Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 5 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zar Lelehrung und Unterhaltung aus jüdischem steki HrrauSgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. - le. Mo. 5. 1862.] [9. Jahrs. 1. «total.] Joseph Süß Oppenheimer genannt I»d Käß. Boa Rechtsanwalt Vr. Ealm ia Berabnrg. Meine- Wissenzeigt undie Jüdische Geschichte nicht wieder da- Beispiel eine- Glaubensgenossen, der in kurzer Zeit zu so gewaltigem Ansehen gelangt wäre und feine Machtstellung zum Fluche de- Jüdischen Namenso arg gemißdraucht hätte, alda« de- Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß. „'Land-verderder, Teufel- Au-« wurf, Au-schaum au- Cocytu- Schlünden, de- Lande- Gift, der Bü^er Pest^ Vampyr, Bluthund, Schelm und Schinder, Raubvogel, Ungeheuer" — mit diese« und noch ärgeren Namen belegen ihn seine Zeitgenossen. Und mit vollem Recht«! In seinem, ganzen fluchwürdigen Leben finde ich nur «ine einzige erhebende Seite, seine Glauben-standhaftigkeit in den letzten Tagen. Einigermaßen findet sein Thun und Lassen Entschuldigung ia der Sittenverderbniß der damaligen Zeiten und in den traurigen Zuständen Würtembergin-besondere. Die letztem lassen sich in Kürze dahin schildern. Im Jahr« 1693 hatte Eberhard Ludwig während der Gefangenschaft seine- Oheim- und Vormunde- Friedrich Carl die Regierung angetreten. Ec richtete einen glänzenden Hofstaat »in, schuf eine stehende Militairmacht und mischte sich in auswärtige Händel, die dem verarmten Lande schwere Opfer kosteten. Im Jahre 1708 machte er die Bekanntschaft esner Christine Wilhelmine von Grävenitz, vermählte sie zum Scheine mit einem Grafen von Würben, ernannte sie zur Landhofmeisterin und gab sich und sein Land dieser Kreatur schonungslos Preis. Seine Maitresse, gemein, wollüstig, Hab- und spielfüchtig, hochmüthig und geizig, plünderte 20 Jahre hindurch den Würrembergtschea Staat, «mannte Marfchälle, Minister und Kammerherren, herlieh Orden und Würden, besetzte da« Ministerium mit ihren Creaturen und präsidirte diesem selbst, bestimmte nach unzähligen Derschweadungm ihrm fürstlichen Buhlen, gegen dessen Gemahlin sie sich in schamlo« verletzender Äpeise benahm und sogar de« Mordanschlags später aageklagt wurde, zur Erbauung de« Schlosse- und der Stadt Ludwig-burg, verlegte Residenz und Kanzleien zur größten Verwirrung der Lande-verwaltung dahin und bestärkte den Fürsten in seiner maßlosen Jagdlust. Wie die armen Uneerthanm hierunter gelitten haben, mag die eine Thatsache zeigen, baß ein einziger Winter 7000 Stück Rothwilb tödtete! Endlich söhnt sich Eberhard Ludwig mit sein r Gemahlin au- und verweist die v. Gravenitz — freilich tu chdem ihre Reize verblüht waren — von Hofe fort nach Urach. Da« fiel zusammen mit dem Tode feineeinzigen Sohn - und Erben Friedrich Ludwig. Nur 2 Jahre überlebte de: schwache Fürst sein Kind.' Er starb im Herbste 1733.. Gegen den Wunsch der protestantischen Lrndstände, welche für Heinrich Friedrich stimmten, bestieg Ca tl Alexander, der aupolitischen Gründen im Jahre 1712 zur katholischen Kirche übergetretea war, den Wüeteo iberischen Thron. Er war «ia schöner stattlicher Mann, kriegerisch, eia ausgezeichneter Feldherr seiner Zeit. Schon z u» 13ten Lebensjahre hatte er sich bei der Belagerung, der k dem bürg chervorgethan. Er detheiligte sich beim Spanischen Erbfolge« und beim Türkenkriege uüd zeichnete sich hkerb i so au-, daß er zum Oesterreichischm Feldmarschall, zum 8 ltker vom goldmen Vliesse und Statthalter von Belgrad und Serbien ernannt wurde. Sein« Gemahlin war ei!« Fürstin von Thum und Taxi-, mit welcher er fünf Söhne und eine Tochter zeugte. Bei allem gutm Willm fehlt! eihm an Beharrlichkeit, und wir werdm bald sehen, wie er und sein Land unter die volle Botmäßigkeit de- Jo «pH Süß kamen.-— — Christoph David Bernard, Professor zu Tü »lagm, ia seinem „Ausführlichen Di-curüber die 3 le |tra Tage deunglücklichen Süß" (Tübingen 1738) erzählt Folgendeüber die Eltern de- Suß: „Anno 1712, alich au- England kamj und^aach Schwaldach ging (Bernard war früher Rabbiners btgegaete mir eine Bande Judm, die durch Singm bet Ehristm und Juden ihr Brot suchten. Sie fangen so übermschön, daß sie selbst der Herzog von Wolfenbüttel reich heschenkt«. Der vomehmste unter ihnm hieß Sü-kind, er war Di-- cantist und Schwiegersohn deberühmtm Chasai Salmele au- Frankfirrt am Main und zu Oppenheim giboren. Ein Sohn diesegutm Tonmeisterwar I, seph. Er wurde 1692 zu Heidelberg geboren. Seine 3 kutter soll von wunderbarer Schönheit gewesm sein. Dei kaiserliche Feldmarschall von Heyd-r-dorff galt damalall] «mein alihr Galan und al-Vater unsereberüchtigten Helden.. So viel ist nachgewiesen, daß derselbe nicht von der Familie jener „Oppmhekmer" stammte,'welche damalkaiserliche Lieferanten und Facroren waren und zu Wien in hohem Ansehen standen: Joseph, in seiner Jugmd völl g vernach, lässigt, trieb sich später, vom Hausirhandel und vardiergeschäft« — richtiger „Zwickgeschäfte" lebend, in Deut chland und Holland, besonderia Pkag, Wien und Amsterd« m umher,