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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 34 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
34 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Bekehrung und Anterhattung aut jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson nt Magdeburg. , sSio. 34. 1861.1 Boa tiritT Akichbritt erMcint wöchentlich eine Nummer. Prei« de« Jahr» gang« l Tdlr. Bierleljädrig 7 % Ngr. Alle Buchbanrlungcu, Postämter uur Ze,lungiervetittö«rn nehmen Befteüungeu auf [8. IaKrg. 3. Quartal.]“ - Sir Moses Montcfiorcs Ausenthalt in Wilna im Jahre 1846'). Von —ll in —n. (2d>ftt£ j IX. Am Sonnabend ging der Sir weder am Abend noch am Morgen nach der Synagoge, um dem Gedränge auSzuweichen, sondern verrichtete sein Gebet zu Hause. Erst am Nachmittag, uni zwei Uhr, als altes Volk seine Sabbathruhe hielt, begab sich Sir Moses, Lady Judith und Dr. Löwe, von Niemanden bemerkt, nach dem Gotteshause, wo sie erst an zehn Minuten warten mußten, bis der Synagogendiener kam und ihnen die Thüren öffnete. Nach einer Viertelstunde war das Gotteshaus voll,.!>r. Löwe bestieg die Kanzel und richtete an das Volk-eine deutsche Rebe, die erste vielleicht, die in den Mauern der Wilna'schen Synagoge erschollen, in der er, anknüpfend an den ersten Vers des betreffenden Wochenabschnitts: triDTip heilig sollt ihr sein rc. dem Volke Gottesfurcht, Sittenreinheit und Arbeitsamkeit aufs Dringendste empfahl. Den momentanen Eindruck, den diese vom Hauche der Wahrheit und Bruderliebe durchwehte Predigt auf di« Menge hecvorgebracht, machte Herr S. I. Finn, durch seine Uebertragung derselben ins^hrdräische, welche unter dem Titel Maffa Elivser (-IT*'?» nce , Wilna 1847.) im Drucke erschienen ist, für längere Zeit dauerhaft. Wahrend der ganzen Zeit, die die Predigt dauerte, beftrnd sich Sir Moses in der aufmerksamsten Stellung in der männlichen Abtheilung der Synagoge und die Lady in der weiblichen; zum Minchagebet stieg sie herunter und nahm ihren Platz zur Rechten des Sir auf dem Almemor ein. Nach dem Gebete, in dem der Sir gleichsam von diesem Heiligthum Abschied nahm, begaben sie sich unter unendlichem Jubel der Menge nach ihrer Wohnung. Nun brach die Nacht herein; der Sabbath verging; die Abschiedsstunde nähere, der Sir beschloß, um jeden Eclat zu vermeiden, in der Nacht die Stadt zu verlassen. Gleich nach der nbnan waren alle Vornehmen der Wilna'schen Judenheit bei Sir Moses zum Abschiede versammelt. Sie wurden von ihm aufs Freundlichste empfangen, im kerzenbeleuchteten Salon, an mir verschiedenen Weinen und Süßigkeiten reichlich besetzten Tafeln und während 1) „Bor Nachdrück wird gewarnt." die her^mtummelnde Dienerschaft, zur größten BetrÜbniß der Anwesenden, sich mit Packen und Schnüren beschäftigte, blieb der Sir. in ihrer Gesellschaft dis 2 Uhr nach Mitternacht und ließ sich von vr. Löwe einige von den ringereichten PromemoriaS ins Englische übersetzen, wobei der Sir sich mit ungekheiltem Interesse in scharfsinnige und gründliche Erörterung vieler Punkte einließ. Auch die Lady nahm an dieser eigenrhümlichen Vorlesung Antheil. Unter den apologetischen Schriften sind besonders die hebräischen Aufsätze der Herren Finn und B. Manrelstamm und ein vortrefflich abgefaßter russischer Aussatz des Herrn B. R Ü n d - sunSky hervorzuheben. Die drei genannten wurden dukch» gelesen, die übrigen empfing Sir MoseS eigenhändig zur sorgfältigen Aufbewahrung. Nun begann eim. herzlichrührender AbfchiedSauftritt. Der Sir drückte einem jeden brüderlich die Hand: „Ich verlasse Euch zwar, sprach er mit bewegter Stimme, aber mein Herz bleibt bei Euch." Alsdann gingen Alle mit thränenden Augen nach Hause, nur Rosenthal blieb noch zurstck; er, der der Erste war, der den Sir empfing und bewillkommnet«, war auch der Letzte, der ihm das Geleit und den Abschiedssegen gab. Der Sir ließ ihm feine Mütze und ein Schnupftuch zum Andenken zurück. Vor seiner Abreise ließ er'noch an demselben Abend einige hundert Rubel an Arme auStheilen; auch alle von seiner Tafel übrig gedliebeiien Weine, Confituren und den sonstigen Küchenvorrath ließ er unter jüdische Arme vertheilen. Um 4 Uhr in der Naröt von Sonnabend auf Sonntag, vom 23. auf den 24. April 1846 verließ Sir MoseS Montefiore, nach einem eilftägigen Aufenthalte, still und geräuschlos die Skadt Wilna und begab sich 'über Wilkomir und Kowno nach Warschau, um auch über den Zustand seiner Glaubensgenossen im Königreich Polen authentische Erkundigungen einzuziehm. Ueber Hochzeitsreisen. Als ich dieser Tagin No. 24 d. A. A. d. I. -Seite 339 Ihre sehr richtige Bemerkung las, wie es noch immer nicht israelitische Schrifsteller giebt,' für welche eine Literatur des JudenrhumS gar nicht vorhanden ist, fand ich dieses bald darauf in Maiers „Neuestes »EonversationS-Lexicon" (Hildborghausen u. New-Park 1858) bestätigt. Ich las den Artikel „Hochzeit," und fand unter spezieller Erwähnung der Hochzeit bei den Juden in „Deutschland" Dinge' erzählt, die wie Mährchen

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