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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 48 (1861) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
48 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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192 tf vle weisen, superklugen Herren der pcivilegirten 'Provinzen die Eivilisalion einführrn. Nicht wahr, auswärtiger Bruder, auswärtige Schwester, eine -rollige Art das? ' Eine Ausnahme. Man behauptet, und nicht mir Unrecht, die russische Geistlichkeit wäre der fanatischen Proselytenmacherei nicht geneigt. Wir mochten hier einmal eine Ausnahme statuiren. Friedrichstadt, eine Kreisstadt Kurlands, zum überwiegend großen Theile von Israeliten bewohnt, lebte bisher immer im ruhigen Besitze seiner Söhne und Töchter, bis vor kurzer Zeit ein.Regiment darin starionirt wurde. Der Pop (Pfaffe, Priester) derselben, ein roher, unwissender Mensch, sucht nun auf alle mögliche Weise die jüdische Stabtjugend von dem Glauben ihrer Däter abwendig zu machen. Merkwürdig bleibt eS jedoch immer, , daß er zumeist Bekanntschaft.mit jüdischen Mädchen, nämlich auS den niedersten Schichten des Volkes, anknüpft und sie in den Schoß seiner alleinseligmachenden Kirche zu dringen bemüht ist, odfchon er nach dem Ableben seiner ersten Frau keine neue Ehe eingchen darf. Merkwürdig, aber wahr! Ob er wohl, wenn er gleich den Talmud kaum vom Hörensagen kennt, gleich diesem der größecn Gefügigkeit und Leichtgläubigkeit deS schönen Geschlechts traut? — Einen mißlungenen Versuch der Art hat die A. Ztg. d. Jdthms. bereits im vorigen Jahre in ihrer Nummcc 33 auS Friedrichstadt gebracht. Eclatanter lief folgende authentische Begebenheit ab, die über das Weichbild von Friebrichfladt hinausging und in den höchsten Instanzen verhandelt wurde. - Eine junge, jüdische, vaterlose Waise von der Hefe deS Volkes ließ sich vom Fourirc»,d,s Regiments, einem Eonverlilcn, überreden, in die Annahme seines Glaubens zu willigen, worauf er sie heirarhen wolle. Der Pop und der Odrist deS CorpS unterstützten kräftig dieses Eomplott, von dem deS Mädchens Mutter und Bruder, der zugleich dessen Vormund war, Nichts ahnten. AlS die Sache ruchbar geworden war, beschwor sie ihr Bruder unter Thronen, dem Glauben ihrer Vorfahren nicht abtrünnig zu wer- ' den; am Grabe ihres Vaters leistete sie in Gegenwart i enehrer Zeugen den. Eid, von ihrem Ansinnen abzustehen. Wahrscheinlich wußte eS der Pop leicht zu bewerkstelligen, ihr das Gelöbniß auszureden und sie zum Treubruche zu verleiten. Denn bald darauf bestand sie vor dem Magistrate beharrlich auf ihrem ersten Entschlüsse, so sehr dem Herrn Secretär die ganze Geschichte verleidet war und er sie von ihrem Vorhaben abzubringen gesucht hätte. Sie wurde, gim von keiner der beiden Seiten behelligt zu werden, in Gewahrsam gebracht, wo jedoch der Gekäng^ißausseher freien Spielraum hatte und, trotz deS ausdrücklichen Verbote-, dem Pop und dem Fourier Zutritt ^erstattete, die sie begreiflicher Weife in ihrem Vorsatze bestärkten. Höchst curioS aber und l» l.i Krähwinkel war folgender Vorfall. Eines AbendS wagten e< ein Paar kleine Gassenbuben, die Dirne, welche frech und trotzig durch baS Fenster lag, im Vorbei, gehen zu verhöhnen. Da riß der letzte Geduldsfaden deS gestrengen Herrn Obristen. Er bot die,halbe Armee auf, die'das Gefängniß. besetzen mußten, um die Glauben-Heldin vor Schmähungen;ü schützen. Eine starke reitende Patrouille — welcher er mir den Donnerworten: '„Ja wssjech Shidow pakalju! (Ich will alle Juden «stechen!)" im gestreckten Galopp voranfprengte — schreckte die friedliche Stadt auS ihrer Ruhe. Ec war wirklich imposant und furchtbar zugleich anzusehen, dieser Herkules zu Rosse, der zürnende Gott. — Der Fremde aber, der zufällig durch diese- Städtchen kam, glaubte anfangs, das ^.Zetecmordio bedeute nicht- Geringeres, als daß die ganze Stadt in der äußersten Gefahr schwebe. AlS er aber den wahren Sachverhalt, den Beweggrund dieses fürchterlichen GedahrenS um einer verworfenen, meineidigen Dirne willen, die-Jsrael sicher nicht zur Zierde gereichte, erfuhr, schüttete ■ er sich vor Lachen aus. — Das Ende vom Liede war: Die Zeloten, der Herr Odrist, der Pop und der Gefangnißauf seher hatten gewonnen Spiel, — „die Majorennitär in Religion-fachen tritt mit zurückgelegtem sechzehnten Lebensjahre ein"' — und der Bräutigam bekam die arme Dulderin zur Frau. Israel, mögest Du nimmer einen großem Verlust erleiden! sieh' vielmehr darin die Erfüllung der Verheißung, die da lauter: „Und Ich will ausscheiden alle Deine unedlen Metalle! (Jes. 1, 2s.) B-. g _____ ~ - Zur Geschichte der Inden in England. [Zu* d. Mag. f. Lit. t. Ausl.) In „>‘oles am! Qiieries" (Nr. 190 1859) finden wir folgende, von FranciS Trench eingefandte Notiz, auS Reli,|. Hearnianae 'YoL II., z>. 663), welche, da sie in keines der unS bekannten GejchichtSwerke, welche die Juden in England zum Gegenstände har, ausgenommen worden, wir hier zur Kennlnißnahme der Historiker bringen wollen. DaS Citat lauter wortgetreu, wie folgt: „Um baS Jahr 1075 fingen die Juden an.in großer Zahl nach Oxford zu kommen. Nachdem sie sich niedergelassen harren, verschafften sie sich sehr viele Häuser, besonders in den Kirchsprengeln St. Martin, St. Edward und St. Aldate, und häuften große Schätze auf. Ihre Wohnungen in St. Edward und St. Aldate waren so ansehnlich, daß sie die Old und New Fewrv genannt wurden, und in Sr. Aldate harren sie eine Synagoge (Lehrhaus?), wo sie Lehrer hatten und die hebräische Sprache .lehrten, zum großen Dorlheil der Universität, da es Gelehrte gab, die nachher in jüdischen Häusern Unterricht ertheilten. Die Namen dieser Häuser, Lombard Hall, Missy Hall, Jakob Hall rc, stammen ohne Zweifel von ihren früheren jüdischen Besitzern her." Allgemeine Zeitung des In denk bums. No. 47. 18ÜI. Leitende Artikel: Die Geschichtsschreibung vom Standpunkte des Judentbums. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung».Nachrichten: Deutschland: AuS Südbaden. Preußen: Exin, Berlin, Berlin, Lüstrin, Berlin. OesterreichischerLaiserstaat: Wien, Prag.Die S ch wer;: Endingen. Frankreich: Paris. Rußland: Warschau. Jtälien: Turin. Großbritannien: London. Eorresponden;: DLmembergische Briese von Alexander Eliäßer III. SjP Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redaeteur K. Nabe. E erlag »o» « »>»,Lrl»er'S V»ckba»tt»»g t» Leivr»«- — Dr»a Mi 9. Sterling U vei»i«g.

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