Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 32 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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128 }u Sonnabend früh labm. Mehr den 300 Flaschen Wein sind an diesem Tage dem Sir geschickt worden, außer dem verschiedensten Zuckerwerk und Bäckereien in Menge. < KeriiepUng fvtat). Ueber Schiduchim. Bon RechtSanwali I>r. Lalm in Bernburg. . Das ist noch ein wunder Fleck in Israel. Die fort«; schreitende Bildung wird ihn heilen, sie allein kann es; > aber Pflicht'jedes Besserdenkenden ist eS, das Gepreste i offen zu legen. Wir sind so in unsern Eigendünkel ver- ' bohrt, baß wir daS, leidige Schiduchwefen auch für ein Stück „Auserwähltheit" halten. Und warum nicht i Da gibt es Cvurse, steigende und weichende Tendenz, animirteS und lässiges Geschäft, Geld und Brief, Nehmen und Geben, Fixen und Kündigen, vereidigte und Pfuschmakler — . kur; daS ganze Treiben der Börse und Agiotage. Ne- , duajah! O, Du Zauberwort unserer Tage, Du bannst in Deinen Kreis Liebe und Geschäft, Hoffnungen, und Thränen, Israels Jugend folgt sklavisch Deinem Triumphwagen und vor Dir her zieht die lügnerische Fama und stößt in die Posaune: Saul schlug seine Taufende und ' David feine Zehntausende, Meyer hat blos 1000 fl. bekommen, ader'Jtzig 10,000! Itzkg wurde König in Iehuda, seine Partie ist die bessere, darum seine Partei auch die grössere. Partie! Ein miserables Wort für Seelenbündnisse, Lebensglück, Kindersegen. Es klingt gleich der PreiScourant durch, der ganze Schachergeist unserer Tage. Wer dient.heute noch um Rahel sieben Jahrei Der Barer horcht, die Mutter lauscht, daS Söhnchen muß schweigen, bis die Alten über die gehörige Quantität der Thaler- und Guldenstücke einig sind, dann Zusammenkunft, plötzliche Liebe, sofortiger Gang zum Juwelier, gegenseitiges Behängen mit prahlerischem Geschmeide, kleine Differenzen vor der Hochzeit über da» Agio, Thronen beim Bedecken und im Tempel, der Barer reiste mit der Nedunjah vorweg, das neue Paar tritt eine Hochzeitsreise an — es kehrt zurück und in der lieben Schul tönts am ersten Sabbath von Mund zu Mund „Bagatell, Spaß, Ehaim Löd's Tochter, ein Kozin von Schwiegervater'' — indeß der Chasan leinr 5 „Also diente Jacob um Rahel sieben Jahre und sie waren in seinen Augen wie einige Tage, weil er sie liebte." „Weil sie Geld hat" — das ist heute die Parole, das Alpha und das Omega aller Gründe. Da steht eine Solamith in holdseliger Jugendgestalt, im ganzen unnahbaren Zauber orientalischer Schönheit, vorbei Ihr Commis und Bankierssöhne, sie ist nur eines Rabbiner-Tochter. wo bleibt die Firma, das Geschäft k Rabbiner- Firma beißt: Alte und Neue und Garnichrfe: er „macht" nur in Undank und Aerger. Davon kann man nicht leben, keine brillante Einrichtung kaufen, keine Ballettänzerin poussirm, keine UpmannS rauchen. WaS hilft Dir Bildung, wanützt die Thräne im tieftlauen Augr, arme Jüdin? Wir leben in der.Zeit de- Artienschwindels, der materiellen Genüsse, kein jüdischer Krösubeglückt den Engel, denn neblich, n,blich, er ist ein Dalphen. Wie eS mich immer anekelt, wenn ich von Partieen höre. Dreiviertel davon läuft auf Prahlerei und Lüge hinaus. ES ist gar nicht so weit her mit den jüdischen Mitgifren, nicht einmal in Berlin, Hamburg und solchen Städten. Für die reichen jüdischen Dandys deckr's kaum die Eincichtungskoften, Kutsche und F§ten. Laßt Euch nicht bestechen durch die Perlen von Friedederg Sühne und durch die Brillanten von Märckwalds. — Ihr könnt sie dort zählen die Mädchen, deren Mitgift 20,000 Thlv. erreicht. Freilich mögt Ihr bangen, arme Müller, denn ganz Israel ist ein Kaufmann und ein Kaufmann braucht Geld. Soll der „Jung"' der so lange als Kassirer da und dort ftrngirt und mit Hunderttausenden um sich geworfen hat, eines Mädchen« willen klein anfangen, entbehren , dulden, als Schlemiel in der Killah gelten, wenn Juliu- Nathan ins Product,ngefchäfl vom gelben Philipp hineinheirarher? Unsere jüdischen CommiS und Dankiersföhne dichten alle s la Heine und schwärmen für die Forti und Pepita, für die Gossmann und Lucca — aber in Ehesachen: Mit dem Gürtel, mit dem Lcbleier Reißt der schöne Wahn entzwei, . Heiß' er Jtzig oder Meyer, Geld nur ist das Feldgeschrei! Und schreit er nicht, so thun's die Berwandten. Und steigt ein Nadod einmal in niedere Sphären, er nimmt auch von dort die kleine Nedunjah mit. Die meisten Juden müssen ihr Vermögen zerstreuen und zerstören, der Nedunja'S halber, gerade wenn da- Kapital am besten wirken und schaffen könnte. An die wenigen Reichen denke ich hierbei nicht. Wahrlich, dem Leichtsinn, der Unüberlegtheit, dem kurzen Taumel, der Auflehnung gegen den Willen der Eltern predige ich nicht da-Mort, aber das jüdische Mädchenwaacengeschäft, der Parti,enschacher, die Nedunjahprahlereien müssen aufhöcen, denn sie sind eine Schmach unserer Tage. Die Emancipation auf diesem Felde ist unsere Pflicht. In diesem Jahre sind wir noch Sklaven und im Exil, wann führt ver Messias der Liebe unsere Freier aus dem Lande der Partieenknechtschaft? Geschrieben zu Gernrode, am 22ten Juli 1861. Gelder nach Palästina. Das Amsterdamer Comit( für die Verwaltung der Fonds für die Armen des heil. Landes hat seinen Jahresbericht veröffentlicht, woraus hervorgeht, daß die Beiträge des letzten Jahrein runder Summe 35,000 Tblr. betrugen. Allgemeine Zeitung des Judenthum«. No. 31. 1861. Leitende Artikel: Die industrielle Mission der Juden (Fortsetzung au« No. 30.) — Die Gegner. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dresden, München, au« der Pfalz. Preußen: Berlin. OesterreichischerSaiserstaat: Pesth, Krakau. Frankreich: Paris. Rußland: Warschau,Schaulen. Nordamerika: Philadelphia, St.Louis. Amerika: 8t. Thomas. Türkei: Konstannnopel. DM7 Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich k Thaler. Brrvutwortlicher Rrdacreur: St. Näbe. Strikt »«> feaaKgi^tiie«'« Suttoabteag t» Leipzig. — Drad mb 9. Lreysiag in Leipzig.