Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 51 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999360-6026456--2047-4910482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Bolksblatt. Zur 'Nelehrung und Anlerhallung uns jüdischem ffekie Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. rrti *> 4 i Ben dirier Zntickris« ersch^a« «öcknttlich rin« Nummer. Prn« de« Jabrv « u ,n 1 , ,-i >1*0. 01, lobl*l 1 Xblr. Bieneljä»^, 7'^ Rür. «lle «uchbaurtuoge». Peftümicr O Allnso. 4. OllllklLl.I L J und Zeiiung«erprd>»eneu atfcmnt Veftcklungru an. »~ J Die Zeugen der Liebe. Eine Erzählung nach dem Talmud von Leen MendelSburg in NowogrodwolinSk. (ftenjc&una.) Die Liebe und ihre Zeugen. Unvermerkt war unrerdeß der Abend über das im LiebeSraufch befangene Paar hereingebrochen. Die riefdunkele Bläue des Himmels halte ihren sternendurchwodenen Schleier geheimnißvoll über dasselbe gebreitet. — Da- Mädchen erwachte zuerst von den lieblichen Träumen, die ihre Seele umgaukelten. ,,E« ist Nacht geworden", sagte sii, während ein tiefes Roth in ihre blassen Wangen stieg, „auf, mein Lieber! laß uns in der Kühl« der Nacht suchen, meine Heimath aufzufinden, ich kann nicht mehr fern von ihr sein." „Bevor wir scheiden", rief jener dem Mädchen näher tretend und sie bei der Hand fassend, „gied mir ein Zeichen, Geliebte, daß unsre so wunderbare Begegnung keine vorübergehende gewesen; laß unS hier ein Band knüpfen, bas nur der Tod lösen soll, — gied mir die Verheißung, daß Du nie die Frau eines Andern werden wollest, denn ich fühle eö, daß ohne Dich mein Leben mir zuwider sein würde." — „Das Band", sagte das Mädchen halblaut zum Jüngling, dessen Berührung sie in allen Nerven erschüttert hatte, „ist fester um mein Her; geschlungen, als Du es vielleicht ahnest. Wie könnte ich die Frau eines Andern werden, da mein Leben Dir gehört, da'Dein Bild mir meinem ganzen Wesen so innig verwebt ist? Nie werde ich einem Andern angehörcn! Mein Vater wird mich demjenigen nicht verweigern, dem er sein einziges Kind verdankt." — „So eile ich denn meine Eltern aufzusuchen, die nach Jerusalem gezogen, dort das Peffachfest zu feiern. Es wird mich keine« Mühe kosten/ ihre Einwilligung zu - erlangen, da hier Tugend und Schönheit im Bunde gepaart sind. — Nach Verlass eines MonatS komme ich zu Deinem Vater um Deine Hand zu werden unv bann —„Auf ewig die Deinige" unterbrach ihn das seelenvolle Mädchen, hingerissen vom Andrang« ihrer Gefühle, indem eS an seinen Busen sank. — Lang« hielt der Jüngling schweigend Sulamith an sein hochschlagende« Herz,, ihre Augen begegneten sich und ein warmer Kuß versiegelte den Bund ihrer Herzen. — Endlich sagte der Erster«: „Siehe, meine Liede! wir sind hier ganz allein in, der Wüste., keine Zeugen sind da des Bundes, den unsere Herzen geschloffen, qdec das allfehende Auge, das allhörenbe Ohrdes Unsichtbaren habin Alles gesehen und gehört.?' „Möge den sein Fluch treffen, der meineidig und wortbrüchig sich zeigen sollte." — „Und diese Zisterne und jenes Wiesel das über den Sand b«i Wüste raschelt, ruf« ich, auch;uq> Zeugen an, Rache zu nehmen, an demjenigen von uns, fver ein Derräther an ter Liebe werden sollte.^. Und baSWiesel kam naher, stan» gleichsam lauschend'auf di» Worte deS Mädchens. -- Noch7 einmal besiegelte daS Paar ihren Schwur mit nner in* nigen Verarmung, und ri^tere feinen Weg nach W sten. — Der runge Man», mit Namen Schalum, dessen Ellern, in Süden Palästinas wohnten, und der von der^ Straße f abgewichen war, um hier seinen Durst zu stillen, war de« Weges kundig und geleitete das Mädchen in der Stille der Nacht in ihre Heichalh. Im seligen Raitfche der Liede dünkte ihnen die Wüste in ein Paradies verwandelt. Untir den süßen Plaudereien, die für liedmde Herzjm einen solchen Zauber haken, schwanden ihnen die Stunden wie ein Augenblick. Endlich waren sie mit dem ersten Schimmer deS FrühlichtS an den lieblichen Ort >gelangt, der die Grenzscheibe des Saronü bildet; hier motte Schiwlum von der Geliebten scheiden; die Stunde der Trennung kam immer näher. Beklommenen Herzens ging di«! Jungfrau an der Seite des Geliebten. Dem Jüngling entging nicht die Seelenstnnmung de« Mädchens, und ädemral« betheuerte er ihr, bald zu kommen und sie ^eimzufüheen. „Ein Monat ist ja bald vorüber," tröstete er ne, „und im süßen Hoffen wird d^e kurze Frist wie ein Traün^ vorüberschwinden." I Aber nichts vermochte die düü re Stimmung Sulamith« zu zerstreuen. Ihr schien e« alr müßte mit dem! Geliebten auch ihr ganzes LebeaSglück sich von ihr wenden. Sie beschwor den Jüngling, ißr Lebensglück nicht zu Zerstören und bald wiederzukommen» Nach abermaligen Bechru» erungen und Schwüren gelange« endlich dem beredter Munde deS Liebenden, alle bangen Ahnungen aus ihrer Seele zu verscheuchen, ihr Muth und Hoffnung elnzuflößen. - Noch eine Umarmung und die'Beiden schieden, ihren Weg in entgegengesetzten Richtungen einschlagend. — Fröhlich durchschritt jetzt beim prächtigen Fröhlich» das überfrlige Mädchen die ihr wohlbekannten heimäthlichea Fluren und Hain,. Trotz der auSgestandenea Leiden und Trüdfale fühlte sie sich neu gestärkt. Die Feiertage waren verstrichen, der Vater ließ nicht lange auf seihe. Heimkunft warten. Auch dem scharfbUk-