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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 2 (1862) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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servirten Darin mrbrm Ladendiener, was zumal in den kleineren Städten Algeriens zu den.Hellenen Ausnahmen gehört.^ Die Juden in der bayer'schen Pfalz. » In der höchst inkereffanten Schrift: „Die Pfälzer, ein rheinisches Volksbild von W. Ä. Riehl. Stuttgart . 1807" giebl der, zwar nicht gerade von Judenhaß, aber doch von starker Antipathie beherrschte Verfasser folgende Schilderung (S. 375.). 1 In der bayer'schen Rheinpfal; ist von je. 37' diS 40! Menschen' Einer mosaischen Glaubens, im Canron Grünstadt sogar Einer unter Dreizehn, und «m Dorfe Steindach bei Waldmoor nahezu Einer unter Dreien. Es ist; ein Wahrzeichen des Landes, daß die Dogesenkelte hier einen „Mosesberg" har, und dazu ein „Mostskhal" und einen „Mosesbruch"!— drei Punkte, drein einem wahren; orographischen Gheltowinkel liegen, in der Wüste, nicht im gelobten Land, am Saum der Fraukenweide, des rau-! Kesten und' dorfäemsten Gebirgsrückens. AlS die Ltadt : Ludwigshafen noch keine Kirche, keinen Kirchhof und kein Straßenpflasier gehabt, haue sie doch schon eine „Juden- ■ gaffe" — auf dem Eiadkplan wenigstens. Bekanntlich waven schon im Mittelaller die Städte des Dderrheins stark, ja bis zum Uebermaß von Juden bevölkert. Man schlug sie tobt, nicht bloS aus religiösem Fanatismus, sondern gewiß auch auf Grund einer ganz , naiven Bevölkerungspolitik, damit die deutsche Bevölkerung f in der enggeschloffenen Stadt nicht gar erdrückt werde von! der semitischen. Iw Landau waren noch im vierzehnren Jahrhundert die Juden so zahlreich. und mächtig, daß sie sich bei der Judenverfolgung von 1349 zur Wehr setzten und alle Angriffe kräftig zurückwiefen. Erst später gelang ihre Austreibung. Gleich den Mer noniten haben sich auch die Juden in neuerer Zeit immer ebenmäßiger über bgs ganze Land ver- Jm Jahr I 800 gab es auf dem Gebiet von drei gar keine Juden, und in vier Cantonen wohnten merßiger als hunoert» heule leben Juden in jedem Canron,. mv nur die Canlone Landstuhl und noch eine auffallend niedrige Judenbreitet. der heutigen Cantvn Neuhornbach! Haben Wir stoßen hier setz des Volkslebens. auf ein für unser« Zeit wichtiges Ge- Jn der alten Kurpfal; wird es am AuSgang des Mittelalters als eine der ersten Spuren einer Landesverfassung angesehen, daß der Kurfürst beim Regierungsantritt u«rer anderem beschwören mußte, keine Juden im Lande zu dulden. Dagegen waren die Juden in angrenzenden und emgeschloffenen geistlichen und weltlichen Herrschaftsgebiets um so maffenhafrer auf engen Raum zusammengepreßt. Wo man aber verschiedenartige Volksgruppen äußerlich getrennt nebeneinander hält, da drangen sie nach gegenseitiger Ausbreitung und Ausgleichung wie warme und kalte Luft, die sich berührk. Fällt die Schranke, da«« folgt der zurückgehaltene Theil dem Naturgesetz der Wiederherstellung des Gleichgewichts, und ergießt sich in das geöffnete Land, dis jeine annähernd ebenmäßige Ausbreitung hergestellt ist. In unserer Zeit wird fast alle friedliche Volksbewegung bestimmt durch die Arbeit. Um der Religion, um des Stammes willen läßt sich selten mehr jemano an einem Punkt zuruckhallen, der anderswo ein lohnenderes Felo feines Schaffens erblickt. So sirömlen auch die Juden über die ganze Pfalz, wo ihnen die kleinbäuerlichen und kleinstädtischen Verhältnisse ganz besonders zusagten, und obgleich einzelne weiland kurpfälzische Armier noch immer eine minder Hobe Judenziffer haben als ihre früher anderherclsche Nachbarschaft, so zählt doch Rheindayern als Ganzes zu den juoenreichsten deutschen Ländern, und dieser Prozeß der ausgteichenven Volksströmung ,,l seit der französischen Revolution dis auf diesen Tag in stetigem Fortschrei/en begriffen. Die Judenfchafc wuchs sogar relativ stärker als die christliche Bevölkerung. Sie har sich hier in unferm Jahrhundert mehr als verdoppelt, wahrend die GesammtvolkSzahl noch weitaus nicht auf das Doppelte gc» stiegen ist. Sicherlich aus volkswirthschaftlichen Gründen. Der kleine Bauer, dem alles Geld aus den fänden läuft, wandert aus; der klein« und große Jude, der dieses Geld auffängr, bleibt natürlich da. (Schluß folgt) Anekdoten. Ein- und Ansbrechen. In einer mitteldeutschen Stadt war ein Mann sehr in die Hohe gekommen, von dem das Gerede ging, daß cc früher ein sehr unsauberes Handwerk getrieocn hatte. Er baute einen sehr großen Kaufladen, und ahmte die zur Zeit Mode werdende Einrichtung nach, ein großes Schaufenster an dem Laden anzudringen. „Wie sich doch alles in der Welt ändert," bemerkte M. W. „Früher brach dieser Mann ein, jetzt bricht er aus." Als man im Jahre 1817. zum Arrangement des neuen Tempels zu Hamburg und zur Besoldung des nun emeriticeten Predigers I)r. Kleye eine Subscriplionsliste in Circularion setzte, wurde auch Gans beansprucht, seinen jährlichen Beitrag zu zeichnen. „Sonderbar," envieberte Gans, „muß mir die umgekehrte Aufforderung Vorkommen; denn währendman allgemein die Gans mit Kleie unterhalt, will man denn jetzt den Klei mit Gans ernähren? — Ättgemvine Zeitung des Judenlhums. Ro. 1. Leit-ende Artikel: Wider die -vroteftanrische Üirchen» zeitung Ro. 46. 1. — Pariser Briefe- IX. — Virerarischer Wochen« berichr. ZeitnngS-N achrichten: Deur scb l a n d: Aus Württemberg, Kassel, Mannheim, auS dem Großherzogthum Baden, Hamburg- Oesterreichifcher Kaiserstaal: Wien, Wien, Wien. Die Schwei;: AuS dem Aargau. Rußland: Warschau. Zu beziehen dnrck jedes Postamtund jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thalcr. Verantwortlicher Redakteur St. Räb«. Vnlag mb?aBMgättner'« t)u&$atiHang in Lcipjiz. — DrBck von S. » t ctj ji ng in Leipzig.

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