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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 32 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
32 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Kolksblatt. Zur Retehrnng unk) Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. H^erausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-psoo m Magdeburg. [9io. 32. 1861.] a<cn tidet ZdtstvnN cdAant wöSenUi» «ne Nummer. Prei« et« Ä-Hr gang« l Thlr. -tiientljabrig 7Ngr. AUc B»L«»ntUmgen. Postamt« unk Aeiruuqscrpeditiöneu nehmen Vcstcuungeu an. [8. jahrg. 3, Quartal.] Sir Bioscs Äiontcfiores Aujcnlhalt in Wilna im Jahre 1846* **)). Von —II in —n. . (ftcrtftQunfl/. II. Den Repräsentanten der Gemeinde, die schon Sonnrag nach Krigeanki ihrem Gaste zum Empfange entgegen geeilt \ waren, wurde indessen die Zeit ein wenig zu lange und ■ sie schickten Bote auf Bote, um den eigentlichen Aufenthalt desselben und die Ursache seiner Zögerung zu erfahren. Als sie erfuhren, daß er noch zu Wiikomir weile, schickten sie aus ihrer Milte den Herrn B. Natkyn dorthin. Sir MoseS empfing ihn sehr freundlich, ließ ihn'zur Tassl laden und brachte 'in seiner Gegenwart einen Toast auf daS Wohl der Wilna'fchen Gemeinde aus.! Bevor noch aber Herr Natkyn zu den Seinigen zurückj kehrte, gerielhrn diese in Streit und zerfielen in mehrere Parteien, die sämnulich um das Prärogativ stritten, Sir Moses zuerst bewillkommnen zu dürfen. Hauptsächlich,, war die Spaltung^zwischen den confervativen und progressiven Mitgliedern des Vorstandes. Während sie so untereinander stritten und unschlüssig hin und her schwankten, bemächtigte sich, um der Sache einmal ein Ende zu machen, der bereits gedachte Hr. Rosenthal des Carmens und eilte in Begleitung zweier andern Vornehmen fünf Werst von der Poststation dem Kommenden entgegen. Herr R. ließ feinen Postwagen quer über den Weg stellen, sobald di« Wagen Monlefiores im Anzug waren, damit dieselben nicht vorüderrollten. Die Wagen kamen herbei. Im Hintergründe eines halbgeöffneten Reis,wagens saß Sic Moses Montefioce an der Seite feiner Gemahlin Lady Judith, auf dem Vordersitz der gelehrte vr. Löwe, der sie auf ihrer Reise nach Rußland begleitete'*). Herr R. mit seinen Begleitern traten, sobald die Wagen aahielren, heran, überreichten dem Sir das Carmen und hießen ihn im Namen der ganzen Judengemeinde Wilnas willkommen. Sir Moses empfing das Carmen sichtdarlich erfreut und drückte dem Uebergeber, herzlich dankend, die Hand. Nach- *) ,^vor Nachdruck wird gewarnt." **) Dr. B- Löwe war, be, seinem Eintreffen in Wilna, den Wilna'fchen Juden nicht unbekannt. Seine in den ersten Jahr« gängeu der allg. Ztg. d. Jdthms. abgedruckten Briefe aas dem Orient, find kurze Zeit vorher von dem seligen M A- Günzburg ins Hebräische übersetzt und populär geworde». dem Dr. Löwe .vor^ ihnen-das rührende Gedicht aus dem Hebräischen ins Englische übersetzt, wobei der Sir und die Lady vor Rührung Thränen vergossen. bat R. den Sir, er möge feinen Wagen langsamer anfahcen lassen, damit er Zeit gewönne nach Kcigeanki zurückzueilen und seinei! dort harrenden L-ndsleute vorzudereiten. Al» ihm die» gewährt wurde, iahte" R. sogleich im gestrecktesten Galopp nach Krigeanki zu feinen Brüdern und brachte ihnen dit Nachricht von der nahen Ankunft des sehnlichst Erwarteten. Bel dieser Kunde hörten alle Parteizwistigkeiten und egoistischen Anfeindungen auf. Alle Herzen schlugenhoch. und selig auf, so daß sie auch Rosenrhal sein eigenmäch tiges Verfahren verziehen und sich unter seiner Anordnung in Reihe und Glied nach ihrem Alter stellten, um fa in geschlossener Ljnie alle auf einmal dem Ankommenden begegnen und ihn bewillkommnen zu können. Um 10 Uhr kamen die Reisenden nach Krigeanki. Sir Mose« stieg auS und wurde von Allen mit einem lauten: „ttän rp-c rt oxs" „Willkommen in Gottes Namen!" empfangen'. Alsdänn trat der Rabbine, Rabi Israel Gordon') hervor und begrüßte ihn im Namen der fämmilichen Gemeinde in einer kurzen aber kernigen deutschen Ansprache; dasselbe rhat gleich darauf der Gemeindeprediger im Hebräischen. Beide Anreden wurden von Dr. Löwe englisch verdolmetscht. AlSdann begrüßten dieselben auch die im Wagen gebliebene Lady, welche mit sichtbarer Rührung den Gruß erwiederte und mit thränenden Augen rief: „Gott sei gelobt, -daß er unS hierher geführt, unsere Brüder und Schwestern auch hier zu erblicken!" Unterdessen stellte Rosenthal dem Sir alle Anwesenden, der Reihe nach, vor, indem er jeden Einzelnen mit Angabe seiner Würde und seine» Postens, den er in her Gemeinde emnahm, namhaft machte. Nachdem diese Ceremonie zu Ende war, traten die Reisenden in das ihnen zu Ehren festlich decorirte Posthaus^ nahmen ein improvisirteS Frühstück ein, ließen alsdann fämmtliche ihnen vorgestellte Persönlichkeiten zu sich ins Zimmer laden, warteten denselben mit Wetn auf und sprachen mir unverhohlener Freude für den überraschenden Empfang, insbefonders aber für daS dargebrachle Carmen, ihren aufrichtigsten Dank aus. „Die Ehre, di« Ihr mir da erzeigt — sagte ihnen Dr. Löwe im Namen des Sir — übersteigt nyfnt schwachen Verdienste. Auch gehöre jegliche Dankesäußerung ausschließlich nur der Lady, da nur sie es war, die mich zur Unternehmung nach Aegypten und auch zu dieser Reise hierher ursprünglich bewogen hatte." Bon *) Heb 1778 st. 1856 in einem Alter von 78. Jahren ■ ■ ’—

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