Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 24 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Jüdisches BolkSlilatt. Zur ÜpfeOrumj uni) Unterftnftuiifl nnf jüdischem HeKiele. Herao-geqeden von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Psou in Magdeburg. lNo. 24. 1861.] 4<cn fcteier >iriif<brift eriAeint lrochenUicd eine Nummer. Preis des Jahr gungs t Tdlr. Breneljähriq 1 % Ngr. Alle Buch-andlnngen. Poft-imrcr . und Aeirungsexveditionen nehmen Äeftelluntzen an. [8. Jahrg. 2. Quartal.] Das Borurtheil. <Eine Geschichte wie sie im Leben vorkam.) Bon Moritz Grün seid in Raribor. kSqiui-.) Wir sehen eine Stunde nach diesem Ereignisse Hirsch mir Malke allein. — Er erfaßt ihre Hand, die in der feinen merklich fiebert, und indem er ihr voll Liede in daschöne Auges schaut, erpressen sich seinem Herzen di« abgebrochenen Worte: „Malke — schönstes Malkechen — hast — mich denn — liebt — Malke schwieg; ihr blaues Augenpaar senkte sich; glühende Purpurrölhe hatte in einem Nu ihr holdes Antlitz üdergossen. — Dies sagte ihm mehr, als es tausend Worte vermocht hätten. Beherzter fuhr er fort: „Malkechen, mein schön, gut, fromm Malkechen, ich Hab' dich so lieb, kann'S Dir gar nicht sagen — sag' Malkechen, mein theuerster Juwel, könntest Du auch Dein Lebelang mit mir zusammen feint" — „Ob ich könnt' — seufzte sie in ihfer Anmurh — da quoll mit einem Mal ein Lhcänenstrom' hervor, und nochmals sagte sie: „Ob ich könnt'!— hundert Leben sollten Dir gehören, wenn ich sie hält!, aber, aber — da weinte sie so. herzinniglich — „die große Scheidewand --- ich weiß, Du hast Deinem"Vater das Gel — „Wenn weiter Nichts!" — unterbrach sie Hirsch jubelnd — „ ist gefallen, ist niedergeriffm die Scheidewand!-und ehe man sich'S versah, lag sich daS glücklichste Paar in den Armen, und eS brannte das feurige Ssegel der Liede, darod sich die Engel freuten. — Und die -gute Alte, als sie bald darauf erfuhr, was vorgefallen, was sagte denn diet — Nun, die konnte gar Nichts sagen; denn sie weinte vor herzinniger Freude, drückte daS glückselige Paar an die glückliche Mutterbrust, und gab ihm ihren besten Segen. War doch ihr sehnlichster Wunsch, den sie still in ihvem Herzen barg, nämlich Hirsch Npd Malke als ein Paar zu sehen, in Erfüllung gegangen. Jhx war zwar die gegenseitige Neigung der jungen Herzen nicht entgangen; sie kannte aber sehr wohl daS schwere Hinderniß; der Wille des dahingeschiedenen Gattm war ihr zu heilig, als baß sie ihrem Sohne hätte Veranlassung bieten wollen, ihn zu verletzen. — Wie Einer, der die Kreihelr lange entbehrte, sie bei ihrer Wiedererlangung in vollen Zügen zu genießen bestrebt ist, so ging'- auch mit Hirsch. Jetzt mied er nicht nur nicht die ihm sonst Verhaßte»; er suchte sie sogar sozusagen f . _ wL | mit Licht auf, um mit ihnen in nähere Beziehung zu treten» l und ward so von seinem Borurtheil völlig geheilt; er fand, daß vom grellsten ,^Roth" bizum dunkelsten „Schwarz" Gute und Schlechte sich befänden. — Da betete er auch , zum Himmel um Vergebung für seinen Vater, der in einem solchen Jrrthum gestorben, und dankte ihm aus tiefster I Seele, daß er ihn davon adgeführt und zur Erkennmiß gelangen ließ. — Auf einige Monate später war die Hochzeit des glücklichsten Paares anberaumr worden. Da herrschte Jubel und Freude! Der Rorhhaarige, gegen dm Hirsch seinm ersten unbegründeten Verdacht geschöpft hatte, durfte nicht l fehlen,! ebenso nicht der Landrof, dem Hirsch-die Wiedererlangung seines Geldes verdankte; er mußt« ungeachtet der nicht unbedeutenden Entfernung auf Hirfch's Kesten erscheinen; denn Hirsch konnte nicht eher Befriedigung seine- GemütheS finden, als bis er von dem Beleidigten 1 audr pnfontid) Verzeihung erhallen hatte.!— Nur de» „sauberen WirtheS" wurde nicht in Freundschaft gedacht.— Die Ehe dieses Pärchens, daS eine fo reine lautere Liebe zusammen geführt hatte, wurde mit de- Allmächtigen bestem Segm gekrönt; — es fand sich allmählig ein Häuflein Kinderchen mit theilS schwarzen, theilS rothm Köpfchen ' ein, die der Vater alle gleich innig liebte. — Einer kleinen Familien-Scene noch wollen wir — in 1 fo fern sie auf unsere Geschichte Bezug hat. — schließlich erwähnen: Bewunderten die Kinder einmal voll Entzückest die Pracht irgend eines WaarmstoffeS, da ""sagte Hirsch: „Kinderchen, wagefällt Euch denn so gut d'rant — die Färb' —- nicht t! — Gut, kommt her — ich werd' : Euch mal weisen! — Sagt, welcher Stoff ist Euch wM -lieber — dieser oder jener?" — „Dieser, dieser" — rief Alleeinstimmig. — „Was doch Kinder Narren sind" —*■ | sprach er darauf unwillig -— „seht, der schöne da, der Euch so gut gefällt, kostet nur einen und jener fünf Guldm. Merkt Euch'- Kinderchen — nicht auf die Färb', nicht ' aufS Aeußere kommt» an; nur auf die Gür', den Gehalt, den innem Wetth muß man fch'n; sonst kann man sich leicht betrügen, wenn man'S nicht recht versteht! Merkt'» Euch ja, Kinderchen!" — Dann murmelte er in seinen Bart, der jetzt bereit» in der höchsten Blüthe stand: „Ich bin zwar 'n „längerer" Narr gewesen — aber ganz gleich — meine Kinder sollen'- doch nicht sein!"- —