Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 47 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Z°r SSefeOrung unt) llnterönfluiuj auf jüdischem Dekrete. Herausgegeben von j - Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdebu^g^ tn 4 0/*'! 1 Bon dieser Zeiliidrill erscheint wöchentlich eine Nummer. Pier« de« 2»brm cw L ^1», I ViO« 4l ♦ löbl. gana» l Ibu. B,c««>i-dng 7!4-Rgr. «lle vnchdanriungeu. Potzä»rer 8. Asm'g. 4. Omm«.! i J unk >Hmungj(frc(iiiontn nehmen BeftrUungm an. *■ r » 4 Die Nckoinoh. Erste Er;8hlunz. au« dio. 4U. 43. 44. 42. 44 .J Der Genf schien erschüttert, sein Haupthaar auf die Brust gesunken, er .uhmel« schwer. Plötzlich vernahm man die Fanfare einer Trompeke von außerhalb de» Schlöffe»; bald hoch« man auch Zusammcnlaufen, Rufen und da» Gesumme einer großen Menge vom Hof« au». Der Graf erwachre au» seinem Sinnen und eilte an da» Fenster. Ein Renersknecht, von einem Trompeter begleitet, hatte Einlaß in die Burg gefordert und erhalten. In seiner Rechten trug er eine Lanze, von deren Spitze an einer Schnur ein unversiegelte» Schreiben heradhing. Der Schloßhauplmann trat ihm entgegen, da riß der Reiter da»« Schreiben von der Lanze, warf e» mit heftigen Worten, die man aber droben nicht verstand, dem Schloßhauptmann zu, schleuderte dann die Lanze mit voller Macht in die Höhe, daß sie herunterfallend lief in den Sand de» Hofe» sich senkte und verließ dann mit dem Trompeter wieder da» Schloß. E» war also ein offener Adsagrbri.f, der nach damaliger Sitte den Vertheidigern der Burg nicht verborgen bleiben durfte, und so drang ein Heller Haufe, in welchem sich auch det wie zufällig anwesende' David Beit befand, den Schloßhauptmann an der Spitze, in die Halle, in der sich die beiden Edelleure befanden. Der Graf nahm da» Schreiben entgegen, und da der Burgpfaffe nicht zu Hause und sonst Niemand vorhanden war, der zu lesen verstand, übernahm David die Rolle de» Vorleser». Der Brief war von vier Edelleuten unter» schriebest, voran der Ritter, welcher, au» seinen Besitzun» gen veftrieden, jenen unglücklichen Ueberfall veranstaltet hatte, der der Gräfin da» Leben kostete. E» war ein in den schmähenbsten Ausdrücken abgefaßte» Schreiben, worin e» hieß: „Du stehest, blutiger Tyrann, an einem Scheidewege; wohin Du Dich aber wendest, wir,begleiten Dich. Wenn Du vor de» KaisilS Majestät zu treten wagst, werden wir al» Blutzeugen wider Dich auftreten, denn nicht blo» die Kconenderg», auch un» vier hast Du mit Gewalt au» den Häusern ihrer Väter vertrieben, sie in Elend und Schmach gejagt und die Ihrigen getödtet. vor der Wucht unserer Anklage wirst Du in den Staub stürzen und Nicht» kann Dich retten. Wirst Du aber dem Kaiser zum Trotz leben und Dich auf Dein Schwert stützen, so kommen wir mit dem Heere der Rächer, und bekleidet wie die Schatte» der! Nacht, mit schwarzem Stahl umhüllt, nicht ruhend, bi»! wir unsere Schwerter in Dein Herzblut getaucht. Siehe, die Rache lebt, sie stirbt nie.* Wir wollen e» dahln ge» stellt sein lassen, ob die letzten Worte wirklich in dem Schreiben standen, odex von David, dessen Lippen bebten, aber nicht vor Furcht, hinzugrfügl wurden. Da» Schreiben machte einen liefen, niederschlagenden Eindruck auf alle Anwesenden, einen nicht minder tiefen, aber ganz andern auf den, an den e» gerichtet war. Sein Aatlch zwar war flammend ckikh und seine Augen sttrühtea wie Kernfackrln in der Nacht, aber seine Haltung war ruhig, er nahm da» Schreiben, zerriß e» langsam und ließ die verächtlich auf den Boden fallen. Dann winkt« er ab» \ wehrend mir der Hand, und die Menge, von der Ruh»! de« Grafen beherrscht, verließ so geräuschlos wie möglich | die Halle. , » Al» Alkenburg und Franken wieder allein waren, rief der Graf au»: „Run, Heinrich, könnt Ihr mir noch rathen, zum Kaiser zu gehen? Soll ich mich allen denen Preis geben, die mich verleumden, anfchwärzen, beschul» digen wollen, kurz, die sich verschworen haben, mich zu vernichten- Der Mann legt die Waffen auder Hand/ wenn er sie nicht mehr zu führen vermag; oder sich bei vollen Kräften gefangen zu geben, kann nur. die Sach» de» Jünglings fein. Nein, ich sehe kein Heil für mich, al» im Kampfe; da kann ich siegen, aber auch unterliegen; geh' ich nach Würzburg, bin ich jedenfalls verloren: ich überliefere mich selbst den Händen meiner Todfeinde. Ihr sehr, Heinrich, ich bin über den „Scheibe-" weg" hinaus, Ihr aber befindet Euch noch an demselben. Heinrich, ich habe auf Enren Beistand gerechnet; leihet Ihr und Euer Geschlecht mir Hülfe, so bin ich stark genug gegen alle diese Kreaturen. Liedet -Jhr mein« Tochter, wie Ihr e» so oft versichert habt, so werdet Ihr sie und ihren Barer nicht verlassen. Thur Ihr dje», so kann von einer Verbindung nicht die Rebe fein, welch» vor dem ersten Hauche de» Sturme» auSeiaanderfiel. Wählet!" Der junge Mann kämpfte mit sich selbst; in seinem Antlitz malle sich der Widerstreit seiner Gefühle. Endlich erhob er sein Haupt uni} sprach: „Es giebt noch einen dritten Weg, laßt mich den wandeln. Die Scheu vor de» Acht, vor dem-Schimpfe der Felonie, wrrd meinen Bate^. und stine Freunde adhalren, mit Euch gemeinsam« Sache zu machen. Sie werden neutral bleiben, da» ist schon sehr viel, und sie yerden e» nur thun um meinetwillen. Meinem Vater utlb seinem Hause kann ich mich aber Nicht entziehen. Der Fluch de» Greise» würde mich