Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 46 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 der wegen M Gebets Alenu geführten Untersuchung, welche für die Juden günstig lautete, mitgetheilt, dennoch aber für , alle Zeiten befohlen, daß kein Jude in seinen Landen, bei Strafe, allsofort verjagt zu werden, die der Lästerung verdäch-! tizenden Worte gebrauchen, dabeiausspucken und hinweg- ' springen solle. Das Geber Alenu sollte künftig laut einem ] Vocbttcr nachgesprochpst werden, wer es noch heimlich oder ' fn seinem Herzensiereche, den choll» er der göttlichen All- . macht üderlässns^haben, und werbe Christus seine Ehre zur | rechten Zeit schon zu reuen wissen." In mehreren Edicten zeigt« Friedrich sich duldsam und verwies den gelehr-! ten und fanatischen Theologen ihre unbegründet« Anklage! wegen der in den rabbinischen Schriften angeblichnt-! halten«» Lästerungen des Heilands. In dieser Hinsicht ' demerkenswerth ist ein Refcript des Königs vom 5. März . 1707 an die Universitär Frankfurt, in welchem die Be- : schlagnahme des wegen Beschimpfung des Christenthum ‘ angefochtenen Buches Eabbath aufgehoben wurde. - Diese Schilderung fordert uns' zu Dergleichen mit unserer Lage bei der jetzt geschehenen zweiten Krönung auf, die uns mit Dank gegen die göttliche Vorsehung oder auch mit Verehrung für unsere Väter erfüllen werden, welche sich von keinem Drucke in ihrer Glaudenstreue wankend ' machen ließen. Ehre der jüdischen Tapserkeit.! Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit, schreibt Herr Leone i Ravenna an die Redaktion der Archive* i>raclik»s. auf di« | Auszeichnungen, die mehreren israelitischen Soldaten in Italien zuertbeilk worden, sind. Man muß hierzu noch einen Tagesbefehl des Generals Chiabrera hinzufügen, welcher ein sehr bcmerkenSwertheS Factum erzählt. Acht italienische Soldaten wurden von 90 Banditen umzingelt. Don allen Seiten angegriffen, stürzen sie sich mir gefälltem Bajonett auf die Feinde, brechen sich Bahn und besetzen eine gute Position, um sich zu verthcidigen. Viermal greifen die Räuber sie-an, viermal werden sie. zurückgeschlagen, bis sie, indem sie mehrere der Ihrigen tobt oder verwundet sehen, den Muth verlieren und die Flucht ergreifen. Die Namen der acht Soldaten sind -der Armee bekannt gemacht worden, und man sagt, daß sie die Tapferkeitsmebaille bekommen werden. Ich bemerke unter ihüen einen gewissen Angleo Tedesco, der ein Israelit ist. Unsere Feinde haben uns so oft Muth und Tapferkeit.adgesprochen, baß man immer die Thalsachen hervorheben muß, die diese Verleumdung' widerlegen.können, und die sich, Gott sei Dank, oft genug ereignen. ' Eme Ironie des Zufalls. Bekanntlich sollte am 30. September in Pesth auf Veranlassung und unter dem Vorsitze des ersten Vicegespans, Paul v. Nyary, eine demonstrative Generalversammlung des Pesther Comitatsausschusses stattflnden, was aber durch das Jnzwischentreten deS k. k. Militärs unter Anführung eines Offiziers vereitelt wurde. Der „Pesther Lloyd", , der über dies« Vorgänge ausführlich berichtet, macht u. A. folgende inrerkssante Bemerkung: „Ein merkwürdiger Zufall ist es, daß jener Offizier, welcher die ComitarSsitzung auflöste, ein Ifra cli te ist; denn ein Jude war eS, welchem nach Constituirung der Congregalion der Eintritt von Paul v. Nyary verweigert wurde, mit dem Bemerken: „Juden sind nach dem I84Ser Wahlmodus nicht wählbar." Ein unseliger Schreck ohne Folgen. Aus Veszprkm wird dem „Wdr." geschrieben: Am b. d. M., dem jüdischen Neujahrslage, war die hiesige Synagoge mit Andächtigen in allen Räumen überfüllt, der untere Raum mir Männern und Kindern, die oberen Gallerien mit Frauen. Als nun gegen halb 9 Uhr Morgens die ganze versammelte Gemeinde eines der heiligsten Gebete, das Kadufchagebec, vollendet hatte, riß sich ein Stück Stukkatur der über der einzigen Thü.r befindlichen Frauengallerie los und siel unter einem heftigen Getöse auf die darunter befindlichen Anwesenden. Ein Schrei deS Entsetzens wie aus Einem Munde füllte. nun den ganzen Tempel. Die im untern Raume befindlichen Männer lebten im ersten Moment der Ueberzeugung, daß sämmtliche Gallerten einstürzten und alle 500 anwesende Seelen unter den Trümmern der Synagoge ihr Grab finden müssen; die auf den Gallerien befindlichen Frauen waren der Meinung, man habe mit Kanonen unter die Männer geschossen,, denn des von dem herabfallenden Schotter aufwirbelnden Staubewegen konnte man nicht gleich zur klaren Anschauung des Geschehenen gelangen und ss war der Schrecken und die Verwirrung unbeschreiblich groß. Man hörte nur das Jammergeschiei Verzweifelnder nach Rettung und die beim Juden in der Sterbestunde üblichen Schema-Jsrael-Rufe. Die Männer wagten nicht gegen die Thür vorzudringen, weil grade über derselben der Einsturz geschehen war. Die Frauen trauten sich nicht herunter von den Gallerien und mehrere der angesehensten unter ihnen schickten sich an, von den Fenstern herabzuspringen. So sthwebtcn 500 Seelen beinahe eine Viertelstunde lang in Todesangst, bis sich Alles gefaßt und in .den Synagogenhof hinausgedrangt hatte, wobei viele der ‘ Herausstürmenden zu Boden geworfen wurden. Menschenleben ging zum größten Glück keinS verloren. Allgemeine Zeitung de-JudenthumS. No. 45. 1861. Leitende Artikel: Unier Berhaltniß zur protestantischen Kirche. III. — Zerstreute Bemerkungen— Pariser Briese VIII. — Literarischer Wochenbericht Zei tu nßLnach richten: Deutschland: Hamburg, Rnp. pettShofen. Preußen: Berlin, Königsberg, Frankfurt a. d. Oder, Breslau. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesth. Die Schweiz: Sl. Gallen. Ho lland: Zwolle. Italien: Florenz. ]CäT Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierreljährlich % Thaler. Lerantwortlicher Redacteur R. Nabe. Verlag von B au mg ärln e r'« Vu»tandtnug in Leipzig. — L>ni« von ®. Är«t»fin8 in Leipzig.