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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 33 (1861) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
33 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Aufenthaltes in ihrer Mitte von fämmtlicken Juden Wilna's I dargedrachl wurdenwaren, wie bereits dem.ckl, teineswegeS ein vorbereitetes, einsiodirreS Cermoniell, sondern lediglich - ein aus Her; und Seele entquollenes Impromptu, da» > von jedem Einzelnen auf.unbefangene Weife, nach freier Eingebung des momentanen Enthusiasmus ^agestlmml worden. Außer dem immerwahrenden Entgegenjauchzen des! Volke« in Massen, welches, bei allem Anscheine von Zu-; dttnglichkeit, dem Sir so wohlgefiel, deeiferte sich jeder \ Einzelne aus freiem Antriebe seine Verehrung, auf jede 1 ihm zu Gebote stehende Weise darzuthun. Den zu jener Zeit ’< neugechornen Knaben gab man den Namen Mosch, so wie den Mädchen den Namen Judith; eine Huldigung, die hier auS Dankbarkeit und Liede, wie ehemals einem großen. Eroberer au» Furcht oder politischer Specularion da gebracht worden sein mochte. Diele Künstler verewigten den; Aufenthalt Monrefiores in ÄÜilna in Hohlgelungenen Stahl: stichen, die den Sir bald andächtig in seinen Bermankel > gebullt, bald in seine Uniform gekleidet, darstelllen und . die beim Volk reißenden Abgang fanden. Biele, sowohl . jüdische als christliche Schriftsteller schickten ihm ihre Werke; j die Vekfasser wurden zum Sir geladen und nach freund»! sckaftlichem Zureden auf's Ehrenhafteste honorirt. Sic Moses befahl all? Armen, die um ein Gnaden: geschenk anklopften, von feiner Schwelle nicht unbefriedigt ziehen zu lassen. Als aber die Zahl derselben über alle l Erwartung anwuchS und paS immerwahrende Gedränge! bald zu unangenehmen Auftritten führte, befahl er, ein * Jeder solle sein Gesuch, zu einer dazu bestimmten Tagesstunde, schriftlich >inreich«n. Alsoforl regten sich. Tausend > Hände und eine Fluth von Bittschriften in hebräischer, Sprache, in der sich der Jude mir seinen Glaubensgenossen aus allen Wertgegenden mehr oder weniger verständlich machen kann, ergoß sich in Momestores Eadinet.; Unter den Bittschriften befanden sich auch viele, die über a.!gemeine Kragen handelten, diese wurden größrentheils sogleich gelesen und zur Beachtung aufdewahrt. Zahlreichen ' Bittstellern, die um' persönliche Unterstützung anhielten, wurden sogleich beträchtliche Gaben von 10, 20 u. m. Ruoeln eingehandigt; einer christlichen Bittstellerin, die eine Recommandation von einer vornehmen Persönlichkeit -brachte, wurde eine Summe von 100 Ducaren übergeben. So verstand er auch täglich, herabgekommenen Glaubens: > genossen, guter Herkunft und ehrlichen Wandels, nam- ' hafte Unterstützungen auf eine Weife zukommen zu lassen, i die die beschämten Empfänger nicht in Verlegenheit setzte. > Für. die gemeinere Classe beider Konfessionen aber, die ihn! mit ihren schriftlichen Almosenbitlen überflurhele, bestimmte ' ec eine Summe von 1200 Rubeln, von der er die eine! Hälfte dem Ewilgouvecneur zur Dertheilung unter christ-! liche, die andere Hälfte dem Stadtprediger zur Vertheilung unter jüdische Arme hinrerließ. So vertheilke Sir Mose» während seines kurzen Aufenthaltes in Wilna an Almosen | und milden Gaben allein die namhafte Summe von ' 3000 Pf. St., circa 16,000 Silber Rubel. j Donnerstag, de» 21. April, kam di« Gemahlin des KnegsgouverneurS, um die Lady Judith zu' besuchen. Da die Lady zufällig damals unwohl war, kam Sir Moses, der die Genecalm durchs Fenster kommen sah, derselben entgegen unv meldete ihr von der Unpäßlichkeit der Lady. Die Generalin kehrte sogleich um und schickte Tags darauf zu ihr ihre Kinder, mit denen sich die kinderlose Lady lange Zeit unterhielt. Freitag wurde eine Versammlung der Notabeln und Repräsentanten de? jüdischen Gemeindeim Hause des bereits gedachten Ch. N. Parneß veranstaltet, wo die im Laufe der Woche aufgesetzten, Sir Monl.fiore milzug,benden Apologieschriften verlesen wurden. Auch wurde von dort eine schriftliche Einladung an lir. Löwe erlassen, am kommenden Saddarb in der großen Synagoge zu predigen, welche Einladung er auch ohne Bedenken sogleich annahm. '(SainS leljit.; Eine geschichtliche Notiz. Herr 2ury, Rabbiner zu Toulouse, Kat in dem Archive des Departements Haute-Garonne zwei Acrenslücke gefunden, beide in lateinischer Sprache abgefaßt, das eine datier Earcassonne 1142 und unterzeichnet in hebräischen Charakteren r-rr -o das andere datirt Nardonne 1195 und unterzeichnet c*vn® "»a oiE'^bp. In dem einen Acrenstücke verkauft R. Kalonymos dem Commandeur von St. Jean de Nardonne zwei Ländereien, aber indem er für sich und seine Erden die Rechte vorbehält, welche mir diesen verbunoen waren. Diese Rechte waren alle mir den Allodialgrunvstücken verbundenen Rechte, wie der Justizpflege, der StempeladgabenecKebung bei jeder Veränderung veS Besitzer», u. f. w. Es geht also hieraus hetoor, daß die Juden damals nicht blos. da» Recht, Grundbesitz zu erwerben, hatten, sondern auch die vollständigen Herrenrechte zu besitzen und außzuüden. Bezeichnend ist auch, daß das Actenstuck in lateinischer Sprache adgefaßt, aber m hebräischer Sprache unterzeichnet war, und damit dennoch vollgültig wurde. Es ergiedt sich auch aus diesen Umständen,' daß es erst die zweite Epoche de« Mittelalters war, welch« das härteste Geschick über unsre Väter brachte, so daß der Beginn der Kreuzzüge den großen Wendepunkt adgav, mit welchem sich erst der ganze christliche Fanatismus über uns ergoß. Allgemeine Zeitung des JudenthumNo. 32. 1861. Leitendr Artikel: Unser Lerbältniß zur katholischen Kirche. — Die industrielle Miision der Juden. (Schluß.) — Die israelitische Bibel Anstalt — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Aus dem Posenschen, Magdeburg, Berlin, Cöslin. OesterreithischerKaiserstaat: Agram. Holland: Rotterdam Correspondenz: Bericht über -die Conferkn; des „israelitischen LehrervereinS für Westphalen und Rheinprovinz" in Hamm am 20. und 21..Mai c. 3U bezieben durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y4 Thaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Rüde. ve^ag vo» Ba»»gLrt»er'* BrubbaudUurg in Vripjig. — Drnü von iS. AtcDfing in Leivt'S-

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