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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 51 (1861) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
51 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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fUUrtftt Auftritte wurden die Erlednissr der jüngste i Lei : gangenheit in den Hintergrundseiner Seele g,dräng :, un > mit ihnen auch jenes Lichtbild der Jungfrau, das s, h AnfangS mit solch lebhaften Farben auf den Lordedgrmr derselben gemalt darre. Und alS er noch in der sonnenumglänzlen Behausung seiner Gastfceunde der Tochter.begegnete, die, strahlend in jugendlicher Fülle und schöner Grazie, umgeben vom Glanze des ReichrhumS, reizend durch, das reiche malerisch, Eastum, durch daS edle anstandSvolle Benehmen, das die Tochter der Residenz vor allen andern so vortheilhaft auSzeichnel, zu jenem gemüth- und poesiereichen aber in anspruchloser ländlicher Emfalr auferzogenen weiblichen Wesen m so grellem Gegensätze stand, mußte jenes bescheidene Veilchen vor dieser in allen Farben schimmernoen Rose daS ^)aupr tief beugen, und jenes mild strahlende Licht, daS dem Sterne, der'ihm in der Wüste aufgegangen war, entströmte, erlosch gar bald vor den blendenden Strahlen der neu aufgegangenen Sonne. Ader die Empsmoungcn der Leidenschaft, so heiß, so verzehrend sie auch in seinem Busen lobten, er mußte sie in den Schrein seiner Seele tief verschließen; die Sitte deS Orients gestattete keine Ännäyerung dejder Geschlechter, und wenn» auch Gelegenheit zu einem Geständnisse gesunden hätte, er wurde sich dennoch ni»r so weit vermessen haben; denn im Benehmen dieses Mädchens gegen ihn bemerkte ec zwei Gegensätze die er sich nicht enrräthseln konnte. Wahrend sie sich im Beisein ihrer Eltern stelS mit einiger Rücksicht gegen ihn benahm, ja während eS ihm sogar schien, in ihren leuchtenden dunkeln Augen einiges Wohlwollen zu gewahren, begegnete sie ihm ohne Zeugen mit adwehrender Kalte und zurückstoßendem Ernst. Durch die ganz« Zeit deS Festes verzehrte sich der junge.Mann in heimlicher Sehnsucht, bis er, nicht mehr im Stande seinen Gefühlen einen Damm zu setzen, seine ganze Seele der Mutter erschloß. Dieser war orese Mirthtilong höchst erwünscht; denn sie trug sich längst mit dem Wunsche, ihren Sohn mit der reizenden Tochter ihrer Jugendfreundin durch das Band der Eye zu vereinigen. Sie hatte au» manchen leichrhin hlngeworfenen Anspielungen der Letztern geschlossen, daß auch ihr dieser Wunsch am Herzen läge, und als eS endlich zwischen veroen Freundinnen .zur Sprache kam, entdeckte die Müller Schalmei» der Freundin, welche Leidenschaft ihr Sohn zu der Tochter gefaßt habe. Im Blumengarten stand eine gedeckte Tafel. Sobald die Wirthin des Hause« sich mir der Tochter naht,, nahmen alle Gäste Platz. Anfangs saßen die Tischgenossen stlUschweigenb.da, nach und nach löste jedoch der Wein ihre Zungen, und ein lebhaftes Gespräch entspann sich bald. Nur zwei Mitglieder schienen nichr gestimmt zu sein, daran Theil zu nehmen; eS war Schaium und die ihm gegrnübersitzende Rachel. Diese halte da« Zwiegespräch so aufgeregt, baß sie mir glühenden Wangen und gesenkten Blicken ganz in ihre Gefühle und Gedanken versenkt dasaß. Ihr Väuchte, e« wäke ihr erst jetzt ein Licht über da« Dunkel ihrer Gefirhle aufgegangen.- als wäre das Rärhfel ihres Herzen» erst jetzt gelöst. — Sir warf einen langen j forschenden Blick auf den Jüngling, und sie mußte sich > gestehen, daß die Mutter wahr gesprochen, sie mußte sich { sagen, daß er einen riefen bleibenden Eindruck auf sie gej macht und von diesem Bewußtsein eingeschüchtert, suchte sie seinen Blicken auSzuweichen. Dennoch konnte sie dem Jüngling nicht ganz die Bewegung ihre« Herzen« verbergen, und auch er glaubte zu erkennen, daß er der Jungfrau nicht gleichgültig geblieben. Nach langem heitern Genüsse wurde die Tafel aufgehoben, und nachdem alle Anwesenden sich gegenseitig die Hoffnung ausgesprochen, zum nächsten Feste sich fröhlich-avieder zu treffen, begab man sich zur Ruhe. , Der Eidbruch. Auch Schalum begab sich zur Ruhe. Das lichte Bild der reizenden Rachel war ihm in seine einsame Schlafkammer gefolgt. Holde Bilder umgaukelten seinen noch im Schlafe halbwachrn Geist. Sein aufgeregtes Blut spiegelte ihm all die Liebreize des herrlichen Mädchen« vor. Mit einem Male jedoch fühlt er feine Brust wie von Alpdrücken beengt; allgemach verschwinden die Lichtqcbilde seiner Phantasie, und andere Gestalten rauchen vor seinem Geiste auf. Ihm bäucht eS, -als stände er in einer sonnmdurchglühelen Einöde, umgeben von allen Schauern derselben. Auf dem heißen Sande kniet eine weibliche Gestalt, die, verklärt von einem Strahlenkränze großer Schönheit, ihm die Hände flehentlich entgegenstreckt. Alle Schrecken des Wahnsinnes malen sich in ihren riefvlauen Augen,'die, wirr und groß ihn anblickend, zu brechen scheinen von unendlichem Wehe, das an dem innersten Nerv ihres Seins zehrend nagt. — Dieser Anblick schnürt ibm die Brust zusammen. Ein nieempfunbenec Schmerz wühlt sich tief in seine Seele, und er macht eine Bewegung, diesem weiblichen Wesen, dessen Züge ihm wohlbekannt, zu Hülfe zu eilen, e» zu erfassen und mitleidsvoll an seine Brust ui ziehen; — aber eine zentnerschwere Last scheint ihm die Gliedmaßen zu fesseln, ec kann sich nicht, so sehr er sich auch anstrengt, bewegen. Plötzlich aber umhüllt sinsteres, gewitterschwangeres Gewölk diese Frauengestalt, baß sse seinen Blicken verschwindet; auS dem dunkeln SchoLe dieser Woltenmassen entladen sich zuckende Blitze. Ueber den weiten Flächenraum der Wüste schallet Donnergebcüll. Da«-krachende Rollen de» Donners jedoch wird überlönt von dem hellen Rufen einer menschlichen Stimm,; sein Ohr horcht auf, und was vernimmt ,«§ Die Schwüre, die er 'dieser Frauengeftalt einst gegeben. Er fühlt sein Blue zu Eis erstarren, wie ein Messerstich fährt ) in seine Brust, unb er erwacht von unsäglichem Schmerze^—^ und Angst aufgerüttelr. c-»iuz srigl.i Allgemeine Heilung des Judentbums. No. 5Q. IH+il- Leitende Artikel: Das Königtbum „von Gottes Gnaden." — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung S-R schlickten: Deutschland: Aus Bauern. LauphHn. au» dem Herzogihum Rafiau. Oesterreichifcher Mat< i^ftaak: Raab. Die Schwei;: Au» dem Aargau, -st. Gallen. Zürich. Nordamerika: Washington- Rußland: Warschau, Warschau. Odessa. LL" Zu beziehen dnrck jedes Postamr und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich \ Thaler Beranlwonlicher Redacteur St. Räbe. Vertag wn Vauragliriuer'» Buühuucluoz i» Leipzig. — Truck vo» G. Sreyfiogm Leipzig.

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