Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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4 Jüdisches BolkMatt Zur / 35efc0nifU] unfi Hiiteröaftunij auf jüdischem #e6i|ele. HerairSgegebeu von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Pso» in Magdeburg. rn> 4 i Bra biefer >tritf<brijt crifeint KäfecKtiut eine Himmer. Preis de» Ickbs« cm * * W _< .-i liJU).!• IoOä* l 2btr. jBimeljafrriS \ K *jr. Alle Puch>anU»ngen. Po--»»er l»f. LLUkg. 1. VULriHi.I lvv *J and A»ttn««er»ebitwnen nebmeu AeSellunaeu au. I. « <s 2>, r* J asb A«tlnng«en>ebMvaeU nehmen Äe-ellungeu an. Mache Dir keine — Gedanken! Es ist Winter worden. Auch der Tag, welcher im Kalender als der erste Winlertag bezeichnet ist> ging vorüber. Zwar har er die ganze Gewalt der eisigen' Jahreszeit noch nicht mir sied gebracht. Der Novemberschnee ist schnell wieder geschmolzen. Noch fallt der Regen herab und der Nebel näßt als feuchter Dunst über der Erbe. Aber wie sänge noch? Ausbleiben wird der fchveidendc Nordwind darum nicht; Boden, und Strome wecvrn gefrieren, und die Tannen des WakbeS EiSnadeln statt der grünen herabschütteln, und weil er so lange gezögert, feine rauhe Schwingen über Land auszudreilen, so wird er um desto länger darin verweilen; er wird uns die. Aprilfchauem noch in Schnee und Reif verwandeln, die junge Saat und di« Baumknofpen in den kalten Nächten verderben, daß Hie-Sttzßtzel» tttnpp. GqßeL.tzurch.dle verkümmerte «Nd durch V>i« schädlichen EmMsse.aüf unsere- Gesti«H»K / uns noch das ganze Jahr hindurch fühlbar fern werden. Durch die lange Hemmung der Schifffahrt werden die Geschäfte stocken, -Noch und Elend werden wieder tiefer in die. schmachtenden Herzen der Menschen greifen . . . mach« Dir doch keine 'Gedanken, Mensch! Spinne Deine Befürchtungen nicht fort und fort selbst auS den unscheinbarsten Knoten hexauS; male Die die Zukunft nicht so schwarz auS, selbst wo die Gegenwart die Farben nur gleichgültig gemischt hat. Wisse, daß auch die Zukunft Guttö wir BöftS, Leichtes wie Schweres, Helles wie j Dunkles bringt; auch die Zukunft wirb Dir Wunden schlagen, aber schon vorher Heilmittel bereiter haben; warum willst Du jene schon jetzt empfinden, wo sie Dich noch nicht betroffen haben, sie voräuSahnen, wo noch gar keine Gewißheit eingetreten? Mache Dir keine Gedanken über die Zukunft und fei nicht kleingläubig. Der den Winter wie den Sommer, den Frühling wie den Herbst geordnet, wird bringen und wezföhren feiner Zeit, wie es feinem Rarhe entspringt ... ES ist Winter worden auch schon an meiner Person. Der Schnee ist mir auf's Haupt gefallen, wenigstens schon in einzelnen Flocken, und in das Herz gerathen, daß ich es wohl empfinde. Die Kräfte des Leibes sind nicht mehr wie vordem, und der Pendel meines Geistes, hebt und senkt 1 sich ln trägeren Schwingungen. In der Nacht llege ich oft schlaflos, und man weiß, was eine solche Rächt zu bedeuten hat. Die Augen stehen offen, und sehen doch nichts al- Dunkelheit. AuS jedem Winkel steigt die Sorge herauf und macht dir Fknsterniß noch finsterer, und breitet ihre Schleier übcr das ganze Leben aus. Wie wird das werden? Der Erwerb geht o»nbar rückwärts, wahrend die Bedürfnisse der. Familie fl» immerfort steigern. Unmöglich kann ich das so fortfährenl untz dSck», wo sollen Ersparnisse eimrrten? We^e ich' «nichtmein ganzes, mühsam erworbenes Vermögen zufetzsn? Mein Credit wird finken, man wird mich drängen ur lt mir alle HülfSmittel entziehen. Und hockt dies allein tragen; ich kann meiner kränkeinden^Fr.'lumchrS davon mit-, theilen. Ha, das war ein Stich mitten dur«^ da» Hnrz . . . kränkelnd . . . wenn nur da» dis jetzt t »gefährliche Uebel sich tzjcht;um unheilbaren Schade« e«tt »tckelt. . . weh mir und meinen Kindern, wenn vergleich n geschähe.! Und ja, diese Kinder erregen mir viel Besorgtiß. A. ist trotz vieler trefflichen Anlagen so unpraktisch, daß mir sein Fortkommen äußerst zweifelhaft scheint; bei mm spieUgen *. wäUt** Ernst. >»»ch»»d«chh,,chm. ual m fatf-O. läßt mich befürchtendaß ffre rtnm schwächlich wK-rpir behalten, aber ihren Eigensinn verstärken werde; und die andem Drei sind noch zu klein und unenrwicke! t, und wmn ich immer, älter und schwächer ursd ihre D utter immer kränklicher'wird, waS soll mit und auS ihnen werden?! . . . Mach« Die doch keine Gedanken, Mensch! Siehe, Dein« Augen werden sich schließen zu einem, kräftigenden Schlummer, auch die längste Winkemacht gehr vorüber. Mir dem Morgen erhebst Du Dich, schi ttelst di« Schrecknisse der Nacht ab; bald ist der Tumul der Familie um Dich; Du eilst in, das Geschäft, Dein W nb in Küche, und HauS, Deine Kinder in die Schule m d zum Lehrherrn, und Mittag» versammelt Ihr Euch »m dt« dampfenden Schüsseln wieder; Dein Erwerb wi:d weiter gedeihen und Dich ernähren, wenn auch nicht reich machen, wa- Euch nicht uöthig; Dein Weib wird < iotl behüten, daß sie Dir gewahrer bleibt bi» zum hohen Greifenalteran Deineb Seite; Dein« Kinder werden erwach » zu Männern" und Frauen mit Vorzügen und Fehle, wie tyiat nun einmal nicht anders ist. Darum!mähe Die keine Gedanken, Mensch, über die Zukunft, und si. nicht kleingläubig. Du weißt nicht, was die Zukunft hingt? Wohl weißt Du e». Gaqz genau. Blick in iDeü e Bergöngenheit zurück,, und waS Dir.da auS der Epinae entgegen tritt, da» fei Dir auch aus Deiner Zuktrnfl ifknntzgisehen. Freud» werden komm» und Leiden,!u»d vorübergehen und andern wieder Platz machen. Du wirst nrrichen, «xrt Du «in Glück nennst, und nicht veenwidm. können, wa» Oic ein Mißgeschick bedeutet. Die Li»pe, »ie so oft gelächett, wird noch oft lächeln,, aber astS Lein» Augen,