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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 12 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
12 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem stekiesi Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. e. revt , n 4n»ft1 Bo» dieier ZeiULrift erscheint wSLnrili« ei« Rümmer. Prei« ve« Sahr- *-q t 4 /A .»vfnT 1 hfln 12 1862.1 gang« 1 Thlr. BieneMhri» 7 Rgr. »Ile vuchda»dl»«g». Postämter I il. LllNkÜ. 1. W* JHiI2U.J ±u» ±uv«»j und Aeit»»g«erprditio»e» nehmen Bestellungen an. ~ Rabbi Meir von Rothenburg*). Erzählung aus den letzten Zahrzehenden des 13. Jahrhunderts. I. Mitten durch den Schwarzwald und Odenwald, beide Gebirge von einander trennend, bricht der Neckar in seinem schlängelnden Laufe nach der fruchtbaren Ebne hinaus, in welcher ec sobald schon feine Gewässer den gewaltigen Wellen des Rheins vermischen muß. Au« dem Schoße finsterer Waldungen, die in der Zeit, in welche der merk« würdige Borgang, von welchem wir zu erzählen haben, fällt, an Umfang und Dichtigkeit des Bestandes den gegen« wäctigen weit üderlrafen, ja zum allergrößten Theile noch ganz und gar Urwald waren, gleitet der hellgrüne Fluß schlangenartig zwischen den Bergen hindurch, bespült hier und da das Ufer eine« lieblichen ThaleS, das sich breiter oder schmäler in die Berge hineingedrängt hat, und wo sich alsbald Städte und Dörfer gelagert halten wie wiederum vieler Berge Spitzen von Burgen und Schlössern gekrönt waren, schäumt dann wieder durch auseinandergerisseae Felswände, um kantige Klippen und Riffe, bis er zu ansehnlicher Breite sich dehnt und den Fuß sanfterer Berge und Hügel benetzt, die ihm den Ausgang zum Rheingau' nicht mehr erschweren und versperren. An diesem Neckar, in einer weniger wilden, vielmehr sanften und fruchtbaren Landschaft liegt die alte Stade Rothenburg, die nicht bessere und glanzvollere Tage gesehen, als noch die Grafen von Hohenberg ihr mächtiges Schwert über diese Gegend schwangen. Unweit der Stadt, die, wie alle damaligen Städte, mir Mauern, Wällen und Gräben umgeben war, lag die gewaltige Beste, in welcher das Geschlecht derer von Hohenberg residirte, und von der dieses den Namen hatte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts halten die Trafen von Hohenberg den Gipfel ihrer Macht und ihres Glanzes erreicht, denn Albrecht von Hohenberg war der. Schwager des römischen Königs Rudolph, ein treuer Anhänger desselben, mir ihm das Ansehen aber auch die Gefahren der Herrschaft theilend. Bei dem aufrührerischen Sinne, welcher in den großen Vasallen des römischen Reiches deutscher Zunge lebte und sie frühzeitig anrrieb, sich unabhängig zu machen von Kaiser und Reich, hatten diese, wenn sie nicht auf den Gefilden *) Die Grundziige dieser Erzählung sind völlig geschichtlich, s. vr. Wiener, Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland während de« Mittelalters. Hannover 1862. S- X. Jtallens ihre Kräfte vergeudeten, immerfort äegm die Großen d«S Reichs zu kämpfen, und von ihrer Wahl dis zu ihrem Tod« verfloß kein Jahr, wo nicht dergleichen Fehden den Boden Deutschlands mit dem BlHe feiner Söhne tränkten. In den Jahren 1283 und N6 hatte der wilde Graf Eberhard von Wirtemberg den König« Rudolph den Gehorsam aufgesagt, und es koste« diesem die gewaltigsten Anstrengungen, um den mächtige» Gegner im Zaum zu halten, wobei dem Ersteren sein < Schwager alS nächster Nachbar des wirremberger Grafen »ülfreiche Hand lieh. In der Stadt Rothenburg hatte sich damals e ne ziemlich große Gemeinde ' von Juden ansasiig gem icht und hier vielfachen Schutz gebossen. Nicht daß der Höbet von Rothenburg weniger geneigt gewesen wäre, bei der > geringsten Veranlassung über die wehrlose Schaar herzufalle! i; nicht baß die dortigen Geistlichen es an Anreizun jen und Hetzereien.gegen das Häuflein hatten fehlen lassen welches allen Drohungen, und Verfolgungen, allen Ver ockungen und Belohnungen widerstand und sich ihrer GlavbenÄerrschaft nicht unterwarf — aber die Grafen von Hohenverg fanden in den Juden zu oft die Hülfsquellen, im ihrem erschöpften Schatze eine neue Fluch zuzuführen, al-'daß sie dies« sich nicht durch den kräftigsten Schutz zu erhalten gesucht hätten. Sie statteten daher ihre Juden m t günstigen Privilegien aus, l«c Graf Albrecht kaufte sie sogar seinem königlichen Schwager, dem alle Juden als „ jtammerknechte des römischen Reichs" unterchan waren, zu „eigenen Leuten" ab, und erließ die strengsten Gebote, ihnm innerhalb der Grenzen seinekleinen Staate- Nichts zu Leide zu thun.' Daher dlühere die Gemeinde zu Rochen >urg auf, wurde zur Zufluchtsstätte so manches Flüchtlings der mit schwerem Gelbe dem Grafen die Sicherheit fein - Lebens und Eigenthums abfoste, und sie hatte daher seii Jahren, theilS zur höchsten Befriedigung ihrer religiösen B dürfnisse, theilS um sich einen großen Namen zu schaffen »nrer detl^- Gemeinden Israels dis über die Grenzen des Reiches hinaus, einen hochgelehrten Rabbi gewählt, Ral bi Melev auS WormS. Dieser hatte denn auch all« ihre Er» »artungm übertroffen, seine große Gelehrsamkeit, sein unge» »ähnlicher Scharfsinn war von einer seltenen Gewandtheit d s Geistes begleitet, die ihn befähigte, nicht blos in den ver» »orrensten religiösen Fragen, wo Gesetz und Leben widerstr irend auf einander stießen, eine befriedigende Lösung und Au Gleichung zu finden, sondem auch in den weltlichen Hän>eln, die sich oft so drohend. über feine Glaubensbrüder ergossen, einen rettenden Ausweg »achzüweisen und zu eröffnen.

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