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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 43 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
43 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur . j Belehrung uni) Unteröartung aus jüdischem Gebiete. Herauogegebm von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sNo. 43. 1861.1 von »iejrr Zeitschrisl erscdkinl wöchcnNich eine Rümmer. Prxt» de« Jahrgang« 1 Tchlr. vieneljiihrig 7'/{ Rgr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Aeiruug,erpedilio»en nehmen Bestellungen an. ^8. IstKrg. 4. Die Nekomah Erste Erzählung. il. Die Dämmerung war im Begriff sich zur Nacht zu verdunkeln, als Abraham Beil, einer der Juden, welchem der Graf für schweres Geld die Niederlassung im Dorfe! und daS Recht unter gewissen Bedingungen und nach bestimmten Vorschriften Handel zu treiben, gewährt hatte, in daS Gemach des Grafen eintcat. Es war ein geräumiges, wohlgeläfeltes Zimmer, ringsum .mit Trophäen der Jagd und deS Krieges geschmückt, an der Westseite lief es in einen breiten Erker aus, dessen Fenster nach dem Schloßgarten hinausgingen. In dem Erker saß der Burgherr in einem bequemen Lehnstuhl, eine Kanne treffliche« Rheinweins vor sich, der er schon vielfach zugesetzt und aus welcher er von Zeit zu Zelt einen tüchtigen Trunk nahm. Sein Aussehen war daher schon etwas erhitzt und seine schon,so feurigen Augen schienen aus dem Dunkel Blitze zu schleudern. Der Jude, der jetzt eintrar und bescheiden seine Reverenz machte, dabei an der Thür stehen blieb und erst auf den wiederholten Anruf des Grafen einig« Schritt, naher trat, erschien als kein gewöhnlicher Mann, namentlich nach der Art, wie damals die Juden gemeinhin sich zu zeigen pflegten. Ec war ein hochgewachsener Mann mit starkem und doch ebenmäßigem Gliederbau, von straffe Haltung;' daS Gesicht zeigte «ine Mischung von Würde und Demuth, das auf einen sehr entwickelten und edlen Ebarakter schließen ließ; dabei zeugten die streng«-Süge um den Mund und der kräftige Blick der Augen unter der hohen Stirn von Entschlossenheit, Muth und Festigkeit. „Veit," /ief der Graf ihn an, „tritt noch näher, und höre aufmerksam an, was ich Dir sage. Ich weiß, wen ich . vor mir habe, «inen tüchtigen und entschlossenen Mann, der keine Winkelzüge liebt. Ich werde daher bestimmt und offen mit Dir sprechen." „Ew. Gräfl. Gnaden," erwiederte der Jude, „brauchen mich nicht zur Aufmerksamkeit aufzufordera vor Euch. Ich weiß, was Euer Wort werth ist." „Beit, ich habe einen Handel mit dem Herrn von Kronenderg abgeschlossen, er überläßt mir seil, gapzes Be. sttzthom gegen die Zahlung von 1000 Goldgulden. Dies« habe ich nicht, und erwarte sie nun von Euch." Hierbei griff er nach der Kanne, wank daraus, schlug den Deckel mit Nachdruck zu und stellte sie geräuschvoll auf den Tisch zurück, gleichsam um seinem Worte einen bekräftigenden Wiederhall zu gebe». ^^^Abraham Beit war bei den Worten des Ritters bleich und starr geworden; einig« Augenblicke schwieg er, dann faßte er sich und sprach: „Herr Graf, 1000 Goldgulden haben wir Juden in Eurem Dorft zusammen ebenso > wenig wie Ihr selbst." „Nun, so sucht sie Euch bet anderen Juden; das ist mir gleich, wenn sch sie nur bekomme, und bekommen muß ich sie." In wenigen Tagen, Herr-Graf, sollt Ihr die verlangte Summe haben, wenn Ihr Euch entschließet, irgmd ein genügendes Stück Eurer Herrschaft zu Pfand zu geben. Auf bloßes Wort oder Unterschrift bekommen wir nicht» mehr. Halten Herr Graf es zu Gnaden, aber wir armen Juden haben für die Privilegien und auf Eure Schuldscheine schon alles hingegen, was wir hatten, so daß wir kaüm noch übrig behielten, um einen kleinen Handel zu treiben, unsren gelingen Bedarf zu erwerben, und di« schweren Abgaben zu zahlen, die uns auferlegt sind. Eure Gnaden wissen dies Alles, woher sollm wir also die ungeheure Summe von 1000 Goldgulden nehmen?" „Nun, so nehmt sie aus Eurem geheimen Schatz!" rief der Graf mit Donnerstimme aus, indem er glaubte, seinen Zuhörer dadurch, zu überwältigen. Aber Abraham rührte sich nicht, er erschien nicht erschrocken, kaum betroffen. „Einen geheimen Schatz haben wir nicht; wie sollten wir dazu kommen? Was wir haben, muß stets anS Tageslicht wandern, um Etwas damit zu gewinnen. Da sind Ew. Gnaden schlecht unterrichtet." ^^Des Redeus tzA» ich überdrüssig. Boa meinen Gütern, wißt Jh< gelleich nie etwas zu Pfand«; das tß.Meine» Absichten und Grundsätzen zuwider; ich wül.»shre», aber nicht mindern; was verpfändet ist, ist verlorm. Ich weiß, Ihr habt einen geheimen Schatz, Ihr sollt ihn und müsset ihn haben. Gebt ihn heraus. Beit; und wenn Ihr es nicht gutwillig thut, so übe ich Gewalt an Dir, bi» Du mürbe geworden. Ich lasse Dich nicht von hier, bis Du Befehl gegeben, da» Geld hierher zu bringen." MK diesen Worten schlug er mir der Faust auf dm Tisch, um seinen unwidermflichen Entschluß kund zu geben. Der Jude erblaßte; er fühlte, daß es sein Emst ward." „Um Gott, Herr Graf," hob. er an, ,Lhr könnt doch nicht veclangm, was unmöglich ist.' Soll ich ein Stück vom blauen Himmel oder ein Viertel vom filbeme» Monde herunterreißen? Ebenso gut könnte ich 1000 Goldguidm auf diesm Tisch heqaudern. Gewalt aber »erd« Ew.

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