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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 31 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
31 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. * Am Relet,rnnii uni, Unlerhastuug auf jüdischem Gebiete. HerauSgegeden von Rckstdiner vr. Ludwig Philippjou in Magdeburg. lRo. 31. 1861., Bon die,er ätitfärift erscheint wdche»«ich eine Nummer. Preis de« Sahrganz« > Tdir. Vierieljaprig 1 '4 Ngr. >Le Buchdanrinngen. PvftLmler und ZeimnsservedinoneA nehmen vrfteunngen an. [8. Jährig. 3. Quartal.] Sir Btoses Brontefiores Aufenthalt ln , Wilna im Jahre 1846. Von —n in —u. Vorbemerkung. ES waren schöne Tage für die Juden Wilna'- — dewiedererwachren SeldstbewußtseinS, der neub,lebten Hoffnung. Seil langer Zeit batte keine erfreuliche Begebenheit die riefbttrüdten, vereinsamten Herzen zu einem allgemeinen Gefühle vereinigt; seit lange kein Sonnenstäud» chen aubessern Regionen irgend einen aufheiternden Gedanken in den umdüfterken Köpfen erzeugt. Zentnerschwer lag die drückende Atmosphäre auf den von Armuth und Hoffnungslosigkeit gebeugten Gemüthern und verdüsterte, so weit ihr trüber Blick sehen konnte, ringsum den sehr de» schränkten Horizont. Jedes Individuum einegroßen Theiles dieser Muttergttminde der litdauischen Judenheit, mit seiner persönliche, Gegenwart beschäftigt, sah bange und ahnungsvoll in die Zukunft hinaus und bekümmerte sich gaz nicht oder äußerst wenig um die allgemeinen TageSfragen. Liegt es schon an und für sich in der ursprünglichen Beschaffenheit der israelitischen Religion, daß deren Bekenner ein mehr beschaulichealS sinnliches Leben fahren; trugen auch die tausendjährigen gewaltsamen Verdrängungen auS allen Gemeingütern deS Lebennicht wenig dazu bei, den Juden in ein in sich gekehrte- Wesen zu -verwandeln, so ist eS um so natürlicher, wenn diese Theilnahmlosigkeit am socialen Umschwung bei fortdauernder materieller Verkommenheit ihren Höhenpunkt erreicht. Ein Mensch, dessen Zukunft immerwährend dem unsicher», willkürlichen Zufälle anheimgestellt ist; der täglich um sein dürftiFeS Brolkrümchen mir Tausenden von Schwierigkeiten zu kämpfen hat, muß nothgedrungen den Sinn für etwaihm nicht unmittelbar Angehendeendlich ganz und gar verlieren. Dasselbe mochte auch zu jener Zeit der Fall mit den Wilna'fchen Juden gewesen sein. Seitdem ein ungnädiger Fürstenblick der seit dem Jahre 1838 mißliebigen Stadt alle ihre großen, dem Bürgerstande sehr einträglichen Institutionen, eine nach der andern entzog; seitdem die Filialstabt Kowna im Jahre 1843 zur Gubernialstadt erhoben und so ganz Samogithien, da« früher zu Wilna gehört hatte, demselben entführte, seitdem kam diese Stabt überhaupt und die nur auf Handel und Gewerbe angewiesenen Juden insbesondere, täglich mehr herunter. Dazu gesellten sich die damalso drückenden, fast unerschwinglichen verschiedenen Bürgecentrichtungen, du häufigen nürvielen Kosten verbundenen Aushebungen, di« Einführung des städtischen AccisesysiemS, der noch fortbestehenden Lichradgaben, der nur kurze. Zeit bestandenen Kleiderzahluag, die Aneignung der europäischen Kleidertracht u.'dgl. m , die die spärlichen Quellen vollend« versiegen machten. Schließlich kam-noch zu jener Zeit die Ausweisung der Juden auden Dörfern, wodurch unzählige obdachlos gewordene Familien sich nach der ohnehin üdelzugerichteten Hauptstadt de« GuberniumS flüchtend, wie einst an den Gestaden Afrikas, in. den Straßen Wilna'S haidv-rschmachret umher plagen. Ihre Brüder, unter eigner Last zwar tief gebeugt, Ober noch immer die angestamm-e Mildrhängkeit bekundend, nahmen sie brüderlich auf, Reichten ihnen jede mögliche Hülfe und vergrößerten dadurch ihre eigne Bürde um ein B.beutenbeS. Dies alles und noch viele andre Mlßlichkeiten, die wir gern unberührt lasten mögen, stürzten di« Judenheit Wilna'S, namentlich den niedrigen und Mittlern The«! derselben, in eine liefe moralische Lethargie. Die Nachricht von einer Besserstellung ihrer Glaubensgenossen.in andern Ländern, wenn sie auch dann und wann geschmuggelt zu ihnen herüberscholl, mußte gegen ihre eigne trostlose Lage . um so greller abstechen, da ihnen selbst keine Hoffnung, mit Ausnahme etwa der traditionellen, auf eine bessere Zukunft übrig geblieben zu fein schien. Mit dem physischen Uedelstande geht auch der moralische Hand in Hand. In dieser'großen zahlreichen Gemeinde nahmen sich die Gebildeten sehr vereinzelt au«. Die der weitem überlegene Zahl selbst der Bemittelten und obern VolkSschichte gefiel sich in dem weichen emgewärmten Dun.nbelre ve« Herkömmlichen sehr gut. ' Für die um jene Zeit von der Regierung begonnenen R. formversuche hatt.n sie keinen Sinn und siemmren sich mir aller möglichen Kraftanstrengunq dagegen. Einerseits erlaubten ihnen Ehre traurigen Umstände nicht, ernstlich daran zu denken; andrerseits hatten sie den damalS^von der Erfahrung nicht widerlegten Glauben, unter diesen T^rfügungen reine voraziSzusetzen, die irgend «ine Besserung ihrer Lage.oberLorderu-g ihrer Int.- j ressen zum Ziele harre. Alle neueinrr.ffmden Verordnungen ' pflegte man gewöhnlich mir dem sich nicht desonv»-' empfed- ' lenden Namen: Verhängnisse (rvui zu bezeichnen. Ungefähr unter solchen Umständen rraf die Zeit bes ErscheinenS MonrefioreS in Wilna ein. Schon di, Azttopsie eine« materiell und intetskcruell weit überlegenen, focral yöchg,stellten Glaubensgenossen mußte an un" für sich für diejenigen von nicht unwe',ntljch«r Folge, sein, die unrer'm' schwersten Drucke in tiefstes Elend versüpkm jeden Anspruch

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