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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 44 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
44 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Retehrung und Anteehattuug auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Psou in Magdeburg. lNo. 44. 1861.] Bon tiefer 3ritjArift erfteint wöchentlich eine Nummer. Preis des Iahrt,ang» 1 Tblr. Birrleij-idriz 7 3igr. Tille Buchhanrlunge», Poftärmrr unt Aeiluugeervedilionen nehmen Bestellungen an. [8. Jahrs« 4. Quartal] gTiwm.h» l ij \mr Die Nekomoh. Erste Erzählung. , (tzortsetznug aus No. 40. 43 > . M. Der blasse, stumme Knabe sollte bald wieder an einem Sterbelager stehen. Monde hindurch sah er seine Mutter täglich ihren Schmerz über den Verlust ihre- Mannes ausseufzen, täglich ihre Schmerzen zu« und ihre Kräfte adj nehmen, bis sie sich dem Tode entgegenrang. Vor dem Erlöschen ihres Odems ermahnte sic ihn, alle bösen Ge?! danken auS seiner Seele zu scheuchen, und, Gott im Herzen! und dessen Gesetz vor Augen, ruhig zu wandeln, dann werde ihn Gott segnen. Er stand da und vernahm die Worte seiner sterbenden Mutter, bleicher und stummer als gewöhnlich, da-Auge starrer und die Hände in einanderverschlungen. Erst Stunden nach dem Verscheiden der geliebten Mutter rann ein Strom von Thranen aus seinen Augen. David Veit kam nun zu einem Bruder seines Vater-, einem Junggesellen und ernsten, schweigsamen Mann. Als die Trauermonate vorüber waren, trat der bald vierzehnjährige Knabe zu seinem Ohm und sagte: „Laß mich zwei Jahr bei Rabbi Eliesar Thora studiren, denn damacht klug, und ich muß sehr klug werden." - Der Ohm nickte und brachte ihn zu Rabbi Eliesar. David erwies einen unermüdlichen Fleiß und einen großen Scharfsinn, so daß ec bald zu den ausgezeichnetesten «Schülern des Rabbi gehörte. Aber allen Verlockungen zum Trotz, die gelehrte Laufbahn zu verfolgen, trat er, nachdem die beiden Jahre vorüber waren, zu seinem Ohm und sprach: „Jetzt laß mich esn Jahr Dein Diener sein." Der Ohm nickte, und verwendete den Jüngling in allen seinen Handelsgeschäften, so daß er bald in diesen vollkommen vertraut war. Oft hatte der Oheim Veranlassung, die außerordentliche Umsicht, Sicherheit und Festigkeit zu bewundern, welche der zarte Jüngling in den Dingen dieser Welt entwickelte, und durch die er seinen Meister bald üdertraf. Als das Jahr vorüber war, trat David zum dritten Male vor seinen Oheim und sagte: „Ohm, ich banke Dir für all' die Unterweisung, die Du mir gewährt hast. Jetzt will ich selbstständig für mich handeln. Dv hast mir gesagt, daß Du noch 20 Goldgulden von meines Vaters Schuldner ein» gezogen und für mich bewahrt hast. Gied mir diese, ich will damit Geschäfte treiben und mir ein Vermögen erwerben." Der Ohm nickte abermals, dies Mal aber fügte er hinzu: „Oie Leute werden mich tadelndaß ich einen so I jungen Burschen schon auf seinen eigenen Füßen laufen ' lasse, aber ich kenne Dich besser. Zu den 20 ttge ich Dir noch 10 Gulden zu, und jedes Mal, wenn Du! mir nach» weisest, baß Du 30 Goldgulden verdient hast, lege sch Dir 10 zu." — Aber David üdertraf selbst die kühnsten Erwartungen seine- Oheims. Er ging so geschickt!, so mannigfaltig, so erfindungsreich und doch so sicher zu Wege, daß er schon im ersten Jahre -mal zu seinem Ohm kam, um die verheißenen 10 Gulden zu fordern. Kurze Zelt - darauf starb der Oheim, und hinterließ seinem Messen ein ganz ansehnliche- Becnzögen, ein Mittel für David, um in immer ausgedehnterer und kühnerer Weise seine Geschäfte zu betreiben, lind wie eS öfters zu geschehen pflegt: während seinen trefflichen Vater immerfort da- Mißgeschick verfolgt hatte, so daß er Schritt vor Schritt dem Verhängniß hatte abringen müssen, war dem bleichen, zurückgezogenen, nur die Wege des Geschäftes wandelnden Jüngling das Glück unablässig hold. Ader war es nur niedrige Habgier, welche die Seele diesejungen Menschen erfüllte? Jede- Jahr, wenn der Jahrestag des schrecklichen Todes seine- Vaterwiederkehrte, konntest du ihn, und wenn er in noch so weiter Ferne sich befand, nach jenem Dorfe am Fuße der Altendurg eilen sehen; dort hielt er sich verborgen, bidie Nacht hereingebrochen , Jiann schlich ec zu dem freilich verwüsteten und verwucherten Friedhof der Juden, wußte den Grabhügel seinegemordeten Vaters, den kein Grabstein zierte, den er sich aber durch irgend ein Zeichen hatte, kenntlich gemacht, herauszufinoen;. hier warf er sich nieder zu heißem Gebet und überließ feine Seele all' dem leidenschaftlich»» Sturme, den die Jugend um so mehr im Herzen aufhäuft, je mehr sie ihn auf einen -einzigen Gegenstand beschränkt. Nach Stunden verließ er den Orr des schmerzlichsten Gedenkens» umschritt in der Dunkelheit da- Häuschen, das einst seine Eltern bswöhnt, und nachdem er auch hier seinen Geist mit Wehmurh und Leidenschaft erfüllt hatte, entfernte er sich wieder. Doch hatte er auch mir einigen Bewohnern des Dorfes eine geheime Verbindung aaoefponnea, von denen er jedes Jahr genau mir den Verhältnissen und der Lage der'Dinge oben auf dem Schlosse bekannt gemacht ward. So trieb er es, dis zehn Jahre über das Grad seines Vaterdahin'gegangen. Da sprach er,, eh« er es verließ: „Jetzt, Barer, ist die Zeit gekommen. Die Nekomoh lebt, sie 'stirbt nie. . . —" David klopfte an die Eingangspforte zum Benedic» tinerkloster in Bamberg. Der Schieber össnpte sich und der dicke Pater Pförtner schaute durch die Öffnung.

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