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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 23 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
23 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VolkSblatt. Zur Belehrung und AnterhaNung uns jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Di-. Ludwig PhiliPpsou in Magdeburg. [9io. 23. 1861.] Bo» dieser Zeirslbriil erskbeinl wöchruttich eine Nummer. Prei« de» 2-orü-ng» I Tb>r. Bienrljährig 7 Yt Rgr. Alle Buchhaublungeu. Postämter und Aeimugsexpebitiouen nehmen Bestellungen an. [8. ZsKrg. 2. Quartal] Das Vorurtheil. (Eine Geschichte wie sie im Leben vorkam.) Bon Moritz Grünfeld in Ralibor. >,rortsevn»g.) 'Nachdem wir nun den Unverbesserlichen wieder frohen Murhes in seiner Heimarh haben anlangen lassen, 'unbekümmert darum, ob er von Red Meyer den Waarenerlös wirklich in schönen runden Silberstücken oder anderen Geldsorten hat ausgezahlr erhalten, ob er dann die schönen Maaren eingekauft; ja nachdem wir ihn mehrere Monde in seinen Geschäften nicht gestört haben, und auch nicht unwillig darüber geworden sind, daß der Verstockte nach wie vor feine Todfeinde mir aller Energie mied, treffen wir. mit ihm wieder an einem Freitag zusammen. Auch heut waren ihm auf seiner Reise Hindernisse in den Weg getreten; er langte aber noch glücklich, jedoch schon unmittelbar vor der „Schulzeit" in seiner Heimarh an, so daß er sein Fuhrwerk durch einen Nichtjuden an Ort und Stelle besorgen lassen mußte; er selber eilte stracks in die Synagoge, und suchte erst nach Beendigung des Gottesdienstes seine Wohnung auf. Er trat mit eiqem „Gut SchabdeS!" ein, der ihm nebst einem herzlichen „Willkommen!" freundlich erwiebert wurde, aber nicht nur — wie gewöhnlich — von seiner Mutter, sondern auch von der süßen Stimme einer ihm bisher unbekannten jugendlichen Frauengestalt, welche ihm als eine arme verwaiste Anverwandte, die im Laufe der Woche angelangt sei, um hier Zuflucht zu suchen, vorgestellt wurde. — Die Jungfrau wollte eben in anmuthiger Schüchternheit sich mir der Bitte an ihn, den Ernährer, wenden, ihr Erscheinen zu entschuldigen, alS ec mir leiser Handbewegung sie mit den Worten unterbrach: „Gut, gut, mein Kind, bist willkommen bei uns!" — Sie zog sich schüchtern zurück. — Hirsch sang wie er das gewöhnt war — das Scholaum gleichem (ein Lied, womit man die Engel begrüßt). Sein Auge schweifte hierbei im Zimmer umher, das er bald nicht wieder erkannt hätte, wenn er nicht mir jedem Winkelchen, jedem Bretchen, jedem einzelnen HauSgeräth zu vertraut gewesen wäre. Da war der Fußboden blank gescheuert. Alles frisch aufgeputzt, gereinigt, gesäubert; die Möbeln, früher in Unordnung, hatten eine symmetrische Umwandlung erlitten; die verwahrlosten messingenen Leuchter, auS denen schöne Kerzen ein freundlich Licht sandten, strahlten heut wie lauteres Gold; die zinnernen Tischgeräthe auf dem weiße« Linnenruch schimmerten, wie noch nie zuvor. Wie gesagt, Alles I dlankte und blitzte.' Heimlichkeit lachte ihm aus allen Ecken und Enbtn entgegen.' —. Man wusch sich die Hände, und setzte sich zu Tisch. Hirsch machte Kidusch (verrichtete das Dankgebet für die Heiligung des SadbarhS) und sprach den Segen über das Saddarhbrot, das unter eineNfjierlichen Deckchen vor ihm auf dkm Teller lag. — Die Jungfrau — wir wollen sie nun bei ,ihrem Namen Malke nennen —. trug darauf die dampfenden Schüsseln auf. — Hirsch hatte deren Inhalt noch nie so überaus wohlschmeckend gefunden wie heute. — Er erzählte der Alten während deS Essens von den Abenteuern der vergangenen Woche; stockt« aber unwillkürlich jedes Mal beim Erscheinen der schönen Malke, die sich selbst nicht Ruhe gönnend, in reizender Geschäftig-- keil dahin schwebend, aus dem Zimmer in die Küche, , aus der Küche in das Zimmer eilte. Seine Augen "folgten ihr 1 auf Schritt und Tritt'— er wußte nicht, zvie ihm war; — mir der Erzählung der Abenteuer, denen die Alte so gern zu lauschen pflegte, war ec bald zu End»; — ihm stand jetzt nicht der Kopf dazu. — Malke, nachdem sie Alles geordnet, jedem Wunsche, den sie an Mutter und Sohn erspäht, liebewohl entgegen gekommen war, nahin an dem Tische Platz. Wie sie so voll Anmuth dasaß mit ihrem blendendweißen von sanfter Rothe angehauchten Antlitz, wie ihr mildes Auge, welches das schönste Himmelblau beschämte, bald auf der.Ilten, bald auf hem Sohne weilend, sich wieder mit einer gewissen Scheu, die der Jungfrau in ihrer Entfaltung so reizend steht, senkte; wie sie endlich auf die Aufforderung der guten Alten mit ach so milder, angenehmer Stimme in den schönsten und doch so ungezwungenen Ausdrücken die Freuden und Leiden ihrer Familie schilderte, und sich unter ihren Purpürlippen eine Doppelkette der weißesten Perlen hervorstahl — o wie schwoll da unserm Hirsch das Her; in der Brust; in seinem Jnnem — das fühlte tt — stand's heut nicht richtig;^ er hätte ewig zulauschen mögen; die Stunden flössen ihm wie Augenblicke dahin. — Das Mahl war längst beendet.. Ec kürzte! das Semisorh (Tischgesang), das er stets von A bis Z labsang, bis auf daS schöne^,Joh riblaun olach" und ,3uij mischelau ocha^u" (Tischlieder, hie mit diesen Worten beginnen)- ad, worin ihn die reizende Malke auf die «ecktstbe Ermunterung der guten Alten mir der klarsten, helltöamhften Stimme von der. Welt begleitete, — der im Wonne rausch schwimmende Hirsch glaubte den reinsten Engelgesang zu vernehmen- — Hierauf wurde gebenscht. (Geber nach dem Essen verrichtet) — die Zeit drängte zur Ruh«. — Die süße Gedankenfülle, die Hirsch auf seinem Lager durch strömte, läßt sich nicht leicht wiedergeden; ihm

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