Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 14 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur 35cCe0riing und Unterhaltung aus jüdischem ssekitike. Herau-gegeten vo» Rabbiner Dir. Ludwig Phili-pslM in Magdeburg. [9io. 14. 1862.] Leu biefct Znischriir trfAcint rvichrntlia ein« Stummer. Prri» br# 3afcr« gaug» l Lhir. li'ietteliatfrifl 7 Skgr. iSllc vuchbanrluugcu. Postamier und Zeirungscrvcdtlionen. neomen vkftrlluu«en au. 1^9. IuKrg. 2. H »rtal] Rabbi Meir von Rothenburg. Erzählung auden letzten Zahrzchenden des 13. Jahrhundert-. lAorlscpuug.) IV. Seit datägliche Lpfer eingestellt Und-jerwiihlel deine Bauten, Wir Morgen- und Abends in Deinem Zelt Uns ergießen in Gebete-lauten; Es fei Dir wohlgefällige Altargabe, & Die wie Opferdüfte lade; Herzen, die zerknirscht, gebrochen. Halte wie Dargebrachre-, daversprochen. Nun steh' ich auf meiner Warte, Deinen Auftrag ich erwarte; Nimm gütig auf de- Mundeö Spenden, Deine Antwort laß mir senden. ~ Kraft der dreizehn Eigenschaften, Die an Dir als Kronen haften. Wird der Au-ipruch de- Getreuen Den Geliebten, .so Dir dienen, sich erneuen. Diesind die Worte, -welche Rabbi Meier am Abende nach seiner Heimkehr niederschrieb, Worte, welche noch nach Jahrhunderten in den Bethäusern dedeutschen Israels von Andächtigen nachgesprochen werden, Worte, mir welchen der fromme Dichter seine Zuversicht zu starken und den Sturm in seinem Innern zu beschwören suchte. Sein Geist erhob sich über die Schrecken,! in welche ihn die Anforderungen und Drohungen des Grafen, vereinigt mit dem Anblick und den Klüchen Kaemtzfa's versetzt hatten. Don oben her holte er sich Festigkeit und Klarheit des Geiste-, und nun kam er sinnend wahrend der Stille der Nacht zu festen Beschlüssen, wie er verfahren solle. Die Verlockungen des Grafen, da- Bild, das er ihm vor die Seele gestellt, als kaiserlicher Hochmeister über alle seine Glaubensgenossen in Deutschland die Herrschaft zu üben, blieben ihm fepn, oder wurden von ihm schnell abge, wiesen. Sein hoher Geist ermaß die traurigen Folgen, welche mir der Zeit aus einer solchen weltliche« Stellung und Unterordnung seinem Volke erfljrßen mußte, den Wider» willen und Widerspruch, den er bei den Juden damit Hervorrufen würde, und die ihm die Liebe, und die Verehrung, welche er genoß, kosten mußten. Dahingegen konnte er sich nicht verhehlen, daß es seine Pflicht gegen den Kaiser, wir gegen seine Glaubensgenossen fei, solche Schritt«;ju thun, durch welch« er den letzteren das Verlangen des ersteren kund und die Gelegenheit gebe, ihre Willensmeinung zu äußern. Mochte bann der Erfolg ausfallen, «ie er wolle, so war er entschlossen, den Ausgang ruhig adju- : warten, und sich dem Willen §er göttlich-nDors« hung zu! unterwerfen. Mir dem frühen Morgen begann daher seine rastlose ThätiAkeit. Es gingen Briefe über Bri efe nach! allen Personen und Gemeinden ab, mit denen er jemals I in Verbindung gestanden. Wer ihm unter seine» Umge-! düngen nur zu Gebote stand, ward als Sendling v rwendet. Mir großem Geschicke stellte er die Verhältnisse da , berichtete über die Forderung de- Kaisers, wog ab, w s dafür und dagegen spreche, ermahnte in schwungreicher Sprache, sich über jede selbstsüchtige Regung zu erheben, u id einen Entschluß zu fassen, dem aber die That auf den F iß Nachfolgen müsse. Immer und immer wieder fiel sein 8ed§cht» niß auf Freunde und Gönner, und dann griff er u rermüd» lich zur Feder, um auch diesen die Angelegenheit vorzuftellen. Uebbrall aber ließ er seine Persönlichkeit in den Hintergrund treten, deutete nur obenhin nuf die E «fahren, die ihn bedrohet»«, und wollte nur das Allgeneinwohl berücksichtigt sehen. Eine ganze Woche brachte er n dieser BeschaftigMng zu, und gab sich dann ruhig seiner ge oohatm Thärigkeit hin. Bald aber bemerkte er, daß es den Seinigen a r dieser Ruhe fehle. Spuren' der Besorgniß und der Aeng ilichkeit gewahrte er an seinen nächsten Umgebungen. Rabl i Meir stand in seinem Alter hist allein da. Die treue Lebensgefährtin war vor Jahren in die Gruft gesunken. Drei blühende Söhnt,»welche den Ruhm und das Verdi «st des Vaterzu erben und fortzupflanzen die Hoffnung gaben, waren ihm in einem blutigen Aufstande zu F ankfurt erschlagen worden. So war ihm nur eine einzige Tochter geblieben, der Trost und die Freude seine- Alters, Larah, dieselbe, um welche der jetzt abtrünnige Kämpfa ge oorben, und die ihn abgewiesen und zwar mit Zustimmun \ ihres Vaters. Oie herrliche zwanzigjährige Jungfrau stand rüstig dem Hausweftn vor, und widmete ihrem D< ter die zärtlichste Pflege. Ihre größte Sorgfalt verwandte sie ' stets ' darauf, den Vater in seinen Studim und Arbeiten möglichst ungestört zu hallen, mit strengster Wachsamkeit hielt sie Alles von ihm fern, was ihm unangenehm berühren konnte, uud trug sie stets Be-enken, vor ihn zu erscheinen, wenn sie ihn nicht eines müßigen Augenblicksich erfreuend wußte. In den letzten Tagen war eanders; sie trat oft und hastig in das Gemach des Rabbi ein, und wenn er sie nach der Ursache deftug, brach sie mitten im Rehen ab und gab widersprechende Veranlassungen a». Mit dem ernstesten Gedanken beschäftigt, achtete er anfangs hierauf, bis es sich ihm unwillkührlich aufdrängte. sein Lieblingsschüler und Vertrauter Ascher den schiel. wmig Auch