Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 30 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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120 / al- 60.000 Thaler Reich-gelb kostete. Ich schließe, mit I der Bemerkung, daß außer der gedachten auch die Gothen-; burger Gemeinde eins der prachtvollsten Gotte-Häuser besitzt, j welcheam 12. iDttobcz 1855 eingeweiht wurde, und baß : unter Gotte- Beistand auch die Kiesige Gemeinde in nicht! langer Zeit ein solches Gotteshaus besitzen wird, zu wel«! chem' sie in diesem Jahre einen Bauplatz in einer der j schönsten Stadtgegenden für 76.000 Thaler Reichsgeld an-; gekauft har. Eine Revolte gegen die Juden in Chaup de-Fonds. Vor Kurzem brachten die öffentlichen Blätter erschreckende LAerichle stb.c Vorgänge in Ekaux-ve-Fond-, jener uhrenerzeugenven >Fadrikstadt des Eanton's Neufcharel in der Schwei;. Es er'gab sich hinterdrein, daß die- Berichte aus tlerikalen Federn waren. Da- Wahre an der Sache über diesen Sturm n einem Glase Wasser wirb' den Arcli. isr. von einem Betdeiligten folgendermaßen mirgetdeilt: ,.Gestern gab es einen ziemlich starken Aufruhr, der ein Llhr Nachmittag-, vor der „Lilie" mit den Rufen: „Nieder mit den Juden! Tod den Jjden!? angcfangen wurde. Ich wellte gestern wie gewöhnlich um ein Uhr meinen Kaffee in „Hotel de France" nehmen, alman nach Verlauf -ei^er Viertelstunde meldet«, daß vor der „Lilie" em Zusammenlauf starrfände und daß man nach den Juden rief. Sogleich gehe ich hin. um zu sehen, was es girbt und finde, als ich vor der „Lilie" ankomme, ungefähr zwei bi-- dreihundert Personen, von denen der größere Theil Neugierige waren, und in der Mitte dieser Leute eine etwafestere Gruppe, unter welcher ein Kcrl laut prahlte und Reden hielt, die alle Beleidigungen von jeder Art gegen die Juden enthielten; viele-Zuschauer waren nur zu froh, diezu hören und frohlockten; die Leute waren an den Fenstern, sowohl in dem Cercle National (KaffeehauS), wie in der „Lilie" und in den Prioathäusem: Niemand machte die Miene, diezu verhindern oder die Polizei aufzusuchen, um dielen Kerl zum Schweigen zu bringen. Nachdem ich etwa eine Viertelstunde dort war',^sing dieser Redner, der Bikler heißt und wahrscheinlich /schon seit einiger Zeit Versammlungen-bei sich hielt, wo er Plünderung der.Juden predigte, sing.also dieser Bikler an, mir immer mehr und mehr erhobener Stimme zu sagen: „Ja, alle Juden sind Diebe und Faulenzer!" Kaum hat er diese Worte gesagt, stürze ich mich in die Menge, bahne mir einen Weg und rufe ihm zu, aber so daß ich zehn Minuten weit gehört werden konnte: „Das ist gelogen!" Da versetzt mir dieser Mensch einen Faustschl/g in'S Gesicht, ich meine-theii» gebe ihn ihm zurück. Während wir anam Kragen haben, geben mir mehrere Leute seiner Bande, in Blusen gekleidet, einige Fauststößt vowhinten; und im selben Augenblick pufft Mayer'von den Pont- Märtel-, der sich dabei befand und sah, daß man über mich verfällt, den Bikler und wirft ihn gehörig auf die Erde. Ein oder zwei andere Juden, ein sogenannter Meyer au- Kolmac und wie ich glaube auch Mayer Netter au- Locle, die sich gleichfalls dort befanden, stürzen sich auch auf einige dieser Leute, eben so, wie Ferdinand Humdert Droz audem Kaffe,hau«, der mich auch von einem Kerl befreit. Humbert selbst hat einige Schläge auf oen Kopf erhalten, ehat gebluter, aber seine Wunden sind leicht, denn ich sah ihn heute Morgen, es geht gut. Alles diesehat sich aber, glaube ich, in weniger Zeit zugetragen, alich zum Schreiben dieser Zeilen brauche; wamich andetciffr, so ist mir nicht- UebleS pafftet; ich habe die wenigen Faustschläge, die ich erhalten habe, gar nicht gefühlt und der Knoten meiner Cravatte war noch eben so gut, alob ich eben in den Spiegel gesehen hätte. Aldiese kleine Prügelei zu Ende war, kam endlich der Prafect mit zwei Gensbarmen hinzu, welche sich des Bikler bemächtigten und ihn in da- Gefangniß führten, und ich kehrt, ruhig nach Hause zurück und kaufte selbst für viertausend Frank- Uhren. - „Hierauf zerstreuten sich die Gruppen von selbst; aber am Abend, bei Einbruch der Nacht, versammelten sich fünf- bis sechshundert Personen vor und neben der Präfectur und begannen zu rufen, man solle Bikler in Freiheit setzen, und zu gleicher Zeit stießen einige den Ruf aus: „Nieder mit den Juden!" Sie trieben die Sache soweit, daß sie endlich die Gensbarmen, welche sich vor der Präfectur befanden und die Thüren schließen sollten, mit Steinen warfen. Dann brach man die Thüren ein, zerschlug alle Fensterscheiben der Präfectur; der Prafect strengte sich vergebenan, eine Rede zu halten, ebenso Grclillat, es nützte Alle- Nichts; sie erzwangen den Eingang, ließen sich von dem Schließer die Schlüssel zu dem Gefangniß gebenwo sich Bikler befand, steckten ein und plünderten Allebiauf die Uhren-und Mantel der GenSdarmen. Wahrend dieser Zeit ließ man den Generalmarsch schlagen; eS war ungefähr IO*,'*--*/* Uhr, da begaben sich ungefähr zweihundert Soldaten in Uniform und Waffen nach der Präfectur, machten siebzehn Gefangene, unter welchen sich auch Bikler befand, und endlich um 12 oder 1 Uhr war die Ordnung wieder hergestellt. Während der ganzen Nacht circulicten Posten und Patrouillen; die GenSdarmen von Neufchatel und Locle.sind zur Verstärkung hier. Am Morgen kehrte ich um 9 Uhr nach Haufe zurück, und blieb dort, um es zu bewachen. Dies sind die That'achen. welche das klerikale Blatt in Besanoon verwandelt hat in^ „daS Resultat der Krise der schweizerischen Uhrenfabrication," die gewisse israelitische Händler benutzen wollten, um Waaren zu niedrigen Preisen zu kaufen. Allgemeine Zeitung des Indent humS. No. 29. 1861. Leitende Artikel: Das jüngste Ministerialrelcript. die Joden in Galizien betreffend. — 1)r. B. Beer. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, aus Bayern, Ludwigshafen. Preußen: Berlin. Rußland: Mikau. Italien: Padua.Ferrara. Aegyp t en.T ürle i: Konstannaopel. Äotfu: Korfu- Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur: St. Nabe. Bn!«| BMI BinmgLr tner's in Leipzig. — Druck ccc E. ftteBfing in Leipzig.