Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 41 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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) Jüdisches Volksblatt. - Zur Retthrung und Anterhaltung aus jüdischem HeKiele. Herausgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sNo. 41. 1861.1 Bo» birfer Zeitschrift erscheint wöchentlich ein« Nummer. Prei» de« Jahrgang« l Lhlr. BierteljShrig 7 '4 Ngr. Ulle Buchhaqrluugen. Postämter und Zeinmgservedirioae» nehmen Bestellungen au. [8. Jahrg. Quartal] ' Bilder aus Ungarn. Bon I. I. Uosenmeyer in S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) Da prangen sie die lieben Freundinnen meiner Jugend und blühen so schön, als wollten sie mir erzählen von ihren noch schönern Schwestern auf jenem Felsen, woselbst das alte Schloß H uzt steht und wohin wir denn auch bald durch einen schneckenförmig sich windenden Weg, durch ein lang gewölbtes Thor gelangten. Welch? prachtvolle Aussicht öffnet sich' hier plötzlich dem überraschten Beobachter! Au unseren Füßen die große Ebene des Reiches, das Schlängeln der Nagyüg, die herrlichsten Weinberge und die ansehnliche Muakacfer Festung, die jetzt al- Staarsgefäugniß benutzt wird ünd ehedem zu den bedeutendsten Festungen des Reiches gehörte. Der Empfang, den wir in H u zr, einer Stadt mit mehr als 1600 Juden genossen, war liebevoll und bald hatten auch wir Munkäc» (spr. Munkätsch) eitle Stadt im Beregh - Ugöcsaep Comitake gelegen erreicht, die von mehr als 3000 Juden bewohnt ist, während im Comikare 16363 Juden, d. t. 9% der Bevölkerung leben. Der größte Theil der Juden dieser Stadt sind Chassibim, nur ein kleiner Theil. gehört dem rabbinischorthodoxen Judenthum an. Die Jugenderziehung liegt danieder und her Rabdi des Orte» ist Chasfid. Bon Munkscs setzten wir unsre Reise fort über Szarednya nach Unghvar, einer Stadt von mehr al» 300 Juden, im Ungher Comitake gelegen, in dem 10814 Juden, d. i. 12% der Bevölkerung leben. Die reizende Lage und die prächtigen Aussichten auf die Hegyalga einerseits und die große Ebene andererseits machen Unghvär zu einem sehr freundlichen Aufenthaltsorte. In Unghvär leben größtentheil» Chassibim und Halbchassidim, die Zahl der rabdinischen Juden ist vechältnißmäßig gering, das Schulwesen liegt danieder und.konnte die im vorigen Jahre errichtete ist. Hauptschule kaum ein Jahr sich erhalten. Das Derhälmiß zwischen Christen und Juden ist leutselig und sind die wenig gebildeten Judm ziemlich einflußreich. Es war Abend als wir Sötor-Alza-Ughely, die Hauptstadt vom Templiner Comitare erreichten, jene Stadt, die nahe an 3600 Juben^ zählt und größtentheil» von rabdinischen Juden, Halbchassidim und wenigen Chassibim bewohnt ist. Roch war das Gebirge ziemlich belebt, während eS in der Stadt still war. Hier kam ein Träger schwer beladen auf die Stadt zu, dort kehrten Arbeiter heim, die den ganzen Tag im Weinberge z »gebracht, und zu diesem * --—— Bilde schauten die Sternlein herein und funkelten gar freundlich. Wir waren eben vor dem alten Friedhof vorüber« gefahren, als unsere Reisegefährten di« Wunder des dahier ruhenden Rabbi. Mosche Teitelbaum erzählten und sich einander zu üdettreffen suchten. Ich ging zum Friedhott und fand die Gruft geöffnet, woselbst eben Frauen saßen, die für die Gesundheit einiger schwer Erkrankten beteten. „Erzähle mir doch, o ehrwürdiger selig entschlafener Greis, was wahr und was übertrieben von Deinsn Thaten in die Welt gedrungen. Ist es wahr, daß Du noch heut« Wunderthaeen verübst und dem Gebete des wahrhaft Gläubigen Eingang beim Allgürigen schaffst?" Der Tode schwi^ ' und nur die in der Rahe stehenden Pappeln schüttelten die Häupter, als wollten sie ihre Uaglarrbigkekt mir zu erkennen geben. Die Juden in Ughely sind Kaufleute, Handwerker imd Landwirthe und obwohl die Bildung Rückschritte gemacht, sinder man doch noch tüchtige Kräfte genug, die für bas allgemeine Wohl zu wirken bereit sind. Sowohl in der C om it at s congrega^rvn, als im städtischen Magistrate sitzen Jftaeliten und ist * das Wirken so mancher, wir nennen beispielsweise den sehr geachteten Stadkrath und Mitglied der Comitat-cougreganon, Wilhelm Schwarz, «in. so segensreiches, daß die Israeliten dieser Gespanfchaft mit Recht auf diese Männer stolz sein dürfen. -> Das Schulwesen dahier liegt leider im ArgeN und obwohl die Gemeinde eine-wohlorganisirle Musterhaupt» schule hat, besuchen doch noch an 200 schulpflichtige Kinder die Winkelschulen bei gewesenen Handwerkern und unwissenden Melamdim. Wir enthalten un-absichtlich die Ursache dies«, zu wahre« Thätsache anzugeben und begebe» uns an unseren Bestimmungsort «ach 8 tszka zum R«d d e n. Der Weg führte über SöroS Pattak, einen Markt, flecken mit mehr als 1200 Juden, und obwohl dahier ein vorzüglicheprotestantisches Gymnasium und eine Akademie ' seit Jahrhunderten besteht, leben die Juden dahier al- Ehasfldim und Halbchassidim, die Alles, nur nicht de« Fortschritt > wollen. Seit Rabdi Herschl« in Liszka wohur, hat sich dies« unbedeutende Marktflecken sehr gehoben wtb ist derselbe durch die vielen Wallfahrer sehr belebt. Die Gemeinde, die früher kaum in der Lage war, einen Rabbi zu besolden, erhält heutr nicht nur den Gehalt vom Rabdi als Gabe zurück, sondern empfängt auch noch vom Redden bedeutende fl Geschenke, die den Gehalt bei weitem übersteige». I