Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 13 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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Wenn Gewebe jener Spinnen, Die de« Volke- Blut ausfauqen. Die vor Trug pnd Wunderwerken Senken heuchlerisch die Augen. Weggefegt, vertilgt soll werden AuS des Aberglaubens Kammer, Rufen sie ein Wehe! Webe! Und beginnen laut zu jammern. Doch der Zeitgeist, er wird lichten. Dies Geschmeiß wird untergeben, > Und der Menschheir-liebr Zahne Wird von allen Kirchen wehn! S. Liebmann in Mannheim. Tie Schnelligkeit des Lebens. Worin sich die gegenwärtigere» gan; besonders von den früheren Jahrhunderten unterscheidet, ist die Schnelligkeit, mit welcher man lebt und die zum Bedürfnis geworden zu Allem, was man lebt. Wie durch die Dampfkraft alle Entfernungen geschwunden sind, wie durch die. TageSpresse alle Ereignisse in alle Welttheile und alle Schichten des Volkes aufs schnellste verbreite: werden: so hat sich der neuere Mensch e:ne Eilfertigkeit angewohnt, welche oft genug den besten Lebensgenuß stört und. der Gründlichkeit der Arbeiten auf technischem wie geistigem Gebiete schadet. Man will alle Früchte selbst genießen und zwar alSdald nach der Saar. Die Eiccularion soll schnell geben, und was langsam gehr, dazu bar man keine Zeit. Man crneurrt lieber wieder, alS daß man auf di« Dauer arbeitet. Unsere Vater konnten sich nicht sau sehen, nicht satt hören, nicht sarr beten, nicht sarr schmausen, nicht satt feiern — jetzt aber wird man alles dessen, war lange wäbrl, und wenn es noch w schön wäre, noch sb geistreich, noch so schmackhaft, bald überdrüssig, und wer jetzt Eindruck bei dem Publikum machen will, muß bald enden, sei cS in Rede, in Musik oder sonst etwas. Alles wird schnell abgenutzt. Man will immer erwaS Neues,. neue Staatsmänner, neue Schauspieler, neue Bücher, neue Kleiber, neue Einrichtungen, neue Gesetze. Daß diese- Drangen, Wechseln, Erneu,m fein Gutes hat, wollen wir nicht leugnen. Es macht vielseitig, es laßt NichkS modern und faulen, es entfaltet alle Kräfte, eS spornt den schöpferischen und ersinderischen Geist. Unsere Väter verschwendeten gar zu viel Zen und Mühewaltung in nutzloser Weise; sie kamen nicht vorwärts und die besten 'Kräfte verstechten, weit ihnen die Verwendung behindert ward; man begnügte sich mit geringen Verbesserungen, wo die Schäden auch noch so offen lagen. Allein jene Flüchtigkeit und Schnelligkeit in unserer Zeit bringt nicht minder ihre Nachtheile mit sich. Das innerlich« Leben hört ganz auf; die Beschaulichkeit, die es ernst mit der eigenen Seele, mit Ertrnnmiß und Wahrbeit meint, hat keinen Reiz; die Ausdauer, die im Stillen wirkt, und sich durch hundertfache Täuschung nicht beirren läßt, wird zu einem gar seltenen Vogel; die Oberflächlichkeit triumphißt, wenn sie sich nur irgendwie zu verkleiden versteht; weil man \o viel sieht und erfahrt, vetsiehr man daS Eins über das Andere, und selbst daS Verdienst/chwinbet bald auS -er Erinnerung, wenn eS sich nicht immer wieder bemerklich macht. Traun, aus der Fülle der gegenwärtigen Erscheinungen wird, fürchte ich, weniger für die folgenden Jahrhunderte übrig bleiben, als aus den früheren für unS geblieben!_ Curiosa aus Oesterreich. Äor ungefähr einem Monate kam ein wohlhabender Würzburger nach Ofen. AlS er hier einmal badete, wurde er vom Schlage gerührt und starb. Niemand kannte ihn näher und in seinem Paß fand man nur Namen und Herkunft btjtichner, aber die Eonfcssion des Verstorbenen war nicht erwähnt. Er wurde indeß als Jude beklarirt und auf dem jüdischen Friedhöfe begraben. Nach dem Begräbnis würde der Vorfall der Familie beS Verstorbenen gemeldet. Doch diese war nicht allem über die traurige Nachricht erschüttert, sondern auch darüber, daß der Verstorben,. ein frommer Katholik, auf dem jüdischen Friedhof nach jüdischem RituS bestarler wurde. Sofort eilte der einzige Sohn de- Würzburgers, mir allen nörbigen Zeugnissen versehen, nach Ofen, und erwirkte hier bei der Behörde, daß die Leiche seines VarccS auS dem jüdischen Friedhöfe au-gcgraden und auf dem katholischen besiatker wurde. (Oie Beslauer Zrg. nach ein. ung. Bl.) Der unlängst in Eichenstadr l Ungarn) verstorbene Herr Mayer Runzlau restirre dem dortigen Spiral der Barmherzigen die Summe von Einhundert Gulden mit den Worten: „AuS Dankbarkeit dafür, was selbe an meinen Glaubensgenossen Gutes mittheilen." Urbild cincs hyperorthodoxcn Juden. Einem frommen Bewohner d,S bekannten Schloßberges in der ungarischen KrönungSstadt, Preßburg, wird folgendes ergötzliche Anekdötchen nacherzählt. Dieser batte durch eine lange Reihe von Jahren einen christlichen Dienstboten, Namen- Magdalena. Diese Magdalena mußte die sämmrliche Hausgenossenschaft an Sabbaten und andern jüdischen Festtagen M i gdolena nennen: weil an diesem Tage am Schlüsse de- Tischgebetes anstatt deüblichen magdil. mijjdol gesprochen wird. Allgemeine Zeitung der Zudenkbum». No. 12. 18*>2. Leitende Artikel: An Le. Exrellen; den Minister der geistlichen und Utuerrichlsanzelegenbetten. Herr v. Beibman- Hollweg. — Perhantlangen de« preußischen Abgeordnetenhauses über die Anstellung der Juden al» Lehrer an öffentlichen Schulen- — Literarischer Wochenbericht. AeitungsnaHrichten: Deutschland: Aur Bayern. Preußen: Magdeburg, CalliS, Münster. C esterreichijcher Kaijerstaat: Au« Bödmen, au« Lüduagarn, Raab, Raab. Ztali.rv: Magdeburg- Ho ll and: Au« Holland. Nordamerika: Washington- Zu beziedea durch jeder Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vieneijährlich Thal». Beramwettlicher Rebacker» I. H. Luder. Verlag tsu Ban»gärt»er« Buchbanklnug in Leipzig. — £nd »o» <3. 8 rep fing in Leipzig.