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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 16 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
16 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Retehruntz und Untergattung auf jüdischem Heblet Herausgegeben von ) Rabbiner Dt. Ludwig PhiliPPso« in Magdeburg. rrv» 4 n 4 o/*n 1 von dies« -jettschrist reich ei« r »Schenütch et»« N»»»er. Vret> dr» Sahr» lNo. 1«. 1862.] -----' SäSSTC- ^S. Isdrg. 2. chM tsl.j Rabbi Meir von Rothenburg Erzählung auden letzten Jahrzeheuden de» 13. Jahrhundert». » lSorisepuig.) V. Kurz« Zeit darauf trat die schlanke Gestalt feiner Tochter vor den Rabbi: Di« seit der letzten Zeit auf ihrem Angesichte heimisch gewordene Bläss« war einem sanften Roth gewichen, denn ein solcher, gewissermaßen feierlicher Ruf ihre- Baker» war ein seltene» Ereigniß, und halte ihr Herz jptit Bangigkeit erfüllt. Sie hielt da» schone, von dunklen Locken umrahmt« Haust nach vom gebeugt, aber ihr große» Auge suchte die Blicke ihre» Vater», um au» ihnen dessm Stimmung, vielleicht auch dessen Willen und Absicht zu erkennm. Eine weich« Schwermurh lagerte auf dem Gesicht und der Haltung de» Vater» al» er dl« Hand Sakah'S ergriffund sie nökhigte, sich ihm gegenüber, aber ganz nahe auf einen Gessel niederzulassm. „Meine Tochter", hob er mit sanfter Stimme an, „allerdings möchte ich mit Dir einige emste Worte reden. Du bist da» einzige Wesen, da» mir von den Meknm übrig geblieben. E» war Sein heiliger Will« und Er sei gepriesen in dem wa» er mir gab und ließ, wie kn dem wa» er mir gegeben und genommen. Die Geschäfte und Arbeiten, mit denen ich überhäuft bin, lassen mich selten dazu tom, mm, mit Dir, meine Tochter,'eia vertrauliche» Geh»räch zu pflegm. Heute aber soll nicht» zwifchm Baker und Tochter treten, um ihre Herzen vor einander auSzufthüttm, und Alle», wa»wir m«inm und fühlm, offm vor etnaadrr hinzulegm, wie e» nur vor dem allsehendm Auge Gotte», nicht einmal vor uns selbst klar ist." Die Tochter, die nach diesm Eingangsworten nur um so erwartungsvoller gestimmt werdm mußte, und die dennoch Alle» ahnte, wa» jetzt zur Sprache kommen sollte, vermochte nur die Hand ihre» Dater», welche die ihrige noch gefaßt hielt, wiederholt zu drückm. „Denn Deine geliebte und stet» betrauerte Mutter noch lebt«, so würde ich sie gebetm haben, mit Dir also zu redm. Denn wir Männer, und wenn wir noch so gescheit sind, verstehen un» gar wenig auf da» weiblich« Herz, und fahrm immer rauh dazwischm. Da e» nun aber einmal so ist, so höre auf da» Wort Deine» Baker», und mache ihm au» bekam Gefühlen und Meinuugm kein Geheimniß." „Und könntest Du wir zutraum, lieber Baker," erwi« derte jetzt Sarah ln leisem Tone, „daß ich eia Geheimniß vor Dir hegen »olle, auch wmn Du solche Aufforderung nicht an mich ergehm ließest?" „Still, mein Kind; der Mmsch ist eia gar wunderliche» Wesen, und hält oft vor sich selbst geheim, wa» «: sich nicht gem eingestehen will. Doch kommen wir zur (lach«. Ich bin von dem Dorfalle unterrichtet worden, der Dir, arme» Mädchm, auf dem Sange zu deiner Muhme de egaet ist. Ich war erschreckt und empört, und, so gut er adge» lauftn, schmerzt es mich sehr, wie viel Amgste Du < u»gestandm haben mußt." „Ach, Urb« Barer, damals war e» mehr der G hreck, der mich ryte gefesselt hielt; seitdem aber^hat »i h die Angst meines Herzm» noch nicht verlassen. Du bist de lieber Dater, vielleicht Dein thmre» Leben in Gefahr, ebenfall» soll Dir «in schwere- Geschick dereiret werdm - - o, jener schreckliche Mmsch stößt keine Drohung an», ohne' daß er sie anSzuführm vermöchte und entschlossen »Irr!" „Wir müssen, liebe» Kind," erwidert^ der Bater „auf die Hülfe Gvtte» bäum, dir immer stärker ,ist al» die Bo»,: heit der Mmschm l" j „Ach, Bater, meine Zuversicht wankt nicht, aber Gott läßt auch oft schwere Schicksale für dm frommm und gerechten Menschen zu, und giebt ihm zuvor die T Ittel, sie zu verweidm und ihum au» dem Wege zu j chm. | Bater," fügte Sarah zögernd hinzu, „wäre e» nicht »eine j Pflicht, jenen Mann zu versöhnm — e» handelt fch ja um Dein kostbare» Leben oder doch um die Tage 2 eine»' Alter», und endlich um da» Wohl unserer Geuwstch, und der Jude« überhaupt. . . dürfte da ein schwache», ende» deutmde» Mädchm anstehm, jede» Opfer zu dring«. . Ja, Bater," setzte sie mit festem Tone hinzu, „it i bin schon entschlossen, zu thua wa» Jmer verlangt, sodal > Du darein willigst." , Da» Mädchen erbleichte, indem fie diese Worte st rach;' aber ifert Auge» erglühetm von jenem Feuer der T »gmd ' und Lieb«, welche» ln reinm Heyen aufflammt, »ei» fie sich selbst zu opfem den Entschluß gefaßt; ein Feuer, da» nicht wieder erlischt, und wmn Leidm vieler Jahir im Gefolge wärm, und da» die gemarterte Seele vo den Thron de». Allerheiltgstm emporträgt, wenn sie erlöst worden. Der Grri» blickte seine Tochter scharf an und sprach: „Und da» wolltest Du wirklich, meine La hier? hast Du auch überlegt, wa» e» heißt, einem Känqfa zu folgen, ihm Trme zu gtzßodea, und die kebmsgrfi chrtia eine» solchen Manne» zu werdm? ..." „Ja Vater, ich Hab« e» überlegt, ich habe es du. che», pfundm, und al» meine Pflicht erkannt. Wie? ich sollte

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