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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 52 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
52 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Jüdisches Volksblatt. Jkfef) rung Zar und Unterhaltung auf jüdischen Heraasgegebeo von Gebiete. Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. tNo. 52. 18K1.t Bo» btefrr 3<it(dmft erscheint wSchenIIich eine Nummer. Prei» de« 2ahrgaug« t Thir. BierMjäyrig 7 X Ngr. Alle Buchdaadluuge», PoftLmrer uud Zeituug-expedillöue» nehme» Betzelluage» an. l«. akrg. 4. Quartal.]! Beweglich — beharrlich. Zum Schlüsse des 8. Jahrgangs. . Belehrende- und Unterhaltende« zu vereinigen, zu mischen, daeine in die Hülle deandern zu kleiden „golden« Frucht in silberner Schale" — das ist die Tendenz dieses. Blatte-. Wir wissen nicht, lieber Leser, wa- Du von beiden in folgenden Zeilen finden wirst. ES ist eine traurige Erscheinung, die ich schon seit vielen Jahrzehenden zu machen allzuviel Gelegenheit gehabt, daß Nicht« beweglicher ist. als der Besitzstand bei unseren Glaubensgenossen. Wenn man nach dreißig Jahren nachsieht, so bestehen mit wenigen Ausnahmen keine der ansehnlichen Hauser mehr, die damals Glanz und Füll« besaßen; anstatt ihrer gewahrt man eine Menge emporgekom» menerFamilien; die Kinderder Reichen sind heruntergesunken, wenn nicht völlig zu Grunde gegangen, wahrend di« vorhandenen,Reichen die Schöpfer ihrer GlückSumstänbr sind; welche vordem di« Herrschaft des Verkehrs im Großen oder Kleinen in Händen harten, ihre Söhne haben sie verloren, und die ihnen entfallenen Zügel wurden von Emporkömmlingen ergriffen und höher gehalten alje. Viel seltener findet man dies bei den christlichen Geschlechtern. Unter den adligen wie bürgerlichen findet man häufig die Vererbung der Glücksgürer durch Jahrhunderte; Familiennamen, nicht blos solche, die in den Geschichtsbüchern der Staaten, sondern auch in den Chroniken der Städte vor Jahrhunderten genannt werden, rrtten noch jetzt ehrenvoll hervor, und späte Enkel zeigen sich noch im Besitz dessen, was die Ahnen erworben. Ich weiß nicht, ob es auch in älteren Zeiten bei unseren Glaubensgenossen, und zwar in diesem Umfang, statt fand, dieser stete Wechsel zwischen oben unten, zwischen reich und arm; ich schreibe nicht gern der Vergangenheit darum Tugenden zu, weil sie der Neuzeit mangeln;, doch scheint es im Charakter unserer Zeit zu liegen, dies« Wandelbarkeit der Glücksumstände zu fördern, da die kühne Spekulation und der übermäßig« Luxus sich so verbreitet haben, daß jene Beweglichkeil auch außerhalb der jüdischen Kreise immer mehr heimisch wird. Diel verschuldet an gedachter Erscheinung allerdings der Umstgnv, daß die Juden meist dem Handelsstande angehören, in welchem nolhwendiger Weise Gewinn und Verlust alle , Tage sich ergehen. Allein Alles hängt davon nicht ad; denn man kennt Firmen, die ein Jahrhundert alt sind und noch immer floriren. Sondern es muß dabei auch Biele« von den Grundsätzen abhängen, die in Erziehung und Lebe» den Charakter dr» Hauses ausmachen. Es iß nicht zu verkennen, daß wir Juden eine viel leichtere Hand im Ausgeben haben, baß eine Reiguig, in unserer äußeren Erscheinung über unsere Berhältni Pf« hinauszugehen, des uns vorherrscht, so daß im-Hause eines emporgekommenen Reichen oder nur Begüterten solche Einrichtungen herrschen, daß' sie just nicht zur Befestigung und Mehrung des Besitzes beitragen. Kein,Lebensalter ist aber klüger als das« Kind, deshalb, selbst wenn dasselbe streng erzogen wlrd^ e« doch alsbald im und außer dem Hause von dem wirk-I lichen oder, vermeintlichen Reichrhume der Eltern hörtseine Stellung hiernach auffaßt, und weder in Schule oder im Leben einen Weg elnschlägt, der zu einem gedeihliche» Ziel« führt. ES ist gerade hierum, weshalb wir diepG Verhälmiß heute besprechen, nämlich daß die jüdischen Elt kern daS Gesagt« bedenken und beherzigen mögen. Aükhl hier sind bloße Worte von geringem Belange, sondern da« Beispiel Alle-. Sparsamkeit predigen und Knapphalten der Kinder hilft noch lange nicht; die ganze Einrichtung des Hauses, der ganze Lebenswandel der Eltern, die Haltung nach innen und -außen müssen dm Kindern .jede» Begriff von Opulenz benehmen. Dies wird nicht in allen,' aber doch in vielen Fällm heilsam wirken. Doch wir kommen hierauf ein ander Mal wieder zurück; wollten wir doch nur mir einem Finger auf das Bewegliche in unserm Kreisen hindeuten. Trotz allem dem ist der Grundzug des jüdischen Chat - rakteks da- Beharrlich,^ Wir brauchen, um diezi^ erweisen, nicht erst auf die große Geschichte unsere- Stam» me« hinzudmten, auf die Treue, die er feiner Aufgabe und seinem Ledenselement, der Religion, gemidmet hat, wie Gesetz, Sitte, Gebrauch durch alle Zeiten und alle Venen bei ihm conservttt wurden. Auch in sehr kleine» Zügen zeigte sich dies immer. Im Haufe einer meiner Verwandten, erinnere ich mich aumeiner Kindheit, bä»? fand sich eine Köchin, die seit 3l) Jahren im Dimst detk selben Hanse« stand. Vor so vielen Jahrm war das gu« Händele au« dem „gleich" eingewandert, ein 2Vjährige» frisches Kind, trat damals in da- Hauder Neuvermählten und führte di« Herrschaft des Kochlöffels ununterbrochm. Sie hatte di« Kinder des Haufes pflegen und erziehm geholfen, alle Freuden und Leiden mirgefreut und mirgelitM» und war freilich.-auf ihrem Gebiete mehr Gebieterin al» die Hausfrau selbst. Sie war jetzt alt gewordm, wen» auch die ruhige Bewegung in demselben Kreise von Pfliflt» ten und Arbeitm ihren Sinn noch ziemlich frisch erhtürrst. Es fehlte auch dem» guten Händele nicht an Anbeter», um so weniger, als fy sich eia zlerNliches Sümmchen ermatt i

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