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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 5 (1862) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
5 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 — t in die Tiefe derselben. Ich blicke hinein, und o Schauer beb Tod.s! U ifer zweiter Lohn. mir o.n kalken Flurhen ringend, streckt mir seme vnnochen entgegen. Ich will mich in die Eislerne stürzen, ihn dem seiaoliyen Slemenie entreißen, aber »ch fahle meme Knie von den Armen viese< Weide» umfaßt, oa< auf die Kme gesunken mir sterbendem Blicke zu mir hinaufschaueno mir flehentlicher Stimme ruft: Gedärmen'! Ecoarmen! Lange giauvre ich noch den Ton dieser Srimme zu vernehmen durch bas Gewicr dieser gräßlichen Bilder, die unaufhörlich mein Gehirn durchkreuzten." „Al» «ch slöyn/nd erwachte, sah ich Dich an meiner Seite bei meinem Schmerzenslager kniend, mir den Angstschweiß von der L tica trockneao". Nachdem Rachel oiegesprochen, sank sie erschöpft vom Umdrucke der Erinnerung aus» Lager zurück, da» Gesicht mir Velden Händen verhüllend. Mir ange'ialkenem Athem und scheuem Blicke war Schalum dem Ginge der Erzäylung gefolgt; mir immer höher wachsender Spannung der Seele dorre er die Detail« dieses schauerlichen Bilde», da« ihm wie eine göttliche Dision erschien, die ihm Aufschluß über fern fandhafte» Leben geben sollte. — Er saß wie ein Verbrecher vor seinem höhern Nicht,r; tieferschüttert fand er k.ia Wörtchen de» Trostes. Nach einigen Minuten richtete sich da« Weid wieder auf, und indem sie eine Anstrengung machte ruhig zu sein, sagte sie, gleichsam im mnern Zwiegespräche mit sich selbst: „Wenn ich diese D.sion in meiner Aieserglulh mit dem gewaltsamen Tode meiner beiden Kinder in Zusammenhang dringe, so will es mir dünken, daß hier ein fürchterliche» Geh,imniß obwalten muffe, und dieses Weib. ist der Dämon, der mir meine Kinder raubt, der sich 'zwischen mich und meinen Mann gcworfen. — Sie hielt inne, ließ das Haupt auf die Brust sinken, und verlor sich in tiefe« Sinnen. ^Da vermochte sich Schalum nicht länger zu halten, erschütlevt^kl^en) innersten Tiefen seiner Seele, glaubte er den Zeirpunw^-rommen, in dem er ihr sein schuldbewußtes Herz erschl?eßeq/und den Entschluß mitlheilen könne, der in ihm zur Reife gediehen war. Er sank also vor seinem Weide auf die Knie, ihr seine Vergangenheit beichtend: „Ja, meine geliebte Rachel", rief er mir vor Wemem.halberstickter Stimme, „Du hast Recht, hier waltet wirtlich ein schreckliäieS Geheimniß ob, und Deine ahnende Seele trügt nicht. Ich bin der Schlilvvolle, der Verworfene, der über Dich Jammer auf Jammer gehäuft. Uederwälliglvon Deiner Anmuth, erfaßte mich, als ich Dich sah, eine unwiderstehlich« Liede zu Dir, und ich war so schwach, einen Eiddruch zu begehen an einem edlen Geschöpfe^ da« ich von einem unvermeidlichen Untergang« gerettet, indem ich e« au» einem Brunnen zog. Von dem ersten Eindruck, den dieses herrliche Mädchen auf mich gemacht, geblendet, schwor ich ihm Lieb« und Tprue zu. Mit der jugendlichen Gluth Wiefel, das damals vorüber raschelte, angerufen." Er hielt inne, zusammengedrschen von der schweren Wucht seiner eigenen Worte. — „Berauscht von Deiner gegenseitigen Liebe", fuhr er nach einer Weile fort, „verlor ich jed« Erinnerung an jene« unglückliche Mädchen, dis mich der Rächer der Uaschu'0 durch den entsetzlichen Tod unsere« ersten Kinde« an meinen schnöden Meineid fürchterlich mahnte. Ader ich wußte, wa« Du damal« littest; unendlich weh that e« meinem Herzen, zu wissen, daß ich die alleinige Ursache Deiner Leiden bin; ich hielt e« für meine heiligste Pflicht, Dih niDl zu verlassen zu einer Frist, da Du meiner tröstenden Liede denörhigt warst. — Ich ließ mich endlich vom Wahne bethören, daß, da der Sühne Genüge geschehen, Gott sich ferner gnädiger zeigen werde. — Der Tod unsere« zweiten Sohne« aber, und di« Mahnungen Deine« Herzen« haben mich zur Genüge überzeugt, daß hienieden kein Friede für ua« blühe, so lange ich nicht mein Gelübde gelöst." Er hielt hnr, nicht wagend zu seinem Weibe hinaufzublicken, auf welche« diese Entdeckung eine tief erschütternde Wirkung machte. Sie schien anfangs unter der Last ihrer Leiden «dermal« zu unterliegen. Ihr leichenblasse« Gesicht mit ihren beiden Händen bedeckend, schluchzte sie leise und zwischen den Fingern hindurch quollen jetzt heiße Thränen hervor. Nicht lang« aber dauerte die Schwäche diese« hohen weiblichen Wesen«. Nach einigen Minuten kehrte ihre ganze Energie zurück. Sie erhob sich von ihrem Sitze, und stand gefaßt und kalt wie eine Statue von Marmor gemeißelt vor Schalum. Jeder Tropfen Blut« schien au« ihrem Gesichte gewichen, nur ein leise« Beden ihrer Glieder gab kund, welche Mühe e« sie kostete, ihren zehrenden Schmerz niederzukämpfen, und sich aufrecht zu erhalten. „Wenn dem so ist", sagte sie mit fester Stimme, „so laß mich Dir zuerst da« Beispiel der Entsagung* geben. Du warst nie der meinige, da Du vor Gott und Deinem Gewissen einer Andern angehörtest; laß un« denn ein Band zerreißen, da« der Meineibund Treubruch geknüpft. Du kannst nach den Gesehen Mosi« und Israel« mich und Dich, frei machen; thue e«, und ziehe hin zu jenem Mädchen, da« Deiner vielleicht in Liebe und Treue harret. Vielleicht gelingt e« Dir, ein junge« Leben dem^Elende, der Verzweiflung zu entreißen! Dir sind vielleicht noch bessere Tage deschieden, ich aber, ich werde genug haben zu zehren an der Erinnerung meine« wie ein Traum vorübergerausch» ,cen Glücke«." — k Fortsetzung folgt.) Allgemeine Zeitung de»Judenthum«. No. 4. 1862- Leitende Artikel: Wider den Chassidismus. — Literarischer Wochenbericht. ZeitnngS-Nachrichten: Deutschland: Karlsruhe, Augsburg, Frankfurt am Main, Leipzig, Hamburg, Hamburg. Preußen: Berlin, Danzig. Oefierreichischer Kaiser« M mü'ni Vmräutt 7« f »«'-.«“• Sit Schw-i,- Zürich. T°rr-!p°nd-nzbaute auf meine Redlichkeit. Als ich aber Dich, Holde, sah, ^Slowitz. vergaß ich Alles, vergaß jene Schwüre, zu deren Zeugen l yy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung, wir den Brunnen, woraus ich bas Mädchen gezogen, das! Jährlich 3 Thalrr, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur St. Näb«. Verlag mb CanmfläxtBti '^Buchhandlung U Leipzig. — Druck von B. s rehsiug in Leipzig.

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