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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 45 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
45 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur - Reiehemiq «»ft 11 ntcr0nftunij ans jüdischem $efitde. HcrauSgcgeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. j Mo. 45. 1801.] Wen liefet ZeilsLrijl ertorät wocieiMiid rin« Nnmmer. Prei« de« Jadr» SangS I TdU. Wi-.ticlj.ihng 7 '/C Rgr. Alle Buchdantlpngen. Poftänuee und Zriiusg«<spcdiilöncn nehmen Bestellungen an. [8. Jahrg. 4. (Quartal,] Die Nctomoh. Erste Erzählung. (ieorkfeyung aus d!.'. «<>. ti 1 IV. Der Graf von Alkenburg rikl durch den Wald; er ] hatte mehrere Stunden gejagt, dann seine Begleiter zum \ Schlosse zurückgeschickt, und überließ sich jetzt seinen Ge- . danken. Die zehn Jahre, seitdem wir ihn verlassen, hauen I ihn nicht merklich verändert; seine Gestalt war stärker geworden, aber sein Gesicht halte noch mehr den Ausdruck des HochmuthS, der Gewaltlhätigkeic, der Bosheit gewonnen. Ec mochte wohl in tiefeS Sinnen sich verloren haben, als er und sein Roß plötzlich zurückschrcckten, denn mitten aus dem Gebüsch sprang ihnen ein« Menschengestalt in den Weg. Und es war eine eigenthümliche Gestalt; in einen schwarzen, reinlichen, aber ärmlichen Talar gekleidet, ein hochaufgeschossener Jüngling, aber dennoch etwas nach vorn gebeugt, das Antlitz so bleich, daß kein Tropfen Blutes darin zu verspüren und von langen schwarzen Locken, die von der weißen Stirn zu jeder Seile über das Ohr 'hingen, umrahmt . . . Der Graf hatte nach seiner Lanze ger griffen, und sie zum Wurf erhoben, mir dem Ausruf: „Wer bist Du, Mensch l wie wagst Du . . als der seltsame Eindringling mit der Hand abwehrend winkte, und sprach: „Halten zu Gnaden, Herr Graf, und lassen Sie^ die'Lanze in Ruhe — ich denke. Sie werden mich näher und gern kennen lernen." „Du bist sehr kühn, Bursche. Wer bist Dur woher kommst Dur was willst Du? . . . Wenn ich nicht rrre, . bist Du ein Jude, und dergleichen liebe ich nicht. Also kurz —" „Ich liebe den Herrn Grafen auch nicht, lautete die keckt Antwort, aber eS trifft sich bisweilen, daß wir mit denen umgehen müssen, die wir am liebsten, vermeiden möchten. Ich komme vom Schloß Altenstein und will dem Herrn Grafen mirrheilen, was dort in seiner Abwesenheit geschehen. —" „Ja meiner Abwesenheit geschehen? sprich . . ." - „Sobald der Herr Graf dahin zurückkehrt, wird der Hauptmann der Landsknechte vor ihn treten und den seit einem Jahre rückständigen Sold für die Truppe fordern; wofern sie nicht befriedigt würden, haben sie geschworen, noch heut« Abend abzuziehen, jedoch nicht ohne mitzuaehmen. was sich mitnehmen ließe." „Rnm, har sie Joh c^n Verwalter, nicht zur Ruhe Seteichtr" />i „Das ist das Zweite, waS sich ereignet hat. Nachdem sie dem John mit Flüchen und Drohungm vorge. worfen, baß er sie um Ihre Rationen von Fleisch und Wein verkürze und betrüge — hat sich dieser plötzlich aus dem Staube gemacht. Mit zwei Ihrer besten Pferde, die hoch bepackt waren, sah man ihn aus einer AuSf^llspforte hervorkonzmen und fortgaloppiren. Der Fuchs hatte dl« Thüren und Gänge hinter sich so gut verrammelt, daß, als endlich einige Verfolger mit Geschossen auf den Wall und andere zu Pferde über die Zugbrücke kamen, er für beide unerreichbar war, denn er war auf Waldwegen verschwunden-- die Wenigen bekannt sein mögen." „Der undankbare Schuft! Ich habe es längst vermuther ... O, er wird wieder in meine Gewalt kommen; nun," fuhr der Graf mehr zu sich selbst sprechend fort, „so werde ich sie zum Teufel ziehen lassen» Daß sie mir nichts schädigen sollen, dafür werde ich Sorge tragen." „Entschuldigt, Herr Graf," fiel der fremd« Mann wie besorgt ein, „Jhx werdet sie schwerlich ziehen lasse« können, denn noch habe ich Euch ein drittes Ereigniß von sehr ernster Art zu melden. 'Soeben ist ein kaiserlicher Herold auf Eurem Schlosse eingetroffen, welcher eine Aufforderung an Euch auf dem Schloßhofe verlas und dann Eurem Schloßhauptmann übergab, des Inhalts, daß Ihr binnen vierzehn Tagen vor dem kaiserlichen Gerichte in Würzburg erscheinen sollt, um Euch in Sachen Kronenberg wider Altenstein zu rechtfertigen, oder der Acht und Aberachl des heiligen römische« Reiches gewärtig zu sein, die auSzuführeü den Fürsten und Herrn des thüringschen KreiseS obliegen werde." Der Graf schien wle vom Donner gerührt und stierte sprachlos dem Fremden in da» bleiche Gesicht. Dieser führ fort: „Es ist nämlich, so sagte mir der Herold, der Neffe des verstorbenen Herrn von Kronenberg wider Euch klagend vor dem Kaiser aufgetreten, hat die Pergamente seines Hauses vorgelegt, und alle Anwesenden fielen ihm als Zeugen zu. Der Kaiser war wüthend vor Grimm, und erklärte Eure Thar für ein« Felonie erster Art, die er schwer bestrafen wolle .... . Ihr habt nun zu wählen, Herr Graf, ob Ihr zu dem erzürnten Kaiser gehen und die Strafe auf Euer Kreuz nehmen, oder ob Ihr die Acht abwarren und gegen Angriffe Euch vereidigen wollet?";-| „Ich werde es mir überlegen ..." 1 „Aber dazu müsset Ihr Euch sofort entschließe«, ob Ihr Eure Soldner behalten oder.gehen lassen wollet. Im ersteren Falle hin ich bereft Euch beizuftehen —

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