Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Vvlksblatt. Zur Reseheung und Anteehattung aus jüdischem Hebzete. Herall-grgeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Psou in Magdeburg. rfv* Ck i n /»ci 1 vo» dieser AettMift «schein, »SchaUIich eine Stummer. Prri« de» I«h,« r/i ■< 1 Mo. 2. 1862.] 1 3ÄÄS?SC: Ww“ l9vmm'i Plaudereien. Wiruer. — Lcr fünfzig Jahren. — Leclüre — Die Insel der Buckeligen. Wir haben, lieber Leser, in voriger Nummer einige ernste Worte über den eingerretenrn Winter zu Dir gesprochen, und es will uns b.bünken, daß wir dafür auch einige« Leichtere und Freundlichere schuldig seien. Wissen wir doch, daß da« rauhe Antlitz veS WmrerS auch seme lichten, wasserdlauea Augen 5«»,. sein Bart nicht immer voll Eiszapfen hangt, und sein Mund auch recht wohl zu lächeln versteht. Wenn der Abend kommt, und in dem wotzlburchheizrcn Zimmer die Glieder der Kch-nilie sich versammeln, und zum Spiel ober zur Lektüre gegriffen wird, und es wohnt nur der Friede im Hause und in all' den Herzen schlagt nur der Pulsschlag der Liede; so zieht eS schon köstliche Stunden, deren R«z mit den Reizen einer sommerlichen Natur wohl zu wetteifern vermag, und wenn auch das nicht ganz, doch fein volles Recht har, auf Würdigung Anspruch zu machen. Die Leclüre! Wer jetzt die Menge der Bücher und Zeitschriften, die Mannigfaltigkeit der das Jureresse des großen Publikums berührenden Gegenstände, die Füll« beS Guten und Tüchtigen, die sich auf unsren Lefetischen zu aller Zeit vorstnden, mit dem vergleicht, »vaS vor fünfzig Jahren hiervon zu Gebote stand, würde de« Erstaunen« nicht Herr werden. Die Bibliothek eine« Kinde« jetzt faßt mehr Bande, als damals «ine nach Lectüre begierige Familie eigen hatte. Und« doch ist das jetzige Männer - und Frauengeschlechl dacau« hervorgegangea, und welche werden die wirklichen Vorzüge der gegeawäeligen Jugend sein, wenn sie in unser Älter getreten fein »itö# . . . Man besaß damals wenig Bücher und in den gewöhnlichen Kreisen gar keine Zeitschriften, aber was man besaß, da« wurde wieder und immer wieder gelesen, un» prägte sich hierdurch in unverlöschlicher Weise dem Geistt ein, wohingegen die Menge der Bücher jetzt eine Flüchtig' keit der Leclüre bewirkt, die jedenfalls schadet. Oer Gau-, men wird zu frühzeitig überreizt un) gar adgestumpft- Jn einer Stade von etwa 10,<HK> Einwohnern, obschon Residenz eines kleinen deutschen Fürsten, in einer Familie, die frühzeitig Hang für geistige Beschäftigung harre, ohne gerade in glanzenden Verhältnissen zu sein, und noch dazu« von unsren Glaubensgenossen — da waren ein Dutzeno Bücher schon eine bedeutende Sammlung. Man denke, dai» Stab nicht eine einzige politische Zeitung gab es wohl noch dreißig Jahre später in dieser mal wöchentlich, am Dienstag und am Freitag Fußbole aus einer viel kleineren fünf Smadeu Stadt und brachte den „Z.... er Courirj" eia aur ben Qurttvogen bestehendes Blatt, dem am Di ein halber Quarrdogen „der Wiedererzähler" war, jenes vertrat die potitische, diesedie Presse. Von. jenem Halden Quartbogen warn nur ungefähr zwei Spalten der Politik gewidmet «gen Thctl nahmen Localanzeigen ein, und t nicht aus, so halfen die beliebten „vermischten 9 aus, alle möglichen Raub- und Morvgeschichtea schlänge und andre Enten. Diewar der g aus welchem die politische Wei-Heit der ganzen iJnb welche der Kannegießer«, die auch damals fehlte, den Stoff bardor. Wae ich doch wohl Jahre alt, und gewiß bereits sieden dis acht I Kunst beS Leseneingeweiht, bevor ich diesin zu Fuß wandelnden Courier empfing, um a nervenerschürrernde» Schilderungen der Grausamkesi dir Türken an den Griechen damals verüben von grgearbeiligen Uarhatea war nie die Rebe lauschen. Die Kannibalen hängten, spießten, verbrannten jede Woche so viel« griechische MädcheÄ, oaß man sich in der nächste» nur wunt daß für ihren mörderische» Appeal immer no übrig ge »liebe». Wirklich konnte ich längft scho griechisch! Geschichte a» den Fingern herzählen, mir dies m Griechen aufstaab, in die Hallen der Welt eitlrak. Ja, ich verließ dieselben fogai Verlasse,; meiner Vaterstadt wieder, da der geda^ über da! Weichbild derselben nicht hinaüskam mit der Julirevolution von 1830, da ich bereis Universität weilte, erwachte dag politische- Le und zahllosen Alree-genoffea, um ein so bedeut »nenl des ganzen gesellschaftlichen Lebenzu we man nun gegenwärtig Knaben von zehn Iah Spalten der .^Kölnischen Zeitung," „Natimmtzok „Presse" u. bergt, eiftigft gebeugt, und begierig igkeilen aus allen Weltgegenden zusammenlesen, mir ernster Miene polirifih, Urchetle fälle« —- die koSmopolirifche Erziehung unserer Jugend läugneni Weil man nun vor fünfzig Jahren weni, besaß, so hatte man auch krme Auswahl, m las wieder, waman unter die Hand bekam; Ki als, und t. Zwei- , kam ein entfernten einem balinstag noch deigegeben dselletristische übrigenden übeichten diese qachrichten" die See» rioße Quell, Stabt floß nicht ganz schon zwölf ihre in di« bescheidenen ihm die iten, welche sollten — — zu ergten und aden und im mußre^ so viele Du ganze bevor ich polinfchen mit dem re Courier und erst - auf der in mir imrs Eiert. Sieht über die ung," der die Neowohl auch man kan» uicht weguS s" de» rtr nn er Bücher l.tS und isian borgte aa