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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 37 (1861) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
37 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 4 soll sein Erbe werden, der seinen Wünschen am nächsten gekommen — aber welche diese Wünsche, und wer ihnen entspräche, davon hat er geschwiegen. Einer feiner Wünsche war aber die Derkräglichkeik seiner Anverwandten. Da wir also nicht wissen, wen da» Loo» treffen werde, da in diesem Augenblicke noch Alle und noch Keiner detheiligt sind, lasset unS dahin uns vertragen, daß wir Allesammt auf unsre etwaigen Ansprüche an die ganze Erbschaft aufgeben, und überein kommen, daS Vermögen in gleichen Theilrn unter unS zu theilen. DieS geschehe sicherlich im Geiste deS verklärten OnkelS und der Herr Justiziariu» wird uns eröffnen, ob dies sich auch mir dem Buchstaben des Testamentes vereinigen ließe. ThutdieS, meine Freunde und 'mit dem klingenden Segen des Verewigten wird sich auch fein geistiger Segen von oben verbinden!" Dieser Vorschlag traf die Angeredeten mit Verwunderung und Erstaunen, und der Richter benutzte die entstandene Pause, um zu versichern, daß diesem Plane gar nichts im Wege stünde. Wer auch der Erde fein werde, so stehe e» diesem frei, schon jetzt über seinen zukünftigen Besitz durch die projectirte Theilung zu verfügen, und wenn sie vor Eröffnung des CobicillS einen dahin" zielenden Vertrag abschlössen, so würde dieser unter allen Umständen rechtskräftig fein. Kaum Halle aber der Richter zu sprechen aufgehört, als auS den drei Gruppen verschiedene Stimmen laut wurden. Der heftige Kramer rief auS: „Ich will mit diesen Leuten nichts zu theilen haben und verbiete meinen Kindern einen solchen Vertrag einzugehen! Entweder Alleober gar Nichts. Meine Schwäger und ihre Kinder sollen sich nicht mit dem mästen was mir gehört, lieber will ich gar nichts haben!" — Bald auch ließ sich die Stimme Joachims vernehmen: „Schlau ausgedacht, Herr Apotheker, und wohl zufammengebraut, ich aber bin schlauer. Kramer hat zwei Kinder, ich vier, und MartuS fünf. Da kommen wir bei der Theilung schlecht weg, und MarkuS schleppt den Löwenanrheil weg. Nicht« damit, eS geschehe, was in dem Briefe dastehet." — Albert zuckte die Achsel, ließ den Kopf sinken und trat unter feine Geschwister zurück. Der Richter offnere das Codicill, entfaltete es uno laS: „Wenn während der zehn Jahre feit meinem Sterbetage die Familien meiner drei Schwestern sich mit einander auSgefihnt und in Frieden gelebt haben, und sie dies durch fünf unparteiische Zeugen erweisen können, so soll nunmehr mein hinterlasseae- Vermögen jammt ausgelaufenen Zinsen zu gleichen Theilen unter die fämmttichea lebenden Kinder meiner drei Schwestern vertheilt werden. Ist die» aber nicht der Fall, haben sie in ihrem unvernünftigen Hader weiter gelebt, so schließe ich Alle von der Erbschaft auS, mit Ausnahme dessen oder, derer unter ihnen, die meinen Wünschen am nächsten gekommen, nämlich durch unverdächtige Zeugen darthun können, daß sie sich alle Mühe gegeben, und kein Opfer gescheut, den Frieden in der Familie wieder herzustellea, wenn sie auch dabei auf taube Ohren und verstockte Herzen gestoßen. Sollte sich aber in meiner Verwandtschaft Niemand gefundenhaben, der die» mit versöhnlichem Gemürhe gethan, so soll mein ganze» Vermögen den städtischen Behörden übergeben werden, um eine AlterSversorgungsanstalt zu gründen, deren Bewohner zur Hälfte Juden, zur Hälfte Christen sein sollen." — Der Richter legte da» ziemlich vergilbte Papier nieder und Aller Blicke richteten sich unwillkürlich aus Albert. Der Richter hob an: „In Gemäßheit dies,» Codicill'», nach dem wa» vorher in meiner Gegenwart vorgegangen, und worüber ich ein Protokoll aufnehmen werde, kann <» nicht zweifelhaft fein, daß Herr Albert Marku» zum alleinigen Erben befähigt und berechtigt ist, wofür ich ihn hiermit von Rechtswegen erkläre, fo jedoch, daß jedem Betheiligten gestattet ist, während der nächsten vier Wochen Äke» eourS anzumelden. Die Verhandlung ist beendet." Die Familie Mgrku» blieb ttiumphirend am Platz«, während die beiden andern gesenkten Haupte» den Saal verließen. * Wir haben nur nachzutragen, daß Recour» nicht ange» meldet wurde, hingegen Herr Albert Marku» noch vor Ablauf von vier Wochen feine förmliche Werbung um die Hand Lina'» bei. Herrn Joachim anmelbete, und von ihm einen Recour» nicht erhielt. Bald erhoben sich die stattlichen Gebäude seiner chemischen Fabrik, deren Vorderfront« ein schöneS^Atzohnhau» einnahm, von Garten, Park, und Gewächshäusern umschlossen. In diese» kleine Paradies führte Albert feine junge, glückliche Frau ein. -/ Curiosum.^ Heinrich Heine hat bekanntlich in seinem „ mangero" auch „Hebräische Melodien" gegeben. Da» Gedicht heißt „Prinzessin Saddakh," darin heißt e»: Leche Daudi Likra« Kalle — Komm', Geliebter, deiner harrtt Schon die Braut, die dir entschleiert Ihr verschämte» Angesicht! Diese» hübsche Hochzeitcarmen Ist gedichtet von dem großen, Hochberühmten Minnesänger \ Do» Iehuda den Halevy.! In dem folgenden Gedichte: „Iehuda den Halevy" ln welchem er der Sage gemäß Iehuda am Thore Jerusalem» von einem Mohamedaner ködten läßt, endet er: Droben, heißt e», harrte seiner V Sin Empfang der schmeichelhaft! Ganz besonder» für den Dicht« 1 Eine himmlische Sürprise. - I. festlich kam da» Thor der Engel! . hm entgegen mit Mufik. Und al» Hymne grüßten ihn Seine eignen Verse, jene» Synagogen-Hochzeitcarmen, Jene Sakbtth.Hymen1en, . Mit den jauchzend wohlbekannten j , - Melodien — welche Töne! 'j - Englein bliesen aus Hauboen, 1 [ Enaleiv spielte» Violine, Andre strichen «ich die Bratsch« Oder schlugen Pauk' und Zymbel. Und da« sang and klang so lieblich,! Und so lieblich in den weiten _ Himmel»räiunen wiederbnüt e»r Lecho Daubi Likra» Kall«. Zum Unglück für Heinrich Heine ist Iehuda ben Halevy gar nicht der Verfasser.de» Lecho Daudi, sonder» Schelomoh Halevy.

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