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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 30 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
30 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur | 3$cfef)rung und Unterhaltung aus jüdischem Zebiele. Herau-gegeben von »^ Rabbiner vr. Ludwig Philistpson in Magdeburg. ri-.. i rjicn tickt Zcuickriil «Weint weLc«»Ich eine Stummer. Preis tc» Jubr I'IlH riO lniil I gaugs 1 Thtr. Lkcrrcljavri« IV. Rgr. Sille BuchyantlunAe«, PeftümlC *\ unr Zoiuugserprtilirucu «rhmco r'epcliuugru uu. [8. Inlirg. 3. tfjunrtal] Eine Betrachtung. Die Wege der göttlichen Vorsehung sin) sehr verschlungen. Von Wettem her spinnet sie an, wanach langen Jahren alein schöne- Gewebe vor unfern Augen sich au-breitet. Biel Weh, viele Schmerzen und Mühsal« webt sie hinein, die sich dennoch späterhin als schönfardige Blumen .fuf dem Teppich unsre- Lebenoarlkun und ge-, rade die festesten Fäden au-machen. Ein Familienvater verliert sein Vermögen. Ob durch oder ohne feine Schuld, wollen wir dahin gestellt sein lassen. In welch' Elend gerälh seine Familie' durch den Umschwung der Verhältnisse. Welche Demülhigungen, welche Entbehrungen für seine, an den höchsten Lurugewöhnte Frau! Wie verschieden die nunmehrige Behandlung ' seiner Kinder, die an so viele Bedürfnisse gewöhnt waren.... Ader da-"W,jd-bewährt sich. Eie hat keinen Vorwurf, keine bitteren Kränkungen für ihren Mann. Eie bringt und trägt die Opfer init einer gewissen Freudigkeit. Eie lernt daS beschränkteste Maß in angemessener Weise vertheilen und verwenden. Die Kinder erhallen eine strenge Erziehung; sie wachsen nicht mir. der Au-sicht auf^ die Wege ihre- Lebeneinst geebnet zu finden, und daß man ihnen selbst die Mühe ersparen werde, sich nach den Blumen auf denselben zu bücken, sondern sie müssen lernen, sich mit eigenen Fäusten den Boden urbar zu machen. Der Mann selbst wird emsig, betriebsam, vorsichtig, unermüdlich, diec die Armmh zwar nicht wieder in Ueberfluß, aber doch in mäßigen Erwerb verwandelt hak. Edauert Jahre voll Kummer- und Täuschungen, di-weilen selbst voll heimlicher Verzweiflung. Aber welch' Glück, wenn die Sonne wieder durch die schwarzen Molken zu lächeln beginnt, welche Freude bereitet jeder Schritt vorwärts; wie schwellt die Brust bei jedem kleinen ^Erfolge. Und wke hat Ls sein Weid achten, verehren gelernt und wie groß ist dle Zärtlichkeit, minder sie ihn umfängt, und die Innigkeit die alle Glieder der Familie vereinigt, und' die vor den Vergnügungen de- L^ichrhumentflohen war und noch mehr wäre. Ein FamiMovater steht an dem frühzeitige!- Grade seiner Gattin. Hie Krankheit, die sie dahin gerafft, haue 1 nur einige Wochen gewahrt. Ewar so plötzlich, so ungeahnt gekommen. Er wirft die erste Scholle Erde auf ihren Sarg, und dieser Ton dröhnt ihm in da« Mark seiner Seele. Er war nicht vorwurf-lo-. Die heiße Neigung, die ihn zu ihr geführt, hatte sich nach kurzer Zeit verflüchtigt. Nach und nach hatte er, der Leichtsinnige, sich seiner Gattin entzogen, dem Familienleben entwöhnt, steigen wie dunkle Schar die ec ihr au-geprcßr. seine Kinder vernachlässig , au-wärtdie Befriedigung seiner ungeordneten Leidens haften gesucht . . ' Jetzt wühlt die Rene in seinem Herren. .All' den Kummer, all' die Bitterkeit, die er dem eilst so geliebten Wesen verursacht, ,n vor ihm auf; all' die Seufzer, vereinigen sich - in dem dumpfen Schall, den die erste Scholle auf die Bretrr ihre- Sargehervorgebracht, und dec Tag und Nacht in seine Ohren tont, ec will die Thrämn zablen, die er den Augen entlockte, in die er einst m < so vielem Feuer geblickt und die jetzt auf immer erlöschet sind, aber er vermag enicht, denn esind ihrer zu viele ... Er schließt sich in fein Zimmer ein, verweigert am Tage die Speise, und in der stacht flieht ihn der S hlaf; er giedt sich auf, und will auch unter den Rasen, d r die Geliebte, Gekränkte, Gelödtete deckt . . . Da versamn eln sich am dritten Morgen seine kleinen, zarten Kinder,' )er Säugling auf dem Arme der Amme, vor der verschl ssenen^Thür und rufen! „Vater, Vater, mach auf" un^ weinen und jammern . . . Da öffnet er und reißt die Kinder an seine Brust, und auch ihm entrollt di« erste Aähre. der viele, viele Nachfolgen, und er überschüttet dir Kinder mir stürmischen Liebkosungen,- und läßt sie nicht wielter von sich und wird ihr Wächrev Tag wie Nacht, und ^ll' sein Denken und Thun ist auf ihre Hut und Bildung gerichtet, da findet er die Ruhe wieder; jeder Fortschritt eine« der Kinder ist ihm eine Zusicherung von oben, d^ß ihm verziehen werde und wie er einederselben nach dech andern wohlgerüstet in bas Leben eintreten sieht,^ühlt er, daß der geliebte Schatten versöhnt sei. Ein Familienvater schließt die Augen. Ewaren di« Augen de- Ernährer-. Ec war diein redlicher Weise. Aber Vermögen hatte er nicht erwerben können. Nach kurzer Zeit kehrt die Noth in die Hütte d«r Wittwe ein. Waauden besseren Tagen übrig ist, verschwindet nach und nach. Die Hülfe, bi«, ihr Anfangvon Freunden gereicht ward, hört auf. Dabei wachsen die Kinder heran, und die Bedürfnisse mehren sich; sie müssen zur Schule, anständig gekleidet werden. Die Wittwe rafft sich auf, sie müht sich in jeglicher Weise ab, da- Nothdürflig« zu erwerben; sie schläft dazu die verschiedensten Wege «in, mir Ausnahme der unredlichen, Nacht und Tag sind ihr gleich, wenn ewazu verdienen giedt. Die Kinder darben und genießen mit ihr; sie sehen die Bedrängnisse dec Mutter und verstehen sie. Welche Liede füllt da die Herzen der Kinder, welcher Ernst die unschuldigen Äemüther; der Eifer, der Mutter zur Hülfe zu kommen, wacht in ihnen auf, spornt ihren Fleiß, dämpft jeden Uedermuth, beherrscht

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