Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999374-6026458--2061-4910495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
auf die für Sprechende wenig hörbare Unterscheidung, schon auf der schule fei er so genannt worden, schon auf der Universität Hab« ec sich so geschrieben, gleichviel! er soll des Bakers Namen unverändert führen, selbst wenn dieser aus Unwiffenheir des DalerS als ein incoccectec sich darsielle. Ec wendet sich hierauf .an den - König. Der König liest die Bittschrift und sagt, der Mann habe Recht, er führe den Namen einmal, führe ihn mir Ehren, und es sei eine nutzlose Schmach, daß er ihn jetzr noch andern solle. Der König fordert eine Feder, die Bewilligung sogleich auf das Blatt anjuschreiben. Die Feder taugt nichts, kleckst, er wirft sie weg, fordert eine andere. Während er diese in der Hand halt, spricht er Einiges mit dem Cadinetsrarh, ein Adjutant kommt etwas;u melden, der König spricht auch mit ihm, wird in seiner Stimmung verändert, gedenkt endlich der Bittschrift wieder, ruft verdrießlich aus: „Ei was,?-der verdammte Jude soll heißen, wie es ihm vorgeschriebe« ist," und schlägt das Gesuch ab. — Die Sache muß kürzlich geschehen sein; die Erzählung soll vom Minister des Znnern Grafen von Arnim Herkommen." Anekdoten. Wie ein Narr curirl wird- Ein junger Mann, Sohn achtbarer und wohlhabender Elrern, nährte den Wahn, ec sei ein Hahn! kletterte gleich diesem auf Leitern, Stühlen, Bänken u. f. w., ahmte tauschend den Flügelschlag der Hahne mir den Händen nach, und ließ dann sein „Kikkerleki" recht weidlich erschallen. Die Eltern, erschreckt und besorgt ob des Wahns ihres Sohns und desien gänzlicher Jsolirtheit, hielten häufige Berarhschlagungen mir Aerzten und vernünftigen Leuten, nahmen deren Ratschläge entgegen, wendeten diese, soweit es anging, an, aber leider Alle« ohne Erfolg. — Endlich kamen sie auf den Gedanken, einen Preis für denjenigen zu bestimmen, der ihren Sohn von fernem Uebel heilen könnte. Der bekannte. L. Polack meldet sich und bedingt sich für eine unbestimmte Zeit Wohnung, Kost, Honorar, überhaupt Zustimmung und Machtvollkommenheit der Elrern in feinem Beginnen zur Heilung des Seelenkranken. Der Witzling nahm feine Wohnung im Zimmer des Irren, speiste, kletterte mir ihm, stimmte indessen nachgeahmten Flügelschlag und „Kickerleki" «in, und so krähten dieselben nach Herzenslust und Laune. Die betrübten Eltern, dieses vernehmend, klagten Thranenschluchzend: „daß sich Gott erbarme, jetzt haben wir statt eins zwei Narren im Hause. WaS will, was wird das geben i! Eie suchten Rücksprache mit Polack zu halten, konnten aber dessen Absichten nicht erfahren. „Ihr," sprach er, „habt mir Zutrauen geschenkt, habet mir aufnicht bestimmte Zeit Machtvollkommenheit gegeben, meinen Plan zu verfolgen. -Lasser mich gewähren, fügt euch in Geduld und Alles wird gut gehen." Vertrauend der PanaceedeS^ Polack, warteten sie ruhig den Erfolg ab. Polack begab sich zu seinem Patienten, krähte mit ihm nach Herzenslust, doch plötzlich einhaltend, nahm er eine bedeutende Miene an, und sagte zu dem Irren „Stuß bei Seite! Weißt Du denn nicht, daß es bald auf Jom Kippur geht, da werden Kapores (Hähne und Hühner an Stelle der ehemaligen Opfer) geschlachtet. — Fahren wir mit unserm Krähen fort, so ist es um uns geschehen, wir werden geschlachtet und aus ist «S mit uns^ Drum, Bruder, fasse mit mir den festen Locfatz nicht mehr zu krähen, dann werden wir vom Tode errettet. Der Irre, dieses einsehend, folgte dem Ratbe und sprach: „wahrhaftig. Du hast Recht, wir wollen nicht mehr krähen. „Die Eltern, diese glücklich ausgefallene Cur merkend, reichten düs verabredete Honorar an^olack. Ob aber die Cur andauernd und stichhaltig war, weiß ich nicht zu sagen. WaS Gott khuk. ist wohlgethaii. Von dem weltberühmten M. Mendelssohn, der bekanntlich buckelig war, soll folgende treffende und witzige Antwort herrühren. Einst hielt M. wahrscheinlich den ihm (Bikure Hairim Jahrgang 3. S. 88) zugeschriebcnen hebräischen Vortrag. „Ueber die Leiden" oder: „Was Gott thut, ist wohlgcthan oder wohlgemacht." Ein witziger, ebenfalls buckliger Schneider, der zum Auditorium gehörte, fragte Herrn M. beim Weggehen: „Werthec Herr M., sehen Sie auf unsere beiderseitigen Figuren, (er deutete auf ihre Höcker hin) sind die auch wohlgethan, sind die auch wohlgemacht? „Für Buckel" ccwiedertedec; zufriedene Weise, „sind wir wohlgemacht!" — Drohung. Eine jüdische Schlächterfrau von sehr beschranktem Geiste holte einst aus einem Dorfe ein Kälbchen. Auf ihrem Rückwege stieg ein heftiges Gewitter.auf, und der Blitz töbtete — ihr Kälbchen. Zufrieden, daß sie verschont wurde, ergab sie sich ihrem Schicksale. Doch nach einiger Zeit erforderte es der Geschäftsgang, und sie mußte abermals eia Kälbchen auS einem ihr benachbarten Dorfe heimbcingm. Ein heftiges Gewitter, mit Donner, Regen und Blitz begleitet, verschonte sie auch diesmal nicht, und sie erhob halb drohend, halb bittend ihren Blick nach Oben und rief: „Witterst Du schon wieder ein Kälbchen! —" Allgemeine Zeitung des Judenthums. No..52. 1861. Leitende Artikel: Zum Schlüsse de» 2)sten Jahrgangs dieser Zeitung. — Zum eilsren Mar; 1662. — Russisch-jüdische Zustande. — (Schluß.) — Die israelilische Bibel-Anstalt. Zeitungs-Nachrichten: Preußern Waldenburg, Berlin, Berlin. Berlin, Schönlanke, Halberstadt, aus der Mark. Frankreich: Riom. - Itali en: Aus Oberitalien. Rußland: Warschau. __ jy Zu beziehen dnrch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur Ä. Nabe. Verlag md SavmgärtBet'* vllchhalltlllllg iu Leipzig. — Druck voll &. Sreyfillg in Leipzig.