches starr fände, ihren Theil willig zu zahl»» — wobei die Voraussetzung, daß eine solche Bertheilung nicht statt finden würbe, durchdlickte. Diesen Ablehnung n ge» genüber, bi« in solchem Maße Rabbi Melr, welch« n di« vielfach« Beweise der Anerkennung — freilich m t Cm, wo die Last der Arbeit und Mühe auf die Gchuttei n des Rabbi gefallen — und die Schmeicheleien, wekci e im hebräischen Briefstpl so leicht und gewöhnlich sind,, ver oöhnt hatten, doch nicht erwart««, wir sagen, diese» Abkehr» eng« gegenüber dethätigt« sich allerdings auch Mt Aahängi ichkelt Einzelner in rührende» Züge». Es kbmen Send »»gen von Spenden an, bestimmt von den Geber», dem stabbl i» jeder Bedrängnis die ihn treffe»' könnte-, Hül k zu schaffe», Kostbarkeiten und Schmucksache», um sie zum Besten des Rabbi zu veräußern, Zusicherungen, ihn nt imll zu verlassen, und jedes Opfer für seine Rettung zu br agon. . Diethar dem tiefbewegten Herze» des Rabbi sehr wohl, obgleich jti nicht im Stand« war, diegroß« Rlederg sthla, genheit zu überwältigen, welch« sich sein*» Geistede nächtigt hatte. Sechs Wochen waren bereits verfloss«; der Greis sah die Stunde der Entscheidung immer näher kommen,] oh« daer zu einem Entschlüsse gelange» konnte. Be rief er sich alle Trostgründe der Religion ins Bew mit seinen Lippen flüsterte er immerfort Sprüche der und der Weis«, welche das Bertta»« auf Gott und in den schwierigsten Augenblicken unerwartet eins» Beistand aufs lebhafteste ausfinech«: in sein« Seele wollt« der Wach und die Entschlsfstnhett ntch